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Verband gegen Vereine : Zähes Ringen auch hinter den Kulissen

  • -Aktualisiert am

Harte Positionskämpfe im Ringen: Es geht um die Zukunft des Sports. Bild: Picture-Alliance

Bei den Ringern gibt es einen Machtkampf: Die Vereine wollen eine eigene Profiliga gründen, um höhere Einnahmen zu erwirtschaften. Der Verband will das verhindern. Eine Einigung ist nicht in Sicht.

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          Ringer haben eigentlich keine Probleme, aufeinander zuzugehen, auch wenn es - durch die Natur ihres Sports bedingt - rauh zur Sache geht auf der Matte. So scherzten die beiden deutschen 98-Kilogramm-Spitzenringer Peter Öhler und Oliver Hassler kaum eine Stunde nach Ende eines mit aller Härte geführten Duells schon wieder miteinander. Sie diskutierten, wieso Öhler zwar diesen Kampf, Hassler aber den Mannschaftswettstreit mit seinem Team von Germania Weingarten gegen Öhlers ASV Nendingen 11:6 gewonnen, den Finaleinzug gesichert und den deutschen Mannschaftsmeister der vergangenen drei Jahre entthront hatte.

          Öhler und Hassler diskutierten auch, wie es mit ihrem Sport und vor allem mit der Bundesliga weitergehen soll. Denn seit Wochen ist das sportlich hochwertige Geschehen auf der Matte, wo Weingarten und der KSV Ispringen mit ihren Weltklassekadern in zwei Finalkämpfen (Hinkampf am nächsten Samstag in Weingarten, Rückkampf am 14. Januar in Ispringen) den neuen deutschen Meister ermitteln wollen, zur Nebensache geworden. Stattdessen ist der seit Jahren schwelende Streit zwischen dem Deutschen Ringer-Bund (DRB), der bislang fast in Eigenregie die Bundesliga führt, und den Top-Klubs in die nächste Runde gegangen. Friede ist nicht in Sicht. Zumindest zeigt der Verband derzeit kein großes Interesse an einer Aussöhnung. Vor dem Halbfinalkampf in ausverkaufter Halle konnte Weingartens Klubchef Ralph Oberacker deshalb in seiner Eröffnungsansprache genüsslich ausführen, dass „wir vom DRB niemanden begrüßen“ – gegen die Gewohnheit war kein Verbandsvertreter angereist.

          Denis Kudla: Der Ringer von der VfK Schifferstadt war bei Olympia und erklärte offenbar seine Bereitschaft für eine neue Profiliga.

          Der DRB reagiert mit seinem Fernbleiben auf die jüngste Politik der nur noch acht Bundesligavereine: Alle Halbfinalteilnehmer sowie der traditionsreiche VfK Schifferstadt haben auf eine fristgerechte Meldung für die kommende Saison verzichtet, weil sie gemeinsam mit dem KSV Mansfelder Land die Deutsche Ringer Liga ins Leben gerufen haben. Die Klubs, enttäuscht von der Ligaführung durch den Verband, versprechen sich bessere Vermarktungschancen. Tatsächlich ist es dem DRB in den vergangenen Jahren nicht gelungen, in irgendeiner Form Werbeerlöse durch sein sportliches Aushängeschild zu erzielen. Stattdessen hat der Verband die Klubs mit hohen Gebühren belastet, Halbfinal- oder Endkampfqualifikationen sind beispielsweise mit Abgaben verbunden, die bei nahezu jedem Verein in der Endabrechnung trotz ausverkaufter Hallen zu einem Minus geführt haben.

          Vereine sollen Verband subventionieren

          Die Bundesliga ist auch deshalb binnen eines Jahrzehnts von 24 auf acht Teams geschrumpft. In dieser Saison gipfelte die Alleinherrschaft des DRB in Sachen Bundesligareglement in der Einführung eines dritten Finalkampfes in Aschaffenburg, bei dem der Großteil der Einnahmen dem finanziell belasteten Verband zugutekommen sollte. Die Vereine hätten die geschätzt 30.000 Euro Kosten für Unterbringung und Bezahlung ihrer Kämpfer weitgehend selbst aufbringen müssen.

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