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Ringen : Mainz 88 startet in eine Saison voller Playoff-Kämpfe

Harter Kampf: Es wird eng in der Bundesliga für die Ringer von Mainz 88 um Balint Korpasi (r.) Bild: Michael Kretzer

Eingleisig mit nur acht Teams, aber drei Finalkämpfen: Die Ringer-Bundesligasaison stellt den ASV Mainz 88 vor neue Herausforderungen. Der Auftaktkampf am Samstagabend kann schon wegweisend sein.

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          Bei Baris Baglan herrscht Vorfreude. „Das wird eine Saison nur mit Playoff-Kämpfen“, sagt der Sportdirektor von Mainz 88. Jedes Spiel ein Endspiel, würden die Fußballer sagen. Tatsächlich steht dem deutschen Ringer-Mannschaftsmeister von 2013, der in den vergangenen vier Jahren stets mindestens das Halbfinale erreicht hatte, eine höchst spannende Saison bevor. Denn die Bundesliga hat ihr Gesicht verändert. Das Antlitz ist schmaler geworden. Aber schmale Gesichtszüge gelten ja gemeinhin als attraktiv. Nur noch acht Teams gehen in der laufenden Saison erstklassig auf die Matte. Nach dem Rückzug von Luckenwalde und Mansfelder Land gibt es keinen ostdeutschen Ringer-Bundesligaklub mehr, die traditionsreiche Ringer-Region Spessart ist mit der RWG Mömbris/Königshofen ebenfalls von der Landkarte verschwunden. Nur noch Baden-Württemberg, das Saarland und Rheinland-Pfalz stellen Erstligavereine. Und einer davon ist eben der ASV Mainz 88, der am Samstag (19.30 Uhr, Sporthalle am Großen Sand) die bis in den Februar dauernde Saison mit einem Heimkampf gegen den KSV Ispringen eröffnet.

          Der Gegner hat im Sommer mehr Geld in Verstärkungen investiert als alle Ligakonkurrenten und ist deshalb der Geheimfavorit für die Nachfolge des nach dem Titel-Hattrick in diesem Jahr angeblich sparsamer und mit weniger Ambitionen ringenden Serienmeisters ASV Nendingen. Die Mainzer treffen erstmals auf den Gegner aus Baden, der Kmpf könnte schon wegweisend sein für den Kampf um einen Platz unter den ersten vier der Abschlusstabelle, die fürs Halbfinale qualifiziert wären.

          Monatelange Ungewissheit für Bundesliga

          Die Verkleinerung von zwei Sechserstaffeln in der Vorsaison auf nun acht Teams in einer eingleisigen Liga ist Folge eines turbulenten Halbjahres voller Diskussionen zwischen dem Deutschen Ringer-Bund (DRB) und den Klubs im Anschluss an die vergangene Saison. Es ging um mehr Eigenständigkeit der Vereine bezüglich der Vermarktung der Liga. Einige Klubs schlugen vor, in Kooperation mit dem DRB einen eigenen Ligaverband nach dem Vorbild des Fußballs zu gründen, der sich um die Organisation der Bundesliga kümmern sollte. Manch ein Klubvertreter liebäugelte gar mit der Gründung einer Liga in Eigenregie. Der DRB schaltete auf stur und reklamierte stattdessen für sich das Recht, den Finalkampf in Eigenregie durchführen zu dürfen. Diese Lösung hätte die attraktiven Kampfabende nach dem bisherigen Modus mit Vor-und Rückkampf, also einem Finale vor eigenem Publikum, verhindert.

          Erst ein Kompromissvorschlag des ASV Mainz 88 glättete die Wogen, sodass eine zwischenzeitlich drohende Auflösung der Bundesliga abgewendet werden konnte: Nun wird es zum Abschluss der Bundesligasaison gleich drei Finals geben. Zunächst wird es wie bisher Kämpfe auf den Matten der beiden Finalisten geben. Abschließend treffen die Konkurrenten in Aschaffenburg ein drittes Mal aufeinander in allen sieben Gewichtsklassen beider Stilarten. Die Teilnahme an diesen Ringer-Festwochen im neuen Jahr ist für Baris Baglan indes ein sehr fernes Ziel. „Ich kann fünf Aspiranten auf den Titel nennen, ohne uns zu nennen. Wir gehen deshalb ohne klares Ziel in die Saison und wollen in jedem Kampf das Beste geben“, sagt Baglan, der Nendingen, Weingarten, Ispringen, Aalen und Köllerbach als Spitzenteams einschätzt.

          Geschick im Aufstellungspoker vonnöten

          Die Mainzer haben ihren Kader ebenfalls umgebaut, aber dabei vor allem einen Abgang wie den des in die Jahre gekommenen und zuletzt wenig austrainierten Publikumslieblings Kiril Terziev kompensiert. Der polnische Neuzugang Tadeusz Michalik beschert dem Klub Weltklasseformat in der Gewichtsklasse bis 86 Kilogramm Griechisch-Römisch. Für die eine Position pro Kampfabend eines Nicht-EU-Ausländers stehen der Ukrainer Andrey Yatsenko und Eldeniz Azizli in der stets schwierig zu besetzenden 57-Kilogramm-Klasse zur Verfügung, der Georgier Zurabi Iakobishvili kann in der Klasse bis 75 Kilogramm im freien Stil eingesetzt werden.

          Hoffnungsträger: Die Mainzer bauen auf hungrige Nachwuchsringer wie Hannes Wagner

          Zudem wurde der Kurs fortgesetzt, für die pro Kampf vorgeschrieben fünf Positionen mit deutschen Ringern Positionen vorwiegend auf junge Ringer mit Entwicklungspotenzial zu setzen. Lediglich der bisherige Mümbriser Gabriel Seregelyi ist in der Bundesliga etabliert und kann als Punktelieferant eingeplant werden, die beiden Greco-Spezialisten Daniel Meiser (66 Kilogramm) und Niklas Schäfer (130 Kilogramm) sind die finanziell günstigere Variante im Vergleich zur finanzstärkeren Konkurrenz und müssen über sich hinauswachsen.

          Die Mainzer werden also abermals Defizite bei den einheimischen Ringern durch taktisches Geschick im Aufstellungspoker und die richtige Auswahl ihrer ausländischen Trümpfe zum richtigen Zeitpunkt aufwiegen müssen. Erst unmittelbar vor jedem Kampf müssen die Teams bekanntgeben, welche zehn Ringer auf die Matte gehen, dabei ist von entscheidender Bedeutung, ob beispielsweise ein deutscher Ringer wie Gewichtmachen-König Ilir Sefaj „geopfert“ wird in einem Duell mit einem ausländischen Weltklassemann, um dafür in einer Gewichtsklasse punkten zu können. „Wir haben einen Kader mit jungen, hungrigen Kämpfern, die Potential entfalten können in der Saison“, sagt Baglan. „Wir wollen unsere Zuschauer mit Leidenschaft begeistern.“

          So wenig erfreulich das Schrumpfen der höchsten deutschen Ringer-Liga auf eine südwestdeutsche Kampfklasse ist: Die Verdichtung der Liga auf nur noch acht Mannschaften sorgt vermutlich für eine noch höhere Leistungsdichte in den sieben Heimkämpfen, die jeder Verein mindestens ausrichten kann. Jeder einzelne Kampfabend kann im neuen Modus entscheidende Bedeutung haben im Kampf um den Einzug in die Halbfinals, weshalb Baglan eben von einer Saison mit 14 Playoff-Kämpfen spricht.

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