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Coronavirus zum Trotz : Ja, wo laufen die denn noch?

  • -Aktualisiert am

Sprunghaft: Vor einer Woche beim Cheltenham Festival in England Bild: AFP

Der internationale Galoppsport präsentiert sich als Flickenteppich. Hierzulande ruht der Betrieb, woanders aber wird noch fleißig um Siege gekämpft. Doch die Sorgen steigen – nicht ohne Grund.

          3 Min.

          Während das Sportgeschehen wegen der Corona-Pandemie praktisch weltweit zum Erliegen gekommen ist, präsentiert der Galoppsport weiter einen Flickenteppich. Am Wochenende gab es Rennveranstaltungen in Südafrika, Japan, den Vereinigten Staaten und Irland. Die Iren setzten sich gegen den Trend in Europa: Alle führende Rennsportnationen – Frankreich, Deutschland und nach einigem Zögern auch Großbritannien – machen bis mindestens Mitte April Pause.

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          Unter strikten Vorsichtsmaßnahmen soll es in Irland weiter pro Tag eine Rennveranstaltung – üblich sind mehrere – geben, „um den Menschen, die im Rennsport arbeiten, Einkommen und Arbeit zu ermöglichen“. So begründete der irische Galoppverband die umstrittene Entscheidung. „Das ist sehr bedauerlich“, sagt beispielsweise der Parlamentsabgeordnete Aodhan O’Riordain, der als möglicher neuer Vorsitzender der irischen Arbeiterpartei gilt. „Nach dem Cheltenham Festival sollte doch jedem das Ausmaß dieses Notfalls klar sein“, so der Labour-Politiker.

          Das mehrtägige englische Hindernismeeting war Mitte März abgehalten worden – mit Zehntausenden Zuschauern auf engstem Raum, darunter Tausende Gäste aus Irland, die feierten und wetteten, als ob es kein Coronavirus gäbe. Das für Anfang April angesetzte bekannteste Jagdrennen der Welt, der Grand National in Aintree bei Liverpool, ist inzwischen aber abgesagt worden. Eines der höchstdotierten Galopprennen der Welt fällt ebenfalls aus. Der Dubai World Cup auf der Bahn in dem künstlich errichteten orientalischen Luxusdorf Meydan sollte am 28. März stattfinden.

          Verwirrung in Deutschland

          Auch in Deutschland gab es anfangs Verwirrung. Der erste Grasbahn-Renntag der neuen Saison in Köln am 15. März wurde erst auf 1000 Besucher begrenzt, dann sollte er ohne Zuschauer stattfinden, bevor er ganz abgesagt wurde. Tags darauf entschied das Präsidium des Galoppdachverbands, die Rennen vorläufig auszusetzen. „Die Corona-Krise und ihre Auswirkungen stellen alle am Rennsport Beteiligten vor enorme Herausforderungen“, hieß es in einer Erklärung des Präsidiums von Deutscher Galopp. „Das gilt nicht nur, aber im besonderen Maße für die etwa 3000 Vollzeitbeschäftigten, also Jockeys, Trainer, Stallpersonal, Rennbahnmitarbeiter und Dienstleister. Auch wir benötigen, wie andere mittelständische Betriebe, staatliche Hilfen in Form von Kurzarbeitergeld, Kredite und Zuschüsse.“

          Besonders kritisch ist die Situation für die rund zwanzig Rennvereine in Deutschland, von denen die meisten schon länger finanziell unter Druck stehen. „Es fallen ja nicht nur Renntage weg, sondern auch andere Einnahmemöglichkeiten“, sagt Andreas Tiedtke, Präsident des Dortmunder Rennvereins. „Es gibt keine Trödelmärkte, keine Firmen- oder Privatfeiern, die Gastronomie und der Golfplatz im Inneren der Rennbahn haben zu.“

          An Renntagen gemessen ist Dortmund der größte Galoppveranstalter in Deutschland, da der Bezirk Wambel sowohl über eine renntaugliche Sandbahn für den Winter als auch eine Grasbahn verfügt. Das irische Beispiel, Renntage unter strikten Bedingungen zu veranstalten, sieht Tiedtke als Möglichkeit, um nach Zwangspause langsam in einen ordentlichen Rennbetrieb zurückzukehren. „Pferde können nicht im Homeoffice geritten werden“, sagt er. Der Trainingsbetrieb – in den Trainingszentralen von Köln und Iffezheim stehen bis zu 300 Pferde – müsse ohnehin aufrechterhalten werden. „Die Pferde müssen täglich bewegt werden“, so Tiedtke, „Wenn man strikte Vorkehrungen trifft, ist die Ansteckungsgefahr bei Rennen kaum größer als beim Training.“

          In Irland darf nur ein Minimum an Personal auf die Rennbahn, Besitzer haben keinen Zutritt. „Die Jockeystube ist geschlossen, die Reiter ziehen sich in ihren Autos um, es gibt keine Siegerehrung, und im Rennen selbst scheint die Ansteckungsgefahr auch gering“, so Tiedtke. „Wir haben ja einen gesetzlichen Auftrag, Galopprennen zu veranstalten, mit dem Ziel, eine planvolle, erfolgsorientierte Tierzucht zu ermöglichen.“ Ohne Rennen könne ein ganzer Jahrgang für die Zucht verlorengehen – mit dem möglichen Effekt, dass die ohnehin sinkende Zahl an Besitzern und Züchtern weiter abnimmt und weitere Abwärtsspiralen in Gang setzt. Die Galoppfans können zwar am Computer zu Hause wetten und so für Einnahmen sorgen, aber Pferderennen sind in Deutschland ein Publikumssport – „die Nummer zwei hinter Fußball“, nach eigenen Angaben. „Deshalb wird es für die Rennvereine ohne Hilfen vom Verband nicht gehen, und die Rennpreise müssen drastisch gekürzt werden“, sagt Tiedtke. „Aber das ist besser als gar keine Rennen.“

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