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Ringen : Parole Freundschaft

Umarmung statt Ausheber: Der amerikanische Verbandspräsident Bender (l.) und der Iraner Chatib kämpfen für die Zukunft des Ringens Bild: dpa

Iraner und Amerikaner als Verbündete - der Kampf um die Zukunft des Ringens bei Olympia macht es möglich. In Teheran wird das Team des „Großen Satans“ freundlich empfangen. Nun sollen die Iraner zum Schaukampf nach New York kommen.

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          In Teheran liegt etwas in der Luft in diesen Tagen. Neben dem ewigen Smog natürlich, und neben dem Frühling, der den frostigen Winter aus den Gliedern der 14 Millionen Menschen im Moloch vertreibt. Wenn die Temperaturen in den zweistelligen Bereich steigen, hebt sich die Laune der Teheraner spürbar. Und in dieser Woche landeten Gäste auf dem Imam-Chomeini-Flughafen vor den Toren der Stadt, die der Stimmung mindestens ebenso zuträglich sind, wie die Frühlingsluft, die sich vom Kaspischen Meer durch die Berge des Elburs in die iranische Metropole zwängt.

          Das Erstaunliche daran: Die Gäste sind Amerikaner, das Ringerteam des „Großen Satans“, wie die Vereinigten Staaten in der Diktion der Islamischen Republik heißen - und sie sind nicht nur den Menschen auf der Straße und den Zuschauern des Ringer-Weltcups im Asadi-Sportkomplex willkommen, sondern mindestens genauso sehr den Offiziellen des iranischen Ringerverbandes. Iraner und Amerikaner als Verbündete einer gemeinsamen Sache: Die Empfehlung des Exekutivkomitees des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), künftig auf Ringen im Programm der Olympischen Spiele zu verzichten, macht es möglich. Dank des IOC betonen Iraner und Amerikaner ein Wort, das die Regierungspolitiker beider Seiten seit Jahrzehnten nicht gebraucht haben: Freundschaft.

          Ringen ist Volkssport in Iran

          „Es ist großartig, hier zu sein“, sagte Rich Bender, der Verbandschef des amerikanischen Ringerverbandes, dieser Zeitung in einem Telefongespräch aus Teheran. „Wir wissen, was das Ringen den Iranern bedeutet. Es gibt kaum einen anderen Ort auf dieser Erde, an dem die Zuschauer so viel Ahnung von unserem Sport haben. Und wir schätzen sie als leidenschaftliche Gegner auf der Matte - und als leidenschaftliche Freunde abseits der Matte.“

          Ringen ist Volkssport in Iran, in der Popularität nur vom Fußball übertroffen, der aber längst nicht in gleicher Weise in der persischen Kultur verankert ist wie das Ringen. Seit Jahrhunderten trainieren Iraner in den „Surchanehs“, den „Häusern der Kraft“, in denen die Muskeln mit schweren Keulen gestärkt und die Koordination mit wirbelnden Tänzen geschärft wird, im Namen des ersten Imam Ali, dem Nationalheiligen der iranischen Schiiten. Und auch wenn den Surchanehs der Nachwuchs fehlt - mancher Iraner beklagt die fehlende finanzielle Unterstützung durch die Regierung - ist das Ringen die wichtigste, weil medaillenträchtigste Sportart im Land.

          In London gewannen im vergangenen Sommer die iranischen Ringer bei den Olympischen Spielen sechs Medaillen, davon drei aus Gold, und jede einzelne wurde von der Teheraner Regierung und den angeschlossenen Medien gepriesen wie in Europa internationale Titel von Fußball-Nationalmannschaften. Man will ernst genommen werden von den Weltmächten, dazu ist fast jedes Mittel recht, und deshalb freut man sich in Iran nun umso mehr, dass die Amerikaner und auch die Russen, einst als Besatzer in Teheran, zum Aktionsbündnis „Ringen muss olympisch bleiben“ gehören.

          Vollbesetzte Halle

          Historische Auftritte amerikanischer Ringer in Teheran haben eine gewisse Tradition, 1998 waren sie die ersten amerikanischen Sportler, die nach Schah-Sturz und Geiselnahme in der Teheraner Botschaft in Iran antraten.

          Damit schon der Weltcup in Teheran möglichst nachhaltig Eindruck macht, kostet der Besuch in der „Halle der Zwölftausend“ - begrenzt kreativ nach ihrer Zuschauerkapazität benannt - nichts. Ein Geschenk der Veranstalter ans Volk, das unter der galoppierenden Inflation und den Sanktionen des Westens wegen des iranischen Atomprogramms leidet. „Ich habe keinen freien Platz in der Halle gesehen“, behauptete der Amerikaner Bender beeindruckt, und auch Beobachter, die ein bisschen genauer hingeschaut haben, berichten von gut gefüllten Rängen, schon am Tag vor der Hauptattraktion, dem Turnier der zehn besten Freistilnationen.

          Am Donnerstag freuten sich die Teheraner auf die Gelegenheit zur Revanche für ein paar schmerzhafte Niederlagen der eigenen Ringer gegen Amerikaner in London. Ein Höhepunkt sollte der Auftritt des amerikanischen Olympiasiegers Jordan Burroughs in der Klasse bis 74 Kilogramm werden, vor dann tatsächlich 12.000 Menschen in der Halle und Millionen am selbstverständlich live übertragenden Fernsehen.

          Ringen in Grand Central

          Burroughs hatte in London Sadegh Gourdazi besiegt, wie schon im olympischen Finale und 2011 bei den Weltmeisterschaften in Istanbul. In London standen Burroughs und Goudarzi nach dem Kampf Arm in Arm auf dem Siegerpodest. In Teheran am Donnerstag schickten die Iraner Ezatollah Akbarizarinkolaei in den Kampf - Burroughs behielt die Oberhand, als einziger Amerikaner in sieben Kämpfen gegen die Gastgeber, begleitet vom Applaus der Zuschauer.

          Bei so viel Harmonie ist es kein Wunder, dass sich Bender und der Präsident des iranischen Ringerverbandes, Hodschatollah Chatib, zur Begrüßung in Teheran ebenfalls in den Armen lagen. Bender hatte eine Einladung als Gastgeschenk mit gebracht: Im Mai sollen die Iraner zum Länderkampf gegen die Amerikaner antreten - und zwar nicht irgendwo an einem College, der Heimat des amerikanischen Ringens. Sondern im Grand Central Terminal von New York City, dem größten Bahnhof der Welt, soeben 100 Jahre alt geworden. „Das ist einer der berühmtesten und betriebsamsten Orte in unserem Land“, sagte Bender. „Wir wollen der Welt mit unseren iranischen Freunden zeigen, was das Ringen möglich macht.“ Und den Freunden vom IOC auch.

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