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Europameisterschaft in Rom : Gold für Frank Stäbler bei Ringer-EM

  • Aktualisiert am

rank Stäbler (oben) aus Deutschland und Iuri Lomadze aus Georgien im griechisch-römischen Finale der Gewichtsklasse bis 72 Kilogramm. Bild: dpa

Eigentlich war Rom für Frank Stäbler nur der Start in seine letzte, anstrengende Olympia-Mission. Doch dann zeigt der Ausnahme-Ringer all seine Klasse – und holt bei seiner letzten EM souverän Gold.

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          Nach diesem Gold-Triumph hielt es Frank Stäbler nicht auf der Matte. Der neue Europameister stieg  auf die Zuschauertribüne, küsste seine Frau Sandra und hob Töchterchen Alia stolz in die Höhe. In der Gladiatorenstadt Rom war der Ausnahme-Kämpfer über sich hinausgewachsen und hat bei der letzten EM seiner Karriere noch einmal den Titel gewonnen. Der 30-Jährige setzte sich am Mittwoch im Finale bis 72 Kilogramm im griechisch-römischen Stil gegen den Georgier Iuri Lomadze durch. „Der große Titel Nummer fünf ist da, unglaublich“, sagte er.

          Mit diesem Kraftakt nach einem zuvor makellosen Turnier holte sich der Baden-Württemberger viel Selbstvertrauen für seine letzte große Mission: eine Medaille bei den Olympischen Spielen in Tokio. „Das ist die beste Vorbereitung auf dem Weg zu Olympia“, sagte er. Nachdem der dreimalige Weltmeister am Dienstag alle seine drei K.o.-Duelle vorzeitig durch Überlegenheit gewonnen hatte, ließ er sich auch im Titelkampf gegen Lomadze vor mehreren Dutzend Stäbler-Fans nicht aufhalten. Schon vor der Reise nach Italien hatte er sich auf ein Medaillen-Foto „mit einem Lächeln vor dem Kolosseum“ gefreut – dieser Programmpunkt steht am Donnerstag an.

          Stäbler, der wegen eines skurrilen Hallenstreits in seinem Heimatort Musberg im ehemaligen Hühnerstall des väterlichen Bauernhofes trainieren muss, sicherte sich den zweiten Europameistertitel nach 2012 und insgesamt die achte internationale Medaille. Bei Weltmeisterschaften holte er 2015, 2017 und 2018 Gold sowie 2019 Bronze. Dazu kommen noch zwei Bronzemedaillen.

          Für Olympia muss er die Gewichtsklasse wechseln

          Nur Edelmetall bei Olympia fehlt Stäbler nun noch. Und mit dieser EM-Goldmedaille kann er motiviert in den bevorstehenden Urlaub und danach in die körperlich extreme Vorbereitungs-Tortur gehen. Weil die 72-Kilogramm-Gewichtsklasse nicht olympisch ist, muss er – anders als in Rom – im August in Tokio in der Kategorie bis 67 Kilogramm antreten. Dabei wiegt Stäbler normalerweise 75 Kilogramm. Bis zu seinem letzten großen Wettkampf in Japan heißt es deshalb, etliche Kilogramm abzunehmen. Das geschieht zunächst über eine ausgeklügelte Diät und in den letzten Tagen in Tokio durch einen fast komplettem Nahrungs- und Wasserentzug. Das „Gewichtmachen“ ist ohnehin eine Tortur, für die Stäbler vor den Olympischen Spielen der F.A.Z. für eine Dokumentation einmal höchst transparent Einblick gewährt hatte.

           „Wir haben einen Masterplan“, berichtete Stäbler jüngst. Dennoch gebe es bei seinem Vorhaben „ganz, ganz viele Fragezeichen. Es wird spannend werden.“

          Im Finale von Rom dominierte er seinen einen Kopf größeren Gegner Lomadze nach einem Abtasten in den ersten 90 Sekunden fast nach Belieben. Er ließ seinem Gegner einfach keine Ruhe, bearbeitete ihn im üblichen Stäbler-Stil der „Nahkampfmaschine“ und zermürbte ihn auf diese Weise. Die Gangart ist umso beeindruckender, da Stäbler die EM auf dem Weg zu den Sommerspielen in Tokio nur als Zwischenstation angegangen und wegen zwei leichten Erkrankungen im November erst viel später als gewünscht ins Aufbautraining einsteigen konnte. Faktisch ist er fast aus dem Grundlagentraining heraus zur EM gefahren.

          Zudem hatte er erst in den vergangenen beiden Wochen seine Trainingssituation endlich zufriedenstellend lösen können, als der ehemalige Hühnerstall auf dem Bauernhof seiner Eltern final zum „Frank Stäbler World Camp“ umgebaut war.

          Der Georgier leistete sich von Stäbler bedrängt Fehler und schien am Ende sehr froh, überhaupt die Kampfzeit von sechs Minuten überstanden zu haben, ohne vorzeitig als Verlierer die Matte verlassen zu müssen. Beeindruckend war auch Stäblers Körpersprache: Als der 30 Jahre alte Schwabe 5:1 in Führung gegangen war, forderte er seinen um ein wenig Durchtamen bemühten Gegner mit einer unmissverständlichen Geste des Herbeiwinkens auf, sich schleunigst wieder dem Kampf zu stellen.

          Nach Stäbler gewann Hannes Wagner mit Bronze die nächste Medaille. Der 24-Jährige aus Lichtenfels setzte sich in der Klasse bis 82 Kilogramm gegen den Weißrussen Stanislaw Schafarenka durch. Die deutschen Griechisch-Römisch-Athleten sammelten damit drei Plaketten; auch Schwergewichtler Jello Krahmer war Dritter geworden. Und auch die Ringerinnen überzeugten in Rom: Alle vier am Mittwoch in den Wettkampf gestarteten Athletinnen kämpfen am Donnerstag um Bronze. Laura Mertens (Dormagen) und Anna Schell (Unterföhring) verloren ihre Halbfinals; Ellen Riesterer (Freiburg) und Aline Rotter-Focken (Krefeld) treten in der Hoffnungsrunde an

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