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Basketball-Spektakel : Reicht die Berliner Luft für den Gipfel?

  • -Aktualisiert am

Will auch gegen den FC Bayern ein gutes Spiel abliefern: Berlins Basketball-Profi Peyton Siva Bild: dpa

Fluch der Eurocup-Erfolge: Das Spitzenspiel gegen Bayern München ist für Alba die elfte Prüfung in vier Wochen. Die Favoritenrolle ist klar verteilt, doch die Berliner haben eine große Sehnsucht, die sie antreiben wird.

          Als Bayern München am 23. Dezember 2018 das Pokalviertelfinale gegen Alba Berlin 70:78 verlor, stand der deutsche Basketball-Meister am Ende einer Phase der Hochbelastung. Nach dem Sieg in der Euroleague am 14. Dezember gegen Kaunas hatten die Bayern die Berliner zwei Tage später in der Bundesliga knapp besiegt und danach noch die Königsklassenbegegnungen in Mailand und gegen Real Madrid absolviert. Wenn die Schwergewichte des deutschen Basketballs an diesem Sonntag (18.00 Uhr) in der Hauptstadt wieder aufeinandertreffen, sind die Voraussetzungen ähnlich – nur diesmal ist es das Berliner Programm, das aus allen Nähten zu platzen droht.

          Während die Bayern die 30 Spiele umfassende Saison in der Euroleague Anfang April abschlossen, spielten und kämpften sich die Albatrosse bis ins Finale des Eurocups, wo sie dann in drei Spielen Valencia unterlagen. Die Play-off-Erfolge führen zu einem straffen Spielplan der Berliner, die unmittelbar nach den Finalhöhepunkten nun die wegen der Europa-Tournee ausgefallenen Bundesligapartien nachholen müssen. Das Spitzenspiel ist für Alba die elfte Begegnung seit dem 31. März. Entsprechend wurde „Energie“ zum am meisten gebrauchten Wort bei Spielern und Trainern, zumal die Mannschaft defensiv in den Passwegen „wildern“ und offensiv schnell spielen möchte.

          Die große Sehnsucht nach einer Trophäe

          Am Donnerstag in Bayreuth reichten die Reserven nicht aus. Ohne die verletzten Martin Hermannsson, Derrick Walton und Niels Giffey kassierte Berlin 28 Gegenpunkte im Schlussviertel und unterlag 79:80. Der Endstand war zugleich die einzige Bayreuther Führung in dieser Partie. Zu allem Überfluss verletzte sich auch noch Nationalspieler Johannes Thiemann bei der ersten Bundesliganiederlage nach zuvor sieben Siegen.

          Obwohl diese Ausgangsposition keinen Leckerbissen erwarten lässt und sich das Spiel letztlich als Muster ohne Wert entpuppen könnte, fiebert ganz Basketball-Deutschland dem Aufeinandertreffen mit den Bayern entgegen, die qualitativ ähnlich einzuschätzen sind wie Valencia Basket, der spanische Klub, dem Berlin im Eurocupfinale den Vortritt lassen musste. Dies war die vierte Endspielniederlage in zwei Jahren unter Coach Aíto Garcia Reneses. Der 72-jährige Spanier hat Alba neues Leben eingehaucht, einen attraktiven und erfolgreichen Spielstil mit beachtlicher Talententwicklung kombiniert. Aber die große Sehnsucht nach einer Trophäe konnte er bislang nicht stillen.

          Großartige Kulisse, großartige Spiele: Die Begegnungen zwischen Valencia (orange) und Berlin (blau) im Eurocup-Finale waren mitreißend.

          Luke Sikma, die zentrale Figur auf dem Spielfeld, schwächelte ausgerechnet gegen sein früheres Team Valencia in der entscheidenden Begegnung. Das Duell des wertvollsten Spielers des Eurocups gegen das herausragende Power-Forward-Duo der Münchner um Danilo Barthel, der Sikma in der letztjährigen Finalserie ausstach, und Derrick Williams steht am Sonntag ebenso im Mittelpunkt wie der Vergleich der Spielmacher Peyton Siva und Stefan Jovic. Siva, der bei Berlin die Fäden in der Hand hält, steht prototypisch für den nordamerikanischen Pointguard. Deutlich kleiner als sein Münchner Konkurrent, verfügt er über mehr Athletik und Schnelligkeit sowie einen stärkeren Drang, selbst den Abschluss zu suchen. Jovic hingegen misst fast zwei Meter und repräsentiert die europäische Interpretation der Position als abgeklärter Organisator. Beide sind Spitzenkräfte und könnten in einem möglichen Play-off-Duell zum entscheidenden Faktor werden. Der größte Schwachpunkt bei beiden ist ihre extreme Verletzungsanfälligkeit.

          Trotz des Berliner Heimvorteils gelten die Bayern als Favorit. Petteri Koponen und Devin Booker, die zuletzt gegen Crailsheim pausiert hatten, stehen wieder im Training, der von Coach Dejan Radonjic vor allem europäisch nur spärlich eingesetzte Braydon Hobbs glänzte im letzten Bundesligaspiel mit 20 Punkten. Abseits des Parketts sind die Münchner dabei, die Weichen für die Zukunft zu stellen. Der Vertrag mit Sportdirektor Daniele Baiesi wurde bis Mitte 2021 verlängert. Zudem hat die Klubführung verlauten lassen, den Etat für die nächste Spielzeit aufzustocken, was die Chancen auf den Verbleib des umworbenen früheren NBA-Stars Derrick Williams erhöhen dürfte.

          Die Bayern haben bereits eine Startplatzgarantie von der Euroleague, aber wenn es stimmt, was die Spatzen von Barcelonas Dächern pfeifen, stehen die Chancen der Berliner sehr gut, die Münchner in der nächsten Saison in Europas Eliteklasse zu begleiten, obwohl die erste Chance zur Teilnahmeberechtigung durch den verpassten Eurocup-Sieg nicht realisiert werden konnte. Sollten es die Aíto-Schützlinge aber schaffen, deutscher Meister zu werden oder Zweiter hinter den Bayern, hätten sie die Qualifikation geschafft. Aber selbst im Falle eines Misserfolges gäbe es eine offene Tür via Wildcard für die Berliner. Die Euroleague erhöht ihr Teilnehmerfeld von 16 auf 18 Teams, und es ist ein offenes Geheimnis, dass man den deutschen Hauptstadtklub gerne im Pool begrüßen würde. Was diese Konstellation für die Bundesliga und insbesondere ihre Spielplangestaltung bedeuten würde, ist kaum abzusehen. Auf jeden Fall wären die Herausforderungen für alle Beteiligten immens.

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