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Springreiter am Pranger : Vorwürfe wegen sexueller Nötigung und Alkoholexzessen

  • Aktualisiert am

Im Nachwuchskader der Springreiter bahnt sich ein Skandal an (Symbolbild) Bild: dpa

Der Reiterverband räumt übermäßigen Alkoholkonsum einiger junger Springreiter ein, spricht jedoch von Einzelfällen. Ein konkreter Fall „sexualisierter Gewalt“ sei mit einer 18-monatigen Sperre geahndet worden.

          Eineinhalb Wochen vor der Reit-Weltmeisterschaft im amerikanischen Tryon  droht der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) ein Skandal um Alkoholexzesse und sexuelle Nötigung. Junge Reiter aus dem Nationalkader der Springreiter sollen auf Turnieren Mädchen mit Alkohol und womöglich K.o.-Tropfen gefügig gemacht und sexuell missbraucht haben. Das berichtete der Spiegel.

          Einer der Verdächtigen soll eine junge Frau am Rande eines Reitturniers massiv bedrängt und begrapscht haben. Der Verband habe darauf reagiert und den Verdächtigen wegen sexueller Übergriffe für 18 Monate aus dem Nationalkader verbannt. Der Betroffene bestreitet die Vorwürfe. Otto Becker, Bundestrainer der Springreiter, meldete den Reiter auch weiterhin für Turniere, weil dessen Verurteilung noch nicht rechtskräftig gewesen sei.

          Becker hatte offenbar auch die Rückendeckung der Verbandsspitze in Warendorf. FN-Geschäftsführer Dennis Peiler erklärte, Becker habe sich in der Angelegenheit „für den sportfachlichen Weg“ entschieden. Die FN meldete den Fall der Staatsanwaltschaft Münster und dem Weltreitverband FEI. „Unser Ziel war und ist es, größtmögliche Transparenz zu schaffen sowie substanziellen Hinweisen auf Fehlverhalten nachzugehen, Beweise zu sichern und Regelwerksverstöße auch zu ahnden“, betonte Lauterbach. Die FN will sich am Samstag (11.30 Uhr) in Warendorf den Medien stellen.

          Verband verweist auf Einzelfälle

          „Nach unserem Kenntnisstand handelt es sich hier um Einzelfälle“, sagte FN-Geschäftsführer Soenke Lauterbach. „Wir verurteilen sexualisierte Gewalt aufs Schärfste. Aus vollem Herzen können wir sagen, dass wir sexuellen Übergriffen und übermäßigem Alkoholkonsum den Kampf angesagt haben und klar durchgreifen.“ Der Verband verwies in einer Pressemitteilung darauf, dass ihm bisher „ein konkreter Fall aus dem Umfeld junger Springreiter“ vorliege, in dem es „um Vorwürfe aus dem Bereich sexualisierte Gewalt ging“.

          Weitere Vorwürfe gegen junge Reiter der FN wurden bei den Europameisterschaften im slowakischen Samorin laut. Dort sollen zwei Reiter aus dem Nationalkader im Alkoholrausch ein Hotelbett zerlegt haben. Offenbar gibt es auch Hinweise, dass ein junges Mädchen Opfer von Vergewaltigung oder sexueller Nötigung geworden sei. Die Staatsanwaltschaft Koblenz hat Ermittlungen aufgenommen. Die FN teilte mit, dass sie von dem Vorfall erst durch den Spiegel erfahren habe. Deshalb habe man den Vorwürfen noch nicht nachgehen können.

          Der Verband stelle sich bereits seit geraumer Zeit der Herausforderung, dass einige junge Springreiter dem Alkohol übermäßig zusprechen, schreibt die FN. Bisher seien Einzelfälle bekannt. Die FN habe Abmahnungen, Verwarnungen, Kadersuspendierungen und Geldstrafen ausgesprochen, „sofern sie ein Fehlverhalten nachweisen konnte“.

          Ursula Enders, Vorsitzende des Vereins Zartbitter e.V., mit dem die FN seit 2011 in puncto Prävention und Aufklärung sexueller Gewalt kooperiert, übte Kritik am Verband. „Wir müssen überlegen, wie viel Sinn eine Kooperation überhaupt macht. Man kann nur hoffen, dass die Reiterliche Vereinigung nun wachgerüttelt wird“, meinte Enders.

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