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Reiten : Alarmglocken schrillen wegen der Funkstille im Reitsport

Vorreiter: Markus Ehning bei seinem Triumph Bild: AP

Der Jubel war riesengroß, als Marcus Ehning am Ostersonntag Weltcupsieger der Springreiter wurde. Wenigstens in Las Vegas, bei der deutschen Delegation. Und wahrscheinlich zu Hause in Borken, wo er seine Leute telefonisch unterrichtet haben dürfte. Im traditionellen Reiterland war sein Triumph im Fernsehen nicht zu sehen.

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          Der Jubel war riesengroß, als Marcus Ehning Weltcupsieger der Springreiter wurde. Wenigstens in Las Vegas, bei der deutschen Delegation. Und wahrscheinlich zu Hause in Borken, wo er seine Leute telefonisch unterrichtet haben dürfte. In der Heimat des frischgebackenen Champions nämlich, im traditionellen Reiterland, wurde keine der drei hochklassigen Prüfungen im Fernsehen gezeigt. "Eine Katastrophe", sagt Hendrik Snoek, einst Nationenpreisreiter und heute der Vorsitzende des Springausschusses im Deutschen Olympiadekomitee für Reiterei. "Da schlagen die Alarmglocken", sagt Reitsport-Promoter Hans-Werner Aufrecht.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Die Interessierten mußten auf die Nachlese zwei Tage später auf Eurosport warten. Und das, obwohl die deutschen Reiter traditionell zu den olympischen Medaillensammlern gehören. Obwohl sie mit zehn Qualifizierten für das Weltcup-Finale (bei 19 Teilnehmern aus Westeuropa) einen Rekord aufstellten. Obwohl der Weltranglistenerste und Europameister Ludger Beerbaum und weitere Olympiasieger und Weltmeister für Deutschland am Start waren. Obwohl nirgendwo so viele gute Reitpferde geboren werden wie hierzulande, obwohl die Deutsche Reiterliche Vereinigung 760 000 Mitglieder hat und etwa 1,24 Millionen Deutsche reiten.

          Selbst die Brasilianer werden besser informiert. Rodrigo Pessoa, der Zweitplazierte von Las Vegas, wird häufig von einem eigens für ihn entsandten Fernsehteam zum Turnier begleitet. Und in Schweden konnte man das Weltcup-Finale live im Fernsehen verfolgen, obwohl nur eine einzige Starterin aus diesem Land stammt. Allerdings ist sie zu Hause ein Star: Malin Baryard, die Weltcup-Dritte. Sie ist eine zierliche, 28jährige Frau, die zum Mädchenschwarm geboren scheint. Sie wird glänzend vermarktet von ihrem Sponsor, dem Teenie-Bekleider Hennes und Mauritz, und hat sogar eine eigene Fernsehsendung.

          Dank Malin Bayard kennt nun also jeder Schwede auch Marcus Ehning und seine Stute Anka. In Warendorf aber, am Sitz der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, hat man vor einigen Wochen eine Krisensitzung mit Agenturjournalisten abgehalten, um herauszufinden, warum die Erfolge der Reiter in vielen Tageszeitungen in letzter Zeit nur noch als Ergebnismeldungen abgehandelt werden. Die Öffentlichkeit ist lebenswichtig für die Sportart, die schon wegen der millionenteuren Pferde einen großen Geld- und damit Sponsorenbedarf hat. Ein einfacher Grund für die Funkstille konnte in Warendorf nicht gefunden werden. Es scheint, als hätten die vielen deutschen Siege zu einer Überfütterung geführt. Aber die Serienerfolge von Michael Schumacher oder Boris Becker hatten nicht diesen Effekt. Außerdem hat der Verteilungskampf unter den Veranstaltern den Sport häufig als Thema in den Hintergrund gedrängt. Es scheint, als seien gerade die ersehnten Fernsehübertragungen schädlich. Weil die dritten Programme nichts dagegen haben, stundenlang regionale Springturniere auch für 40 000 Zuschauer zu übertragen, zumal, wenn sich die Veranstalter ihren Sponsoren zuliebe an den Produktionskosten beteiligen, verlieren Außenstehende rasch den Maßstab. Und das in einer Zeit, da sich die Reiterei für ein breiteres, weniger elitäres und nichtfachliches Publikum öffnen muß, um mit der Konkurrenz mitzuhalten.

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