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Ringen : Stäbler muss in die Hoffungsrunde

  • Aktualisiert am

Einsam auf der Matte: Frank Stäbler Bild: dpa

Das vierte Gold in der vierten Gewichtsklasse sollte es werden, doch Frank Stäbler muss seine Sieg-Hoffnungen früh aufgeben. Immerhin macht die Hoffnungsrunde Mut. Besser läuft es für Denis Kudla.

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          Frank Stäbler schlich frustriert und fassungslos von der Matte. Die Demontage binnen 98 Sekunden setzte dem geschlagenen Ringer-Champion sichtlich zu, sie nährte zudem die Zweifel an seiner WM-Strategie. Daran änderte auch die Tatsache nichts, dass Stäbler an diesem Montag über ein Hintertürchen noch Bronze und damit die Qualifikation für die Sommerspiele abgreifen könnte.

          Nach nur 1:38 Minuten siegte Stäblers Rivale Ismael Borrero Molina (Kuba) durch „technische Überlegenheit“ (11:0), dabei war er dem Vorzeigeathleten des Deutschen Ringer-Bundes (DRB) vor allem körperlich überlegen gewesen. Der Kubaner hatte 2016 in Rio in der Gewichtsklasse bis 59 kg olympisches Gold gewonnen, für die WM durfte er für die Kategorie bis 67 kg also nochmal Muskelmasse zulegen. Stäbler, der als erster Ringer in drei verschiedenen Kategorien (66, 71, 72 Kilo) WM-Gold geholt hatte, musste hingegen eine knallharte Diät durchziehen und abkochen.

          „Es kann passieren, dass man so kalt erwischt wird“, sagte DRB-Sportdirektor Jannis Zamanduridis. Bundestrainer Michael Carl ergänzte: „Borrero ist schon eine Hausnummer in der Klasse.“ Gut für Stäbler: Der Karibik-Kämpfer ließ auch in seinen folgenden Duellen nicht nach und erreichte souverän das Finale. Das bedeutete, dass Stäbler in die Hoffnungsrunde darf. Erreicht er dort das Duell um Bronze, dann ist er bei Olympia dabei. Für einen Kommentar zu dem turbulenten Kampftag war Stäbler, der sich nach einer extremen Diät und einem tagelangen Nahrungs- und Wasserentzug auf die geforderten 67 Kilogramm herunter gehungert hatte, viel zu kaputt. Und weil er am Montag nochmal gewogen wird, darf er bis dahin weiter nichts essen.

          „Die letzten zwei Kilo haben bei Frank mit Blick auf die Substanz offensichtlich doch einiges ausgemacht“, mutmaßte DRB-Präsident Manfred Werner, der dem Sport-Informations-Dienst (sid) allerdings auch sagte, dass es „noch zu früh“ sei, „um das Ganze zu interpretieren. Das muss man in Ruhe analysieren. Bei 77 Kilo wären garantiert viele Athleten von 82, 83 Kilo runter gekommen. Das wäre sicher auch nicht leichter geworden.“

          Leicht wird es für Stäbler auch an diesem Montag nicht. Für Bronze benötigt er in der Hoffnungsrunde drei, für die Olympia-Qualifikation immerhin zwei Siege. „Das wird nochmal hart für Frank, keine Frage“, sagte Zamanduridis. Und Carl meinte: „Man hat gesehen, wie brutal die olympischen Klassen sind und wie hart um die Tickets gefightet wird.“ Sollte Stäbler leer ausgehen, muss er bei den Qualifikations-Turnieren im Frühjahr des kommenden Jahres seine Chance nutzen.

          Kudla schafft Olympia-Qualifikation

          Auf die ist Kudla nicht mehr angewiesen - vielleicht auch, weil er einen anderen Weg als Stäbler wählte. Der 24-Jährige aus Nackenheim, der 2016 in der Klasse bis 85 Kilogramm die olympische Bronzemedaille und ein Jahr später in dieser Kategorie auch WM-Silber gewonnen hatte, tritt bei der WM in der Klasse bis 87 Kilogramm an - mit Erfolg. Kudla verlor zwar das Halbfinale am Nachmittag, hat die Qualifikation für die Sommerspiele aber bereits in der Tasche und kann an diesem Montag noch Bronze gewinnen.

          „Denis lebt für seinen Sport. Er ist ein absolutes Juwel“, sagte Werner und lobte weiter: „Ich habe großen Respekt vor Denis. Er zeigt schon seit Jahren konstante Leistungen auf allerhöchstem Niveau.“

          Die erste deutsche Medaille verpasste Michael Widmayer, er verlor das kleine Finale in der nicht-olympischen Klasse bis 72 Kilogramm.

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