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Rhein-Neckar Löwen : Überfordert und entlassen

  • -Aktualisiert am

Starker Mann bei den Rhein-Neckar Löwen: Oliver Roggisch, sportlicher Leiter und derzeit auch Aushilfstrainer. Bild: Picture-Alliance

Die Kritik war nicht mal mehr unverblümt, die Entlassung von Kristjan Andresson bei den Rhein-Neckar Löwen absehbar. Der Bundesliga-Neuling scheitert am notwendigen Umbruch.

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          Wenn es zuletzt um Trainer Kristján Andrésson ging, fiel kaum einem Spieler der Rhein-Neckar Löwen etwas Gutes ein. Nur mühsam versteckte Kritik am Coach war zu hören, wenn sich die Handballprofis nach den Spielen äußerten. Mal monierte Uwe Gensheimer die unerklärlichen Leistungsschwankungen; dann sagte Anführer Andy Schmid, man mache es sich zu leicht, nur den Trainer verantwortlich zu machen. Was in allen Aussagen fehlte: Ein Bekenntnis der Spieler zu ihrem Coach. Und auch das, was der mächtige Teammanager Oliver Roggisch sagte oder nicht sagte, wirkte wie eine Kritik am Trainer. Es schien symbolische Bedeutung zu haben, wie nach dem peinlichen 29:29 gegen den TBV Lemgo am Donnerstag ein ziemlich kräftig wirkender Roggisch neben einem klein und zerbrechlich aussehenden Andrésson saß.

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          Und so kam es, dass der Bundesliga-Neuling Andrésson am Samstag vor die Tür gesetzt wurde. Die üblichen Phrasen im Rahmen einer Entlassung konnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Löwen mit diesem Coach danebengegriffen haben: Es sollte eine Dauerlösung für die Zeit nach Meistertrainer Nikolaj Jacobsen werden; bis 2022 läuft Andréssons Vertrag. Doch mit dem komplizierten Löwen-Kader, der keinen frischen Lack, sondern eine vollständige Renovierung braucht, war Andrésson überfordert. Der Meister von 2016 und 2017 hat viel zu lange auf seine Hauptfiguren gesetzt. Andrésson sollte es dann sein, der die Neuen wie Romain Lagarde und Niclas Kirkelökke einbaut. Auch die Abwehr wollte er verändern. Doch die Beharrungskräfte dieser erfahrenen, lange erfolgreichen Mannschaft waren groß – und Andrésson verlor.

          Ist Prokop ein Kandidat für den Umbruch?

          Alles bei den Löwen hängt an Andy Schmid. Dieser geniale Spielmacher hat den Klub aus Mannheim über Jahre mit seinen Anspielen und Toren in der europäischen Spitze gehalten, flankiert von Kollegen, die auf sein Kommando hörten. Doch Schmid ist 36 Jahre alt; er kann nicht mehr Jahr für Jahr Höchstleistung bringen. Das Löwen-Spiel ist entschlüsselt. Auch deswegen laufen sie in der Meisterschaft der Musik hinterher, sind im DHB-Pokal ausgeschieden und spielen nicht in der Champions League. Die medial grell ausgeleuchtete Rückholaktion von Uwe Gensheimer aus Paris war bislang wenig erfolgreich, aber ziemlich teuer. Man vermisst den Zukunftsplan. Bis auf Weiteres soll Roggisch zusammen mit Michael Abt aus dem Löwen-Nachwuchs die Mannschaft trainieren. Unter ihrer Regie kam das Team am Sonntag beim spanischen Klub Liberbank Cuenca zu einem 33:28-Sieg im EHF-Cup.

          Wer mit dem schwierigen Neuaufbau betraut wird, gilt als vollkommen offen. Der Posten als Trainer bei den Löwen ist einer der reizvollsten in Deutschland, vor dem Hintergrund der Altersstruktur der Mannschaft und vieler unbequemer Entscheidungen aber auch einer der anspruchsvollsten. Zuzutrauen wäre er Ljubomir Vranjes. Der frühere Flensburger Coach liebäugelt mit einer Rückkehr in die Bundesliga, ist aber noch in Kristianstad gebunden. Von den Erfolgen her wäre auch Wetzlars Kai Wandschneider ein Kandidat; sein Vertrag bei der HSG endet Mitte 2021. Und auch Christian Prokop wäre eine spannende Variante. Dass er eine Mannschaft aufbauen kann, hat der entlassene Bundestrainer in Leipzig bewiesen.

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