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Handball : Rhein-Neckar Löwen besiegen den Pokalfluch

  • -Aktualisiert am

Deutscher Handball-Pokalsieger: die Rhein-Neckar Löwen. Bild: dpa

Den Rhein-Neckar Löwen fällt eine Zentnerlast von der Seele: Pokalsieg! Das gab es noch nie. Diesmal ließen sich die Mannheimer weder im Halbfinale noch im Endspiel stoppen.

          Bis zur 40. Spielminute war der überragende Regisseur der vergangenen Jahre nahezu unsichtbar. Wenig Tempo, Fehlwürfe, schwache Zuspiele – dieses Pokalfinale schien an Andy Schmid vorbeizulaufen. Dann fand der Schweizer doch noch seine gewohnte Form, warf Tor um Tor (insgesamt acht) und war die entscheidende Figur bei einem historischen Triumph der Rhein-Neckar Löwen. 30:26 siegten die Mannheimer am Sonntagnachmittag vor 13.200 Fans in der ausverkauften Arena am Volkspark gegen die tapfere TSV Hannover-Burgdorf und schnappten sich zum ersten Mal den Pokal des Deutschen Handballbundes (DHB). Es war in der letzten Viertelstunde eine Machtdemonstration des deutschen Meisters, der die Liga mit vier Punkten Vorsprung anführt und drauf und dran, ist das erste Double zu holen.

          Es war ihre elfte Teilnahme an der Endrunde in Hamburg. Doch bisher war diese Geschichte von Pleiten, Pech und Pannen gekennzeichnet. Fünfmal in Serie waren die Löwen im Halbfinale gescheitert; vor allem die SG Flensburg-Handewitt stand oft als unüberwindbarer Gegner da. „Gut, dass die SG nicht dabei ist“, hatte Löwen-Trainer Nikolaj Jacobsen vor den Spielen gesagt – mit einem Grinsen im Gesicht, natürlich.

          Das, was am Samstag passierte, war Jacobsen dann sehr recht. Gegen einen rätselhaft schwachen SC Magdeburg siegten die Mannheimer 31:24. Dabei hatten viele Fachleute die aktuell stärkste Mannschaft der Bundesliga, die Magdeburger, als Favoriten auf den Pokalsieg angesehen. Doch Jacobsens Mannschaft spielte ihre volle Erfahrung aus gegen ein Team aus Sachsen-Anhalt, das überhaupt nie auf der Höhe wirkte. Was der SCM sonst an Energie, Härte und Willensstärke mitbringt, blieb an diesem Nachmittag unsichtbar. „Wir waren 50 Minuten nicht wir selbst“, sagte Trainer Bennet Wiegert: „Und das ärgert mich sehr.“

          2016 hatte der SCM den Pokal geholt, im Jahr davor stand das Team im Finale – an mangelnder Erfahrung auf diesem Niveau kann es nicht gelegen haben. Immerhin bleibt dem Traditionsklub aus Sachsen-Anhalt noch der „kleine“ europäische Pokal: In zwei Wochen steigt in Magdeburg die Endrunde im EHF-Cup. Dort wird Wiegerts Team die bekannten Qualitäten aber auch zeigen müssen, um eine starke Saison zu krönen.

          Hannover im Halbfinale noch dominant

          Ähnliches galt beim zweiten Halbfinale für die HSG Wetzlar. Voller Selbstvertrauen und mit großer Vorfreude war die Mannschaft von Trainer Kai Wandschneider in das erste Final Four-Turnier seit 2011 gegangen. Doch dann war die Luft schon nach 15 Minuten raus. Der stark besetzte Gegner aus Hannover machte mit Wetzlar, was er wollte. 15:4 stand es zur Pause für die TSV Hannover-Burgdorf. Die HSG kam überhaupt nicht in die Gänge, und nur, weil Hannover in der zweiten Halbzeit die Zügel schleifen ließ und versuchte, Zauberhandball zu spielen, holte Wetzlar auf. Am Ende stand ein 19:24; zumindest die Ehre hatte Wetzlar gerettet. „Wir haben es in der ersten Halbzeit im Kopf nicht hinbekommen“, sagte Wandschneider, „so etwas habe ich noch nicht erlebt.“ Langweilige Halbfinalspiele sind beim großen Feiertag des Handballs in Hamburg die große Ausnahme.

          Bei den Löwen waren dieses Mal einige Dinge anders, und zwar bewusst. „Wir sind einen neuen Weg zur Arena gefahren“, sagte Teammanager Oliver Roggisch mit einem Schmunzeln, „der Busfahrer hat einen Schlenker eingebaut.“ Aber anderes Hotel, andere Kabine, andere Musik, erst die linke, dann die rechte Socke? Nein, nichts davon. Antwortete Roggisch, und Nationalspieler Patrick Groetzki ergänzte: „Wir sind zwar all die Jahre ausgeschieden, aber für uns Sportler ist so etwas schnell abgehakt, weil ja meist bald das nächste Spiel kommt.“

          Im Finale sah zunächst alles nach einer klaren Sache für die Löwen aus. 10:4 stand es nach 20 Minuten. Bei Hannover versuchte sich erst Morten Olsen in der Spielleitung, dann Pavel Atman, doch mit Mait Patrail auf der Mitte wurde es besser. Burgdorf verkürzte bis zu Pause auf 11:13, was auch am guten zweiten Torwart Malte Semisch lag, der einige Würfe Andy Schmids abwehrte. Hannover-Burgdorf ist mit dem spanischen Trainer-Duo Carlos Ortega und Iker Romero in der Spitze der Bundesliga angekommen – wenn der Verein auch immer für sehr viel Understatement sorgt und sich in beinahe jedem Spiel in der Außenseiterrolle sieht.

          Am Ziel: Patrick Groetzki (l.) und Gudjon Valur Sigurdsson siegen mit den Rhein-Neckar Löwen.

          Das ist bei einem Kader mit Kai Häfner, Morten Olsen, Casper Mortensen und Ilja Brozovic eigentlich Unsinn, zumal die TSV in dieser Saison alle drei Spiele gegen den THW Kiel gewonnen hat. Aber die Hannoveraner sind damit bisher gut gefahren. In ihrem ersten Pokalfinale hatten die „Recken“ dann zunehmend Schwierigkeiten, Andy Schmid und Mads Mensah zu stoppen. Die beiden Rückraumspieler der Löwen warfen abwechselnd die Tore zum 22:17-Zwischenstand in der 48. Minute heraus. Hannover wehrte sich tapfer, kam mit der Klasse der Löwen letztlich aber nicht mit.

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