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Ringer George Bucur : Duell mit dem eigenen Trainer

Starker Mann: George Bucur trägt bei Mainz 88 gerne Verantwortung Bild: Wonge Bergmann

Ringer George Bucur steht beim Halbfinalkampf von Mainz 88 gegen Weingarten vor einer kuriosen Aufgabe: Er muss mit seinem Nationaltrainer um wichtige Punkte im Kampf um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft ringen.

          2 Min.

          Im Fußball soll es vorkommen, dass eine Mannschaft gegen ihren Trainer spielt. Das ist dann stets kein Ruhmesblatt für ein Team, meist folgt einer Niederlage die Suspendierung des Übungsleiters. George Bucur ringt nun auf der Matte gegen seinen Trainer - und der kann es ihm nicht einmal verübeln. Denn das Halbfinale im Kampf um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft der Ringer bringt das Kuriosum mit sich, dass der rumänische Dauerbrenner in Diensten des ASV Mainz 88 gegen Germania Weingarten (Samstag, 19.30 Uhr) auf den Bulgaren Anatoli Guidea trifft, der zum Ende seiner aktiven Laufbahn bereits als Coach der rumänischen Freistil-Nationalmannschaft tätig ist.

          Daniel Meuren

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Bis zum Freitag war Bucur seinem Gegner vom Samstag gewissermaßen ausgeliefert. Denn im Trainingslager des Nationalteams war der 38 Jahre alte Guidea dafür verantwortlich, dass Bucur für die Qualifikationsturniere zu den Olympischen Spielen in Form kommt.

          Kuriose Situation

          Guidea, einer der besten Bundesligaringer des vergangenen Jahrzehnts, besetzt in Weingarten noch immer die 66-Kilogramm-Klasse - wie Bucur in Mainz. „Das ist natürlich eine kuriose Situation. Aber im Ringen herrscht so viel Fairness, dass Guidea George nun im Trainingslager nicht etwa absichtlich platt trainiert hätte“, sagt Baris Baglan. Und so dürfen die bis zu 1300 Zuschauer in der voraussichtlich vollbesetzten Halle „Am Großen Sand“ im Mainzer Stadtteil Mombach auf ein Schlüsselduell auf Weltklasseniveau mit der besonderen Note der Trainer-Sportler-Beziehung freuen.

          Bucur ist in dem fünften der zehn Kämpfe Favorit, weil er anders als Guidea mit 28 Jahren in der Blüte seiner ringerischen Schaffenskraft steht und zuletzt auf dem Weg ins Halbfinale herausragende Leistungen unter anderem beim Sieg gegen den kubanischen Weltklassemann Yowlys Bonne Rodriguez, seinem „besten Kampf seit langem“, zeigte. Guidea bringt dafür die Routine mit. Zudem hat er Bucur in der Vergangenheit bittere Niederlagen beigebracht: 2011 schnappte er ihm die EM-Bronzemedaille im Kampf um Rang drei weg, in der Bundesliga gewann er das letzte Duell vor vier Jahren.

          Fokus auf den Meistertitel: George Bucur (r.)
          Fokus auf den Meistertitel: George Bucur (r.) : Bild: Michael Kretzer

          Am Samstag aber hat Bucur den Heimvorteil auf seiner Seite: Der Rumäne ist als Bundesligarekordringer des Mainzer Traditionsvereins mit seinen 110 Siegen in mehr als 130 Kämpfen seit dem Debüt vor acht Jahren zum Publikumsliebling in Mainz avanciert. „Die Atmosphäre in Mainz, wenn alle mich anfeuern, ist für mich was ganz Besonderes“, sagt Bucur. Das sollte ihm die Unterstützung sichern, die er für sein Vorhaben benötigt: Er will nämlich nach Möglichkeit nicht nur einen knappen Sieg, sondern einen aufgrund des Punktereglements fürs Team wertvolleren deutlichen Erfolg erringen, den die 88er vermutlich im engen Duell zweier gleichwertiger Teams für eine gute Ausgangsposition für den Rückkampf in einer Woche benötigen.

          Weingarten muss zwar den verletzungsbedingt fehlenden deutschen Spitzenmann Oliver Hassler ersetzen, kann aber dennoch auf eine etwas stärkere deutsche Fünfer-Fraktion in seinem Zehnerteam setzen. Umso wichtiger sind die Mainzer „Ausländer“. Bucur ist wie der ebenfalls seit Jahren für die 88er ringenden Bulgare Kiril Terziev und der Ungar Balint Korpasi diese Verantwortung gewohnt, er bezeichnet den Einsatz fürs Team gar als „Ehrensache“. „Dieser Verein ist wie eine zweite Familie für mich“, sagt er und das ist wörtlich zu nehmen. Seine eigene Familie lebt im fernen Bukarest, Bucur wohnt während der Ringersaison von September bis Januar fast durchgängig in Mainz, wo er täglich im Athletikzentrum der 88er trainiert. Die begrenzten finanziellen Verdienstmöglichkeiten in seinem Sport zwingen ihn zu der Trennung von Frau und neugeborener Tochter. Bucur aber geht den harten Kompromiss nicht nur wegen des für rumänische Verhältnisse lukrativen Lohns ein. Er hat sich in Mainz auch sportlich stetig weiterentwickelt. „Die Bundesliga mit den vielen Kämpfen gegen internationale Spitzenleute und das Training in Mainz haben mir geholfen, immer stärker zu werden“, sagt Bucur.

          Zudem würde er am liebsten abermals erleben, was ihm 2013 vergönnt war. Damals gewann er mit den Mainzern schon einmal den Meistertitel. „Ich tue alles dafür, dass wir diese Chance wieder bekommen“, sagt Bucur. Auf seinen Trainer kann er dabei keine Rücksicht nehmen.

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