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Regina Halmich beendet ihre Karriere : Die Eltern konnten sie nie kämpfen sehen

  • -Aktualisiert am

Fröhlicher Blick in die Zukunft: Regina Halmich Bild: AP

Nachdem sie ihren WIBF-Titel im Fliegengewicht ein letztes Mal erfolgreich verteidigt hat, zieht sich Boxweltmeisterin Regina Halmich nun aus dem Sport zurück. Über ihre Gefühle nach ihrem letzten Kampf und ihre Zukunftspläne berichtet Arne Leyenberg.

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          Ihnen nachzueifern, war stets ihr Ziel. In der Stunde des Abschieds jedoch hatte Boxweltmeisterin Regina Halmich ihre männlichen Kollegen sogar überholt. Die 31 Jahre alte Karlsruherin trat Freitagnacht in ihrer Heimatstadt mit einem wenn auch denkbar knappen Punktsieg über die Israelin Hagar Shmoulefeld Finer von der Boxbühne ab. Etwas, das ihren Kollegen Henry Maske, Dariusz Michalczewski oder Axel Schulz verwehrt blieb. Sie alle hatten einst ihre Abschiedskämpfe verloren.

          Und hatte Maske 1996 beim zunächst letzten Gang aus dem Ring noch bittere Tränen geweint, blieb das vermeintlich schwache Geschlecht im Moment des Abschieds stark. Regina Halmich strahlte vor 7500 Zuschauern in der ausverkauften dm-Arena, nachdem sie dank der Punktwertungen von 97:94, 96:94 und 95:95 nach zehn Runden ihren WIBF-Titel im Fliegengewicht ein letztes Mal erfolgreich verteidigt hatte.

          „Man kann auch innerlich weinen“

          „Ich hatte schon mit meinen Gefühlen zu Kämpfen und es war sehr, sehr schwer. Aber man kann auch innerlich weinen“, erklärte die Weltmeisterin, die für den Fall einer Niederlage die Fortsetzung ihrer Karriere angekündigt hatte. Sie wollte nicht wie Henry Maske mit dem Trauma einer Niederlage zum Abschluss leben müssen - eines, gegen das man womöglich zehn Jahre später noch einmal ankämpfen müsse.

          Fröhlicher Blick in die Zukunft: Regina Halmich Bilderstrecke

          Das letzte Gefecht der ehemaligen Rechtsanwaltsgehilfin aus Karlsruhe kann stellvertretend für ihre gesamte Box-Karriere gelten. Denn auch bei ihrem Abschiedskampf teilte Regina Halmich aus und steckte ein, am Ende konnte sie sich glücklich schätzen, den Punktsieg zugesprochen bekommen zu haben. Das war schon mehrfach der Fall in ihren zwölf Jahren als Weltmeisterin im Fliegengewicht.

          „Ich habe keine Sekunde an mir gezweifelt“

          Die Punktrichter wollten der Grand Dame des Frauenboxens wohl nicht den Abschied verderben. Und die 23 Jahre alte Herausfordererin Hagar Shmoulefeld Finer wollte sich mit der ihr ursprünglich zugedachten Statistenrolle nicht zufrieden geben. So setzte sie der Weltmeisterin im Verlauf der zehn Runden ein ums andere Mal mächtig zu, in der neunten Runde wirkte Regina Halmich sogar angeschlagen. „Das waren keine Wirkungstreffer, ich habe keine Sekunde an mir gezweifelt. Aber diese Runde habe ich natürlich verloren“, gab Regina Halmich zu.

          „Es war eine Ehre für mich, Reginas letzte Gegnerin gewesen zu sein. Das war die beste Erfahrung meines Lebens. Ich wollte eine harte Gegnerin sein“, sagte Hagar Shmoulefeld Finer. Dieses Ziel hatte sie mit ihrem couragierten Auftritt im Ring erreicht.

          Ein Kampf für die Anerkennung des Frauenboxens

          Ein letztes Mal kämpfte Regina Halmich in Karlsruhe nicht nur um die Weltmeisterschaft - ihre 13 Jahre währende Karriere war auch immer ein Kampf für die Anerkennung des Frauenboxens. Mit ihrem Sieg zum Abschied, einer letzten Demonstration ihrer Willenskraft, überzeugte sie sogar Kritiker des Faustkampfs. Günther Oettinger, Ministerpräsident Baden-Württembergs, hatte sich unlängst erst über das Berufsboxen im Allgemeinen ereifert. Regina Halmich im Speziellen hatte es ihm aber angetan. Oettinger verfolgte den letzten Auftritt der Weltmeisterin nicht nur zusammen mit Fußball-Bundestrainer Joachim Löw live in einer VIP-Loge.

          Regina Halmichs Landsmänner erschienen nach dem Schlussgong sogar in der Kabine der soeben zurückgetretenen Boxerin und sprachen ihre Anerkennung aus. „Frau Halmich hat diese Sportart wie keine Zweite in Europa geprägt, sie hat Baden-Württemberg in der Welt bekannt gemacht“, sagte Oettinger. „Wenn man von Frauenboxen spricht, spricht man von Regina Halmich“, meinte Löw.

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