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Russischer Doping-Skandal : Bis Rio rehabilitiert

Weht die russische Fahne auch bei den Olympischen Spielen in Rio kommenden Sommer? Bild: dpa

Nach der Suspendierung der russischen Leichtathleten ist IOC-Präsident Thomas Bach zuversichtlich, dass der Verband seine Hausaufgaben zeitig erledigt. Falls nicht gibt es schon einen Plan B.

          3 Min.

          Der Start der russischen Leichtathleten bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro im kommenden Jahr dürfte gesichert sein. Thomas Bach, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), empfing am Samstag in Lausanne den Chef-Aufräumer des russischen Sports, Alexander Schukow, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees. Beide gaben sich optimistisch, dass bis August 2016, bis zu den Sommerspielen an der Copacabana, die Vorwürfe, welche die russische Leichtathletik und damit auch die Olympischen Spiele belasten, ausgeräumt sein und der Verband rehabilitiert sein sollte.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Wir sind zuversichtlich“, ließ sich Bach zitieren, „dass die Initiativen, die das russische OK vorschlägt, gemeinsam mit den verantwortlichen internationalen Organisationen Wada (Welt-Anti-Doping-Agentur) und IAAF (Welt-Leichtathletik-Verband) so bald wie möglich Übereinstimmung (mit den Anti-Doping-Regeln) schaffen werden, um die Teilnahme der sauberen russischen Leichtathleten an den Olympischen Spielen zu ermöglichen.“ Schukow versprach, dass alle dopenden Athleten gesperrt, alle Beteiligten bestraft und vor allem saubere Athleten geschützt werden würden.

          Unter olympischer Fahne?

          Gleichzeitig stellte der russische Sportminister Witalij Mutko Plan B vor. Saubere russische Athleten könnten demnach, wenn sich das Großreinemachen als zeitraubender als erwartet erweisen sollte, statt unter der russischen unter der Fahne Olympias in Rio antreten. Jelena Isinbajewa, Olympiasiegerin im Stabhochsprung von Athen 2004 und Peking 2008 sowie dreimal Weltmeisterin, solle die Reformerin der russischen Leichtathletik werden. Die Athletin, die jahrelang in Monte Carlo lebte und in Italien trainierte, bereitet sich nach Babypause in Wolgograd auf ihr Comeback vor. „Es ist sehr wichtig für Jelena, in Brasilien anzutreten“, sagte ihr Trainer Jewgenij Trofimov, „um ihre Unschuld zu beweisen, zu beweisen, dass sie sauber ist und der russische Sport sauber ist“.

          Weniger als 24 Stunden vor dem Treffen von Bach und Schukow war der russische Verband am Freitagabend von der IAAF vorläufig ausgeschlossen worden; er darf keine Athleten mehr zu internationalen Veranstaltungen melden. Nie zuvor ist ein Leichtathletikverband so schwer bestraft worden. Der norwegische Anti-Doping-Experte Rune Andersen soll eine Kommission leiten, die darüber entscheidet, ob der russische Verband alle Bedingungen in der Doping-Bekämpfung für eine Neuaufnahme erfüllt.

          Der Ausschluss ist Folge des Berichts einer Ermittlungskommission der Wada, die am Montag bestätigte, dass in der russischen Leichtathletik systematisch gedopt sowie Doping-Proben manipuliert wurden. Gegen den ehemaligen Präsidenten der IAAF, Lamine Diack, ermittelt die französische Justiz wegen Korruption und Geldwäsche.

          Schukow ist der Macher des russischen Sports. Nach dem als miserabel betrachteten Abschneiden der russischen Olympiamannschaft in Vancouver mit lediglich drei Goldmedaillen übernahm er die Vorbereitung der Spiele von Sotschi, die sich sein Land mehr als fünfzig Milliarden Dollar kosten ließ. Mit 13 Olympiasiegen und 33 Medaillen wurde Gastgeber Russland die Nummer eins im Medaillenspiegel. Als stellvertretender Ministerpräsident der Russischen Föderation war der Ökonom und Mathematiker Schukow lange verantwortlich für die Umsetzung von „Projekten Nationaler Priorität“ verantwortlich gewesen. Sotschi, das folgte, war vermutlich das wichtigste. Schukow hatte sich einst als Abgeordneter wählen lassen mit dem Slogan: „Ich habe genug verdient. Ich gehe nicht in die Duma, um zu stehlen.“

          Olympia im Visier: Hat Alexander Schukow auch die richtigen Pfeile im Köcher?

          Bach, der Präsident der IAAF, Sebastian Coe, sowie der Präsident der Wada, Craig Reedie, wiederholten ihren Plan, Doping-Kontrollen und die Sanktionierung von Verbänden auf eine externe Organisation zu übertragen, bevorzugt auf die Wada. Zu diesem Zweck macht sich Reedie nun daran, die schwache Vorstellung, die er persönlich im jüngsten Doping-Skandal gegeben hat, rhetorisch zu überspielen. Es stehe außer Frage, dass die Wada in den ersten 16 Jahren ihrer Existenz sich in einer Klasse über ihrem Gewicht geschlagen habe, sagte er. Es sei dennoch offensichtlich und ermutigend, dass die unabhängige Kommission, Wada und ihre Anteilseigner in der Überzeugung vereint seien, dass die Agentur ihren Herausforderungen gewachsen sei und größere Ressourcen brauche. Tatsächlich konstatiert der Bericht, dass schwache Führung Doping in diesem Maßstab ermöglicht habe. Dies könnte auch auf Reedie zutreffen.

          Kronzeugen aus dem russischen Doping-System wurden von Mitarbeitern der Wada wegen des Desinteresses ihres Präsidenten an den Doping-Spezialisten des Ersten Deutschen Fernsehens verwiesen, Hajo Seppelt. Während die Kommission unter der Führung seines Vorgängers Richard Pound den Fernsehbericht nachrecherchierte, schrieb Reedie eine Mail ans Büro von Mutko, in der er versicherte, kein Doping-Fall werde ihre Freundschaft beeinträchtigen können. Nun will er die Berücksichtigung von Kronzeugen stärken. Die Kommission wies geradezu auffordernd darauf hin, dass offenbar auch in anderen Sportarten und in anderen Ländern „orchestriert“gedopt und manipuliert werde. Noch hat dies keine Resonanz gefunden.

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