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Zwist zwischen DRB und DRL : „Am Ende wird das Mannschaftsringen kaputtgehen“​

Deutscher Meister ohne deutsche Ringer: Schifferstadt gewinnt den Titel der deutschen Ringer-Liga. Bild: GES/Markus Gilliar

Ein Streit zwischen dem Ringerbund und der Ringer-Liga beherrscht die Sportart. Für Fans hat der Clinch zwar einen Vorteil. Doch die Folgen könnten für das Ringen in Deutschland schwerwiegend sein.

          Als sich der VfK Schifferstadt bereits im Final-Hinkampf der deutschen Ringer-Liga (DRL) den Titelgewinn nahezu gesichert hatte, wurden die Sportler einzeln gefeiert. Die „Abaraade“, wie der Schifferstädter Fanklub sich selbstironisch im Vergleich zu den an Muskel-Apparate erinnernden Ringern nennt, skandierten alle Namen ihrer Sportler fehlerfrei. Das ist gar nicht so selbstverständlich, da es sich um eine Ansammlung osteuropäischer sowie eines indischen Ringers handelt, die im Namen des VfK Schifferstadt soeben den 15:7-Sieg über Germania Weingarten errungen hatte.

          Sie heißen Georgi Vangelov, Alik Shebzukov, Lasha Gobadze oder Bajrang Punia. Einen deutschen Ringer hatte der Traditionsklub, der deutsche Heroen wie einst Olympiasieger Wilfried Dietrich oder aktuell Denis Kudla, den Olympiadritten von 2016, hervorgebracht hat, in den Finals gar nicht erst im Kader. „Auch als wir 2005 Meister wurden, standen nur drei Deutsche auf der Matte, und in der Fußball-Bundesliga stört es doch auch keinen, wenn kaum Deutsche mitspielen“, sagt Markus Scherer, als Olympiazweiter von 1984 auch so ein Held aus der Pfalz und heute Trainer des VfK, trotzig.

          Tatsächlich verhelfen die rund 80 international meist renommierten Ringer der Qualität der Kämpfe zu Weltklasseniveau. In den Endkämpfen lieferten sich beispielsweise der Inder Punia und der Kubaner Alejandro Valdes, Zweiter und Dritter der Weltmeisterschaft in ihrer Gewichtsklasse, zwei spektakuläre Freistilduelle. „Unsere Zuschauer können sehr gut einschätzen, was wir ihnen hier bieten“, sagt Scherer. Dennoch würden die Pfälzer natürlich gerne Ringer sehen wie Kudla. Der 24 Jahre alte Hoffnungsträger aber ringt seit zwei Jahren im Ligaalltag für den kleinen Bundesligaverein Alemannia Nackenheim und ist nur noch bei Einzelwettkämpfen Schifferstädter.

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          Der Wechsel ist Folge eines anhaltenden Streits zwischen dem Deutschen Ringerbund (DRB) und der DRL, in der sich fünf Klubs aus Protest gegen den DRB und dessen aus Sicht der Klubs unzureichende Vermarktungsaktivitäten seit zwei Jahren selbst organisieren. Der DRB kämpft trotz mancher juristischer Niederlage nach wie vor gegen die konkurrierende Profiliga und droht seinen Kaderathleten mit dem Ausschluss von Trainingsmöglichkeiten und internationalen Wettkämpfen, falls sie in der DRL starten sollten. Für Ringerfans ist die Folge: Sie können derzeit in gleich zwei erstklassigen Ligen mit insgesamt 28 Klubs ihren Sport verfolgen.

          In der Bundesliga rang dabei neben vereinzelten Weltklasseathleten wie dem deutschen Weltmeister Frank Stäbler und ein paar internationalen Größen aufgrund der auferlegten Quote von sechs deutschen Ringern viel Mittelmaß. „Und trotzdem haben wir viel guten Sport gesehen. Ich bin zufrieden mit der Bundesligasaison“, sagt DRB-Präsident Manfred Werner. Er ist der vehementeste Gegner der DRL und hat meist nur Spott übrig für die abtrünnigen Klubs, die immerhin auch in der Nachwuchsarbeit zu den engagiertesten Vereinen im deutschen Ringen zählen. Werner zeigt sich unversöhnlich, über die DRL will er gar nicht mehr sprechen.

          Markus Scheu, Geschäftsführer der DRL und „Persona non grata“ beim DRB, hat mittlerweile auch die Hoffnung auf eine Verständigung aufgegeben. Anfangs boten die Klubs dem DRB noch an, unter dessen Dach die Bundesliga professionell zu organisieren nach Vorbildern im Tischtennis oder Eishockey. Die DRL bot dem DRB sogar Gebührenzahlungen an, die der nahezu sponsorenfreie und entsprechend nicht sonderlich begüterte Verband für seine Finanzierung benötigt. „Aber ein Konsens war nicht möglich“, sagt Scheu. Die DRL bezeichnet sich nun provokativ als beste Ringerliga der Welt, ein Etikett, das früher die Bundesliga zu Recht für sich reklamiert hatte. Und der neue Titelträger VfK Schifferstadt, der auch den Rückkampf in Weingarten am Samstagabend 9:6 gewonnen hat, nennt sich deutscher Meister.

          Wenngleich die kommende dritte Saison als gesichert gilt, sehen manche Sportler die Entwicklung sehr skeptisch. Jan Fischer, der einzige Deutsche, der in der vergangenen DRL-Saison Kämpfe gegen die internationale Konkurrenz gewonnen hat, weiß das Niveau der Liga zu schätzen. „Aber wir brauchen eine Deutschen-Quote, sonst ergibt das alles keinen Sinn, weil die Zuschauer einen Wiedererkennungswert brauchen“, sagt er. Adam Juretzko, der im Alter von 45 Jahren eine Instanz im deutschen Ringen ist, aber auch zum Ärger des DRB sowohl in der Bundesliga für Witten als auch in der DRL für Weingarten auf die Matte geht, verfolgt diese Entwicklung ohne jede Illusion. „Das hier in der DRL wird so nicht lange gutgehen, aber auch die Bundesliga funktioniert nicht“, sagt er. „Am Ende wird das ganze Mannschaftsringen kaputtgehen.“

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