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Folgenreiches Galopprennen : Jockey Minarik muss nach schwerem Sturz kämpfen

  • -Aktualisiert am

Ein starkes Team: Filip Minarik und Touch Moon Mitte Juni in Köln Bild: Imago

Bei einem Galopprennen wird Filip Minarik nach einem Sturz schwer verletzt. Die öffentliche Anteilnahme ist groß. Denn die Zukunft des beliebten Jockeys bleibt ungewiss.

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          „Wir brauchen jetzt viel Zeit und Geduld. Ich weiß, dass Filip ein Kämpfer ist.“ Das sagte Katja Minarik vor knapp zwei Wochen über den Gesundheitszustand ihres Mannes, der Anfang Juli im letzten Galopprennen des Tages in Mannheim schwer stürzte.

          Seitdem liegt der erfolgreiche Rennreiter – Minarik ist viermaliger deutscher Championjockey und hat fast 1700 Rennen gewonnen – im Krankenhaus. Zuerst in der Uniklinik in Mannheim, nun in einer Spezialklinik in Hannover. Er wurde mehrmals operiert, um die schweren Kopfverletzungen und Knochenbrüche zu behandeln. Öffentliche Erklärungen gibt es aktuell nicht, der Fokus liegt auf der Genesung des Patienten.

          Die öffentliche Anteilnahme ist um so größer. Der 1975 in Prag geborene Minarik gilt als einer der beliebtesten Jockeys in Deutschland, gerade beim Publikum, denn er versteht es, wichtige Siege zu feiern wie kaum ein anderer. Minarik stammt aus einer tschechischen Rennsportfamilie, seit 1992 reitet er aber in Deutschland, lebt seit gut 20 Jahren in Köln und hat eine kleine Tochter. Nahezu rührend kümmerte er sich lange Zeit um den im Frühjahr im Alter von 99 Jahren verstorbenen Hein Bollow. Die Galopp-Legende, die als Reiter und Trainer jeweils mehr als 1000 Rennen gewann, gehörte praktisch zur Familie.

          Um wenigstens den finanziellen Druck zu lindern, laufen mehrere Spendenaktionen zu Gunsten Minariks. Beim Dachverband Deutscher Galopp wurde ein Konto eingerichtet, der Kölner Rennverein rief während des Renntags am Samstag zu Spenden auf. Jockeykollege Patrick Gibson machte den Anfang und startete eine internationale Spendenaktion, die innerhalb kurzer Zeit schon mehr als 105.000 Euro eingesammelt hat. Spenden kommen sogar aus Asien, wo Minarik regelmäßig geritten ist, und England. Dort hat beispielsweise Frankie Dettori per Twitter zu Spenden aufgerufen.

          Hohes Preisgeld

          Dettori war der Star unter den Jockeys am Sonntag beim 162. Henkel-Preis der Diana in Düsseldorf, ein Rennen, das Minarik schon zweimal gewonnen hat – 2012 und 2018, Dettori bis Sonntag aber nicht. Die Gruppe-I-Prüfung über 2200 Meter nur für dreijährige Stuten ist nach dem Derby das wertvollste Rennen in Deutschland und behielt trotz Corona-Krise die volle Dotierung von einer halben Million Euro, mit 300.000 Euro allein für die Siegerin. So viel Geld lockte auch starke Gäste aus England, Frankreich und Irland an, insgesamt 15 Pferde gingen an den Start.

          Dettori ritt die von John Gosden im englischen Zentrum Newmarket trainierte Miss Yoda. Aus der Startbox eins heraus übernahm er gleich die Spitze und teilte sich das Rennen von vorne bestens ein. „Sie ist gut abgesprungen und gut gegangen“, so Dettori. Doch am mit Sand belegten Übergang rund 400 Meter vor dem Ziel gab es eine kurze Schrecksekunde, Miss Yoda wich nach außen. Für einen Moment schien der irische Gast Silence Please alle Trümpfe in der Hand zu halten, doch sie stand den Angriff nicht ganz durch. Zudem hatte der in Newmarket lebende Italiener Dettori schnell wieder alles im Griff. „Sie wollte wohl zurück in den Stall, und ich sagte ihr, lass uns weitermachen“, schilderte der 49-Jährige augenzwinkernd die Situation. Miss Yoda gewann leicht mit einer Dreiviertellänge vor Zamrud und der spurtstarken Virginia Joy. Etwas zurück wurde Silence Please Vierte vor Kalifornia Queen.

          Damit ging nach dem Derby auch die Diana an ein ausländisches Trainingsquartier, aber wie bei dem Schlenderhaner In Swoop in Hamburg steht auch Miss Yoda in deutschem Besitz und wurde in Deutschland gezüchtet. Der in England lebende Georg von Opel, der seine Pferde unter dem Namen Westerberg laufen lässt, hat die Stute als Jährling für 280.000 Euro vom Gestüt Etzean gekauft.

          „Das ist Wahnsinn für uns“

          „Das ist Wahnsinn für uns“, freute sich Etzean-Leiter Marc Sonnenburg. „Nach der Auktion hatten wir nicht gedacht, dass wir sie noch einmal in Deutschland sehen. Im September bieten wir auf der Jährlingsauktion in Iffezheim ein Vollschwester von Miss Yoda an und denken, dass wir nach dieser Leistung einen guten Preis für sie erzielen können.“

          Für von Opel war Miss Yoda der erste Pferdekauf überhaupt. Er vergaß auch nicht, den Trainer zu loben, der sich das Rennen von zu Hause anschaute und seinen Sohn nach Düsseldorf schickte. „John Gosden ist einer der Besten der Welt“, so von Opel. „Denn Miss Yoda ist kein einfaches Pferd, die muss man schon richtig einstellen.“

          Wegen der Pandemie waren nur wenige Zuschauer auf dem Düsseldorfer Grafenberg zugelassen. In bekannt ausgelassener Manier ließ sich Dettori dennoch feiern und machte nach dem Rennen seinen berühmten Sprung aus dem Sattel der Siegerin. Filip Minarik hätte es gefallen.

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