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„Keine Jubelarien“ : Die Galopper laufen um das nackte Überleben

Das Atmen fällt schwer: Ein Jockey mit Schutzmaske beim Frühjahresmeeting in Iffezheim Bild: dpa

Im Galoppsport herrscht absoluter Ausnahmezustand. Daran ändern auch riesige Wettumsätze und ungewohnte mediale Aufmerksamkeit nichts. Doch eine wichtige Änderung steht bevor.

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          Auf den ersten Blick könnte man meinen, der Galopprennsport gehörte zu den Gewinnern der Corona-Krise. Als erster Profisport hierzulande nahm er vor drei Wochen den Betrieb wieder auf, noch vor der Fußball-Bundesliga. Drei Sonntage nacheinander berichtete die ARD-Sportschau über die Rennveranstaltungen. Und die jeweiligen Wettumsätze übertrafen die Erwartungen – zuletzt, beim reduzierten Frühjahrsmeeting in Iffezheim, waren es rund 1,2 Millionen Euro, etwa 50.000 Euro pro Rennen.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Da keine Zuschauer erlaubt sind, wird der Umsatz ausschließlich über das Internet erzielt, die vier Online-Buchmacher verzichten dabei vorerst auf Provisionen. Die Rennpreise wurden halbiert. Alle halten zusammen. Um Geld zu sparen, streuten in Iffezheim sogar Bürokräfte die Pferdeboxen ein. Es herrscht Ausnahmezustand, um das nackte Überleben des Rennsports zu sichern. Was nicht heißt, dass das Notprogramm langfristig den Fortbestand sichern kann. „Wir befinden uns in einer absoluten Mangelsituation, in der es einige erfreuliche Tupfer gibt“, relativierte Michael Vesper, der Präsident des Verbandes Deutscher Galopp, am Dienstag in einer Telefonkonferenz. „Wir können keine Jubelarien singen.“

          Schätzungsweise 20 Prozent des Wettumsatzes fließen an die Veranstalter zurück. Genauere Zahlen will Deutscher Galopp bei einem in der nächsten Woche anstehenden Kassensturz ermitteln. „Gerade mit vier sportlich und finanziell hoch stehenden Gruppe-Rennen bleibt die Gesamtfinanzierung trotzdem ein Kraftakt“, sagt Jutta Hofmeister, die Geschäftsführerin von Baden Racing. Auch die Pferdebesitzer können sich in der aktuellen Situation nicht refinanzieren, zumal das lukrative internationale Geschäft völlig zum Erliegen gekommen ist.

          Ab sofort öffnet Deutscher Galopp nun zwar die Rennen wieder für Pferde, die außerhalb Deutschlands trainiert werden. Das betrifft vor allem die Nachbarn aus den Niederlanden und Osteuropa. Frankreich, Großbritannien und Irland sind ausgenommen, weil umgekehrt deutsche Pferde dort auch nicht laufen dürfen. Wobei von den dreien bis dato lediglich Frankreich außerhalb der „Roten Zonen“ mit besonderer Corona-Gefährdung seit 11. Mai wieder Rennen erlaubt. Gerade in Frankreich waren vor der Krise zahlreiche deutsche Pferde am Start. „Der freie Verkehr zwischen den Nationen ist ein Eckpfeiler unseres Sports“, sagte Vesper. Dass Frankreich den Ausschluss bis Mitte Juni verlängert habe, sei „bedauerlich und nicht europäisch“.

          Die Hälfte der insgesamt 222 Geisterrennen bei 22 Veranstaltungen ist inzwischen gelaufen. Bis Mitte Juni gilt der Notfallplan, was danach kommt, muss erst noch entschieden werden. Die Hygienevorschriften seien an den Rennplätzen vorbildlich eingehalten worden, auch wenn den Jockeys etwa im Regen von Iffezheim das Atmen hinter den Masken beschwerlich wurde. Besonders schmerzlich: Die Pferdebesitzer waren nicht zu den Veranstaltungen zugelassen. Das wird ab sofort geändert, sofern die örtlichen Behörden mitspielen.

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