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Traditionsturnier in Balve : Geballte Energie führt zum Sieg

  • -Aktualisiert am

Meisterlich: Sönke Rothenberger und Cosmo. Bild: dpa

Sönke Rothenberger überholt mit seinem Wallach Cosmo erstmals die dominante Isabell Werth auf Weihegold bei den deutschen Dressur-Meisterschaften. Im Wettbewerb der Springreiter gewinnt Mario Stevens.

          4 Min.

          Kaum hatte Sönke Rothenberger den Grand Prix Special beendet, schlug er die Hand an die Stirn. Das sollte wohl ausdrücken: Wie konnte ich nur einen so dummen Fehler machen? Sein Wallach Cosmo hatte alles richtig gemacht. „Mein Pferd war voll da“, sagte Rothenberger. „Ich als Reiter leider nicht.“ Zwischendurch hatte er sich schlicht im Programm geirrt. Statt geradeaus weiter zu traben, wendete er nach links auf die Diagonale und parierte zum Schritt durch. Tadelnd klingelte der Chefrichter mit dem Glöckchen, Rothenberger besann sich und setzte sein Programm nun wieder in korrekter Reihenfolge fort. „Ich war so vertieft in die Aufgabe, dass ich plötzlich nicht mehr wusste, ob geradeaus, links oder rechts“, sagte der 23 Jahre alte Student aus Bad Homburg hinterher zerknirscht. „Ich bin aber froh, dass ich danach so weiter reiten konnte und nicht komplett die Fassung verloren habe.“

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Die Folgen hielten sich in Grenzen. Rothenberger wurde trotz eines weiteren winzigen Fehltrittes mit 83,706 Prozentpunkten deutscher Meister der Dressurreiter im Grand Prix Special, und einen Tag später setzte er in der Kür (88,425) gleich den nächsten Sieg drauf. Es sind seine beiden ersten deutschen Meistertitel in einer Disziplin, die in letzter Zeit eigentlich von einer anderen beherrscht wird: von Isabell Werth, der erfolgreichsten Reiterin der Welt. Zweimal hat Rothenberger sie in Balve auf ihrem Olympiapferd Weihegold geschlagen, in der Qualifikation am Freitag und im Special am Samstag. Zur Kür am Sonntag trat sie nicht an. Es war das erste Mal, dass Rothenberger sich mit Cosmo an Werth und Weihegold vorbeischob.

          Bei den Europameisterschaften im vergangenen Jahr in Göteborg hatte er das Spitzenpaar zwar mächtig unter Druck gesetzt, der Überholversuch war aber knapp gescheitert. Ob Balve eine Ablösung bedeutet, bleibt aber offen. Das Duell dürfte im Juli beim CHIO in Aachen in die nächste Runde gehen und möglicherweise im September bei der Weltmeisterschaft in Tryon (North Carolina). Falls Isabell Werth dort wirklich Weihegold aufbieten wird und nicht den elfjährigen Westfalen Emilio, ihren neuen Star. Im vergangenen Jahr hatte dieser Wallach Cosmo bei den deutschen Meisterschaften noch voll im Griff gehabt.

          Weihegold war nicht in Bestform

          Cosmo aber, der nicht sehr freundliche, aber hochbegabte Braune aus niederländischer Zucht, zeigte sich nach langer Winterpause weiter verbessert und gereift: Der starke Trab gelang wie eh und je mit imponierendem Schwung. Und die Piaffen, bis dato mit sichtlicher Vorwärtstendenz, zelebrierte er jetzt nahezu am Platz. Womöglich wäre der Grand-Prix-Special als Cosmos bisher bester in die Geschichte eingegangen, wäre seinem Reiter nicht besagter Lapsus passiert. In der Kür gaben beide eine herausragende Vorstellung. Ausgeruht, wie Cosmo war, strahlte er geballte Energie aus, ein Pferd im Vollbesitz seiner Kräfte – ganz im Gegensatz zu Weihegold, die sich nicht gerade in Bestform befand.

          Eigentlich war sie nur für die Qualifikationsprüfung vorgesehen gewesen, um wieder in die Turniersituation zurückzufinden, nachdem sie aus Zucht-Gründen aus dem Sport genommen worden war. „Letzte Woche hat sie noch ausgesehen wie eine schwangere Auster“, sagte Isabell Werth. Weil aber Weihegolds Stallkollege Emilio sich kurz vor der Abfahrt eine kleine Verletzung zuzog und ausfiel, musste die Stute zusätzlich im Grand-Prix-Special für ihn einspringen, auch aus Rücksicht auf den Veranstalter, der noch weitere hochkarätige Abmeldungen hatte verkraften müssen.

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