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Reiten : Nach Leipzig heißt es Kräfte sparen

Meisterliche Vorführung: Ehning und For Pleasure beim Siegesritt Bild: dpa/dpaweb

Nach dem sächsischen Weltcupturnier müssen sich die deutschen Springreiter in Turnier-Verzicht üben. Doch Olympia ist es wert, sich zu bescheiden.

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          Marcus Ehning schaute sich im Stechparcours um, als nähme er Maß, mit wieviel Bissen er diesen Weltcup-Kuchen verspeisen kann. Dann ließ er seinen Hengst For Pleasure hurtig angaloppieren, und der erfahrene, bereits achtzehnjährige Fuchshengst tat, was gefordert war. Zwar hätte zwischen seine Hufe und die Hindernisstangen oft kein Blatt Papier mehr gepaßt, aber am Ende schafften die beiden eine fehlerfreie Runde in 38,60 Sekunden und hatten das Weltcupspringen in Leipzig gewonnen. Kein Wunder: Der Weltcupsieger und Mannschafts-Europameister 2003 aus Borken gehört zu den Spitzenleuten im Sattel und sein Hengst ist ein internationales Frischewunder. Den Europameisterkollegen der beiden gelang der Auftakt des Olympiajahrs allerdings weniger gut. Ludger Beerbaum mit dem Fuchshengst Goldfever hatte im Normalparcours ebenso zwei Abwürfe zu beklagen wie Otto Becker mit seinem Schimmelhengst Cento. Einzel-Europameister Christian Ahlmann und sein Championatspferd Cöster leisteten sich sogar drei Fehler.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Das Publikum in der Messehalle 1 trug es mit Fassung. Schließlich war es schon ein Vergnügen, alle Stars an einem Ort versammelt zu sehen. Neben den vier EM-Cracks auch noch den quirligen Shutterfly, mit dem Meredith Michaels-Beerbaum das Stechen ereichte, allerdings mit einem Abwurf Dritte wurde - hinter dem Franzosen Jean Marc Nicolas mit dem unermüdlichen Schimmel Modesto. Und das kleine Kraftpaket Adlantus As, mit dem Lars Nieberg Platz vier erreichte. So schnell kommen die deutschen Olympiakandidaten wohl nicht mehr zusammen. Vielleicht noch beim hochdotierten Turnier in Zürich. Doch danach heißt es Kräfte sparen und an Athen denken.

          "Wir dürfen unsere Fehler nicht wiederholen", sagt Kurt Gravemeier, der Bundestrainer. Immer noch steckt ihm und seiner Mannschaft die medaillenlose Weltmeisterschaft von Jerez de la Frontera 2002 in den Knochen. In jenem Jahr hatten die deutschen Reiter die Turnierplätze beherrscht und eine Menge Geld verdient. Ludger Beerbaum hatte die beiden wichtigsten Großen Preise gewonnen, in Aachen und in Calgary. Da schien die WM noch eine angenehme Zugabe zu verheißen. Und dann tauchte aus Frankreich eine Equipe mit vier frischen und kraftstrotzenden Hengsten auf, die sich den Mannschaftstitel holte. "Das war uns eine Lehre", sagt Gravemeier. Schon im vergangenen Jahr wurde der Einsatz der Spitzenpferde dosiert. Der Lohn: der Europameistertitel mit einer geschlossen erstklassigen Mannschaftsleistung, während die französische Konkurrenz nach einer schwachen zweiten Runde im Nationenpreis gerade noch Silber retten konnte.

          Natürlich hat die neue Zurückhaltung auch Nachteile. "Im Stall verdient ein Pferd kein Geld", sagt Gravemeier. Doch Olympia ist es wert, zu verzichten, zumal nach den Spielen bei hochdotierten Luxus-Events noch manches wettgemacht werden kann. Das Weltcupfinale Ende April in Mailand aber, die inoffizielle Hallenweltmeisterschaft, wird in diesem Jahr den Olympiaplänen untergeordnet. Weder Cento noch For Pleasure, weder Cöster noch Montender, das Spitzenpferd des deutschen Meisters Marco Kutscher, werden in Italien starten. Und Ludger Beerbaums Qualifikation für Mailand steht nach Leipzig mehr denn je in Frage: Er hat noch keinen einzigen Punkt erritten. "Athen ist mir in diesem Jahr wichtiger", sagt der Meisterreiter aus Riesenbeck.

          Gute Vorbereitung ist eben alles. Was man noch tun kann für einen olympischen Erfolg? Im Moment ist Gravemeier dabei, nach einem Grasplatz zu suchen, den man mit Flutlicht erhellen kann. Zwei Prüfungen in Athen werden nämlich erst nach Sonnenuntergang abgehalten. Da ist es ratsam, die Tiere im Trainingslager vor der Abreise nach Griechenland an das künstliche Licht und seine Schattenspiele zu gewöhnen. Es gilt schließlich, das Mannschafts-Gold von Sydney zu verteidigen. "Daran denke ich nicht", sagt Gravemeier. "Wir wollen einfach unser Ding machen." Aber dieses Ding sollte am Ende schon an einem Bändchen hängen.

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