https://www.faz.net/-gtl-9lto4

Ringer Stäblers Projekt 67 : „Ich muss ein richtiger Verbrennungsmotor werden“

Da durfte er noch Weißbier trinken: Für Olympia muss Ringer-Weltmeister Frank Stäbler sein Gewicht reduzieren. Bild: dpa

Das Projekt 67 läuft: Ringer-Weltmeister Frank Stäbler muss für seinen Traum vom Olympiasieg in eine niedrigere Gewichtsklasse wechseln, sein Leben bis Tokio 2020 grundlegend umstellen und viel Verzicht üben.

          In Bukarest finden seit Wochenbeginn die Europameisterschaften im Ringen statt. Der dreimalige Weltmeister Frank Stäbler hätte eigentlich am Freitag ringen sollen. Er verzichtet aber aus gewichtigem Grund.

          Der dreifache Weltmeister Frank Stäbler fehlt im deutschen EM-Kader. Sind Sie zu schwach für die EM wegen einer Entschlackungskur und einer Diät?

          Zu schwach nur insofern, dass ich Prioritäten setzen muss. Der Fokus liegt in diesem Jahr klar auf der WM, die Qualifikationsturnier für die Olympischen Spiele ist. Und auf die Spiele in Tokio 2020 ist bei mir alles ausgerichtet. Dafür musste ich jetzt zwei Monate finden, in denen ich meinen Körper an ein neues Gewicht gewöhnen kann. Ich habe mein Grundgewicht von 75 bis 76 Kilogramm auf 71 bis 72 reduziert. Deswegen ist eine EM, die ich gerne gerungen hätte, nicht möglich.

          Sie sind Weltmeister in der Gewichtsklasse bis 72 Kilogramm, wollen aber in Tokio im Limit bis 67 Kilogramm auf die Matte gehen. Warum?

          Meine Gewichtsklasse gibt es bei Olympischen Spielen nicht mehr. Sie wurde, obwohl das vermutlich das weltweit häufigste Gewicht unter Sportlern ist, aus dem Programm gestrichen. Mir blieb nur die Wahl, eine Gewichtsklasse höher anzutreten, wo ich allerdings mit deutlich schwereren Kämpfern zu tun hätte, oder aber eine Gewichtsklasse niedriger. Wir haben entschieden, dass ich nur bei 67 Kilogramm eine Chance habe. Deshalb haben wir das Projekt 67 gestartet.

          2012 und 2016 bei Olympia und bei ihrem ersten Weltmeistertitel 2015 waren Sie sogar 66er, was Sie durch sogenanntes Gewichtmachen in der Woche vor dem Kampftag unter tagelangem Verzicht auf Flüssigkeit geschafft haben. Trotzdem gehen Sie jetzt andere Wege.

          Die Wiegeregularien haben sich geändert. Bisher wurde am Vorabend der Kämpfe gewogen. Nun am Morgen vor den Kämpfen. Es fehlt also die Nacht zum Regenerieren. Unter den alten Wiege-Modalitäten bin ich beispielsweise bei 66 Kilogramm auf der Waage am nächsten Tag mit 70 oder 71 Kilogramm auf die Matte gegangen. Ich habe bis zu zehn Liter Flüssigkeit zu mir genommen, die der dehydrierte Körper nahezu vollkommen aufgesaugt hat. Ich musste dabei nur einmal auf Toilette gehen. Wenn ich nun nach der Waage direkt auf die Matte gehen muss, wäre das nach einer solchen Tortur unmöglich. Ich musste also mit meinem Team und mit Ernährungsexperten einen Weg suchen, wie ich mein Ausgangsgewicht reduzieren kann.

          Öffnen

          Das klingt nach einer Unmöglichkeit, da sie ja nicht gerade Fettpolster mit sich herumgetragen haben am durchtrainierten und ausdefinierten Körper…

          Ich musste meinen Körper tatsächlich verändern. Ein wenig Muskeln mussten geopfert werden wegen des Gewichts. Dazu habe ich in Tirol in einer speziellen Einrichtung entschlackt und den Körper auf eine ganz neue Ernährung umgestellt. Der Stoffwechsel muss viel effektiver arbeiten als zuvor, weswegen ich beispielsweise nach 18 Uhr keine Kohlehydrate mehr zu mir nehme und den Stoffwechsel anrege durch Zutaten wie Chilischoten, Ingwer,  Kurkuma oder auch Beigaben wie Jod oder Bor. Wir orientieren uns dabei an Essgewohnheiten beispielsweise von Japanern, die aufgrund des vielen Fischkonsums einen 350 mal höheren Jodwert im Körper haben, wodurch der Stoffwechsel verbessert wird.

          Wie effektiv ist das? 

          Wir gehen davon aus, dass ich beispielsweise von einem Kilogramm Fleisch, das ich zu mir nehme, 900 Gramm verwerte. Vorher war das vielleicht 600 Gramm. Der Rest war Ballast. Ich muss ein richtiger Verbrennungsmotor werden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der Fall Lübcke : Wie ein Bumerang

          In Wiesbaden und Berlin bestimmt der Fall Stephan E. die Tagesordnungen. Nicht nur die Frage nach dessen Bezügen zum NSU ist noch zu klären. Die Grünen beklagen eine „eklatante Analyseschwäche“ des Verfassungsschutzes.
          Der Hedgefonds Elliott hat seinen Einstieg bei Bayer publik gemacht.

          Wegen seiner Mischstruktur : Elliott macht Bayer jetzt richtig Druck

          Der amerikanische Hedge-Fonds lässt Andeutungen fallen, die als Aufforderung zur Aufspaltung interpretiert werden können. Ganz nebenbei bestätigt er: Man ist mit einem 2-Prozent-Paket am Mischkonzern beteiligt.

          Trumps neue Sprecherin : Schroff und höchst loyal

          Donald Trump macht Stephanie Grisham, die Stimme der First Lady, zu seiner Sprecherin. Sie wird auch Chefin für strategische Kommunikation – eine machtvolle Position.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.