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Reitsport : Abschied von Totilas

  • -Aktualisiert am

Trauriger Abgang in Aachen: Totilas mit Matthias Rath. Bild: dpa

Es ist kaum anzunehmen, dass Totilas nochmal in den großen Sport zurückkehren wird. Dennoch haben an dem spektakulären Dressur-Hengst eine Menge Leute gut verdient. Den ganz großen Erfolg aber kann man nicht kaufen.

          Zum Abschied vom jährlichen Reitturnier in Aachen ist es üblich, den Teilnehmern mit weißen Taschentüchern zuzuwinken. Ein derartiger Moment wird Totilas nicht zuteil. Er ist sang- und klanglos von der EM fortgebracht worden und wird jetzt in einer Klinik zum soundsovielten Mal untersucht. Auf sentimentale Gesten wird der Hengst aber wohl leichten Herzens verzichten. Wie überhaupt die berühmten Pferde meistens die einzigen sind, die ihre Verabschiedung aus dem Sport trockenen Auges überstehen.

          Die Menschen heulen, weil ihnen in solchen Augenblicken die Vergänglichkeit aller Schönheit und allen Erfolgs vor Augen geführt wird. Aber diese Erkenntnis des Unvermeidlichen hat im Pferdesport ja nicht nur eine emotionale Seite. Sie bestimmt eines der wichtigsten Geschäftsprinzipien: Wenn du ein gutes Pferd hast, mach es zu Geld, bevor es zu spät ist.

          An Totilas, dem spektakulären Dressur-Hengst, haben eine Menge Leute gut verdient. Seine Laufbahn – erst dreifacher Weltmeister mit dem Niederländer Edward Gal, dann für Millionen den Besitzer gewechselt, dann eine Verletzungsserie und kein Gold mehr - untermauert eine alte Weisheit: Den ganz großen Erfolg kann man nicht kaufen. Einen Dressur-Olympiasieger kann man nicht erwerben und für immer zu Hause an die Wand hängen wie einen van Gogh.

          So ein Totilas ist wie ein angefangener van Gogh, den man selbst fertig malen muss. Und es ist nun mal so: Man kann die Originalfarbe und Originalpinsel nehmen, man kann den besten Lehrer der Welt verpflichten, aber einen echten van Gogh kann man nicht so einfach malen. Und wer sich aufgrund seines Reichtums für ein Genie hält, wird für vermessen gehalten – da braucht es als Antrieb keinen Sozialneid.

          Dass am Donnerstag in Aachen nicht Matthias Rath und die deutsche Equipe als Europameister auf dem Podium saßen, sondern die Niederländer mit Edward Gal, ist in diesem Zusammenhang eine ganz besondere Pointe. Gal, der das Talent von Totilas einst entwickelt hat, führte sein Team mit einem Pferd namens Undercover zum Sieg, einem Wallach, der längst nicht so begabt ist wie Totilas, dessen Stärken er an jenem Tag aber hervorragend zur Geltung gebracht hat. Er ist eben mit und ohne Totilas einer der stärksten Dressurreiter der Welt.

          Die Aachener können es nicht machen wie sonst – aber wir winken Totilas jetzt mit einem kleinen Taschentuch zu. Es ist kaum anzunehmen, dass er noch einmal in den großen Sport zurückkehren wird – dazu müsste er fit werden für eine drei Tage dauernde, schwere Belastung, und seine Gesundheit ist fragil. Vielleicht gibt es ja irgendwann noch eine schöne Verabschiedung. Dann sagen wir offiziell: Bye-bye, Totilas. Du bist wirklich ein besonders Schöner.

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