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Ringer Frank Stäbler : Weltmeister im Kuhstall

Traktor ist im Griechisch-Römisch ein durchaus denkbarer Spitzname: Frank Stäbler (blaues Trikot) ringt mit seinem iranischen Trainingspartner Mohammad Papi Bild: dpa

Der bizarre Streit um Ringer-Weltmeister Frank Stäbler geht weiter. Da der TSV Musberg seinem prominentesten Mitglied die Nutzung der Sporthalle erschwert, trainiert der Weltmeister nun dort, wo er als Kind Kühe herumgeschoben hat.

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          Die Heuballen sind Kulisse für die Fotografen. Die Traktoren aber stehen an ihren Stammplätzen, dort wo bis vor nicht einmal zehn Jahren 110 Kühe ihren Platz hatten. Jetzt aber liegt eine zwölf mal zwölf Meter große Ringermatte im ehemaligen Kuhstall, in dem Frank Stäbler nun trainiert. Noch hat er Traktor oder Heuballen nicht in sein Krafttraining eingebaut, aber Ideen dürfte der pfiffige zweifache Weltmeister im griechisch-römischen Stil schon im Kopf haben, zumal Traktor im Griechisch-Römisch, wo aufgrund der Beschränkung auf den Oberkörper als Angriffsfläche viel geschoben und gezogen wird auf der Matte, als Spitzname durchaus voller Ehrfurcht verwendet wird. Denn eine seine Stärken auf dem Weg zu seinen bisherigen Erfolgen war es stets, gemeinsam mit seinem Trainer Andreas Stäbler, nicht verwandt oder verschwägert, aus einer Not eine Tugend zu machen. „Probleme sind da, um gelöst zu werden“, lautet sein Credo.

          Auf der Matte hat der zweifache Weltmeister das am spektakulärsten bei seinem ersten EM-Triumph 2012 umgesetzt, als er seinen Finalgegner damals in den Schlusssekunden mit dem sogenannten Eichhörnchen überraschte, einem Sprung über den gegnerischen Kopf hinweg auf dessen Rücken, um dann mit einer Wurftechnik die siegbringenden Punkte zu erringen. Und so geht Stäbler nun auch mit der neuen Situation um, die ihn vor Probleme auf dem Weg zur WM im Oktober und den Olympischen Spielen 2020 stellt.

          Er muss dieser Tage morgens bei 16 Grad trainieren, weil er genug hat von den Streitereien mit dem TSV Musberg, der fast seit Geburt sein Verein war und es nun seit der Abspaltung der Ringer in den KSV Musberg nur noch immer aufgrund der Formalie der Mitgliedschaft ist. Der Verein hat sein prominentestes Mitglied nun aber aus dem Ringerraum in der Hauberghalle zumindest teilweise ausgesperrt, nur er und die Kinder dürfen überhaupt ausnahmsweise anders als die anderen zum neugegründeten KSV abgewanderten Sportler noch in den Raum. Stäbler darf nur noch vor 16 Uhr und nach 20 Uhr mit höchstens zwei Trainingspartnern in den Ringerraum, also zu Zeiten, in denen die anders als der von der Bundeswehr geförderte Vollprofi Stäbler berufstätigen Ringerkollegen eher nicht zur Verfügung stehen.

          Das Problem lässt sich mit keiner Ringertechnik und auch keinem Überraschungsangriff lösen. Stattdessen sind die Fronten erstaunlich verhärtet in einem Ort einer recht überschaubaren Größe von 5500 Einwohnern, in dem die Sporthalle oder zumindest der Ringerraum schon jetzt den Namen des erfolgreichsten Sportlers der Ortsgeschichte tragen könnte. Stäbler lebt schließlich seit seiner Geburt vor 29 Jahren in Musberg, seit dem vierten Lebensjahr ringt er im TSV, dem Ringerraum blieb er trotz besserer Möglichkeiten an Olympiastützpunkten wie in der Ringerhochburg Schifferstadt als Trainingsstätte immer treu aus Heimatverbundenheit und dem Wunsch nach einem vertrauten Umfeld samt seinem nicht verwandten Heimtrainer Andreas Stäbler.

          Vorstand muss sich für Vorwürfe entschuldigen

          In Musberg ticken die Uhren aber anders, nicht nur weil der Vorsitzende Joachim Beckmann für seinen Verein „Personenkult“ grundsätzlich ausschließt. Und so tobt seit vielen Jahren ein Streit zwischen dem Vorstand des TSV und den Ringern, der seinen Anfang nahm mit den sportlichen Erfolgen der Abteilung bis hin zum Bundesligaaufstieg im Jahr 2010 und den ersten Erfolgen Frank Stäblers. Der Vorsitzende Joachim Beckmann beruft sich dabei auf die Verantwortung der Vereinsführung gegenüber den 2200 Mitgliedern des Mehrspartenvereins und wirft den Ringern finanzielle Unregelmäßigkeiten in der Vergangenheit vor. „Ich bin bei meiner Prüfung damals auf Sachen gestoßen, die kreativ bis manipulativ waren“, sagt Beckmann.

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