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Reaktion auf F.A.Z.-Text : Muskelspiele des Klitschko-Clans

  • -Aktualisiert am

Wladimir Klitschko macht mit Kubrat Pulew kurzen Prozess Bild: AP

Die F.A.Z. berichtete über fehlende Trainingskontrollen bei Wladimir Klitschko. Nach dieser Majestätsbeleidigung kommt der Autor nicht ungestraft davon. Er sieht den Kampf nur von einem Klappstuhl im Oberrang – mitten im Fanblock von Kubrat Pulew.

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          Es könnte sein, dass uns bei diesem Boxkampf das ein oder andere entgangen ist. Könnte sein, muss aber nicht. Aber wir haben auf jeden Fall eine Menge gelernt, und das geben wir an dieser Stelle gerne weiter. Zum Beispiel sind wir an diesem Abend in der Hamburger Arena der bulgarischen Seele ein gutes Stück näher gekommen, und das kam so:

          Am Samstag hatten wir in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und auf FAZ.NET einen Text über Schwergewichtsweltmeister Wladimir Klitschko veröffentlicht, in dem zu lesen war, dass er zwar für die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) wirbt, sich selbst aber keinerlei Trainingskontrollen unterzieht und sich lieber hinter dem Bund Deutscher Berufsboxer versteckt, der solche Tests nicht vorschreibt. Kubrat Pulew, sein bulgarischer Gegner, auch das stand im Text, findet das gar nicht lustig, weil er als Boxer des Berliner Sauerland-Stalls – wie jeder Spitzensportler, fast jeder, auch regelmäßig im Training kontrolliert wird und einer strengen Meldepflicht unterliegt.

          Das also war zu lesen, und Klitschkos Sprecher Lorenz Eichhorn hatte dazu einen Kommentar seines Chefs schroff verweigert. Majestätsbeleidigung – so etwas tut man nicht gegenüber dem Klitschko-Clan, nicht ungestraft jedenfalls. Machtdemonstrationen, Strafaktionen, Muskelspiele aller Art sind eine Spezialität des Hauses. Und so kommt es, dass wir in der Hamburger Arena beim WM-Kampf Klitschko gegen Pulew diesmal keinen hübschen Platz im Reporterbereich mit Tisch und Lämpchen am Ring beziehen, sondern einen Klappstuhl im Oberrang, da darf man keine Höhenangst haben, viertletzte Reihe, inmitten des bulgarischen Blocks.

          Drei ukrainische Reporter sitzen auch da, leider lässt sich angesichts unüberbrückbarer Sprachbarrieren nicht ergründen, warum auch sie in Ungnade gefallen sind. Aber mit den Bulgaren klappt die Verständigung ganz gut nach einer kurzen Aufwärmphase, ihren Kampfruf, der immer wieder durch die Halle dröhnt, verstehen wir schon nach kurzer Zeit, ein freundlicher Nachbar schreibt ihn uns auf den Zettel, leider kyrillisch, aber die englische Übersetzung gleich dazu: „bulgarian heroes!“.

          Und bei RTL-Sendebeginn – volles Programm!

          Dann steigt der Hamburger Rapper Jan Delay in den Ring und singt, und es ist wirklich erstaunlich, in den Gesichtern der bulgarischen Boxfreunde zu sehen, mit welch beeindruckender Langeweile man eine solche Darbietung verfolgen kann.

          Ganz oben. Schlecht ist das nicht, auch wenn man zum Ticket verständlicherweise kein Fernglas mitgeliefert bekam. Aber einen ganz anderen Blickwinkel. Man sieht zum Beispiel sehr schön, wie tot alles ist in der halben Stunde vor dem Beginn der Übertragung auf Klitschkos Haussender RTL. Man sieht, wie die gute Laune an- und ausgeknipst wird, je nach Bedarf. Aber bei Sendebeginn – volles Programm! Leider muss man sagen, dass zum Beispiel Klitschkos schöner Einspielfilm oben gar nicht richtig ankommt, zumindest nicht akustisch, weil die Bulgaren immer so laut drauf pfeifen. Aber wenigstens eine Film-Frage bekommt man mit: „Ist ein Boxer, der Vater wird, nicht automatisch auch verletzlich und schwach?“ Klitschko wird die Tage nämlich Vater, und die Antwort hätte einen schon interessiert, aber leider geht sie in bulgarischen Schmähungen unter.

          Wirklich gut verfolgen kann man den Kampf von einem Platz unter dem Dach nicht Bilderstrecke
          Wirklich gut verfolgen kann man den Kampf von einem Platz unter dem Dach nicht :

          Dann geht es los, und RTL, das muss man sagen, macht die Wundertüte ganz weit auf. Erst kommt, unter dem Jubel der Bulgaren, Pulew, und dann stolziert Klitschko im feuerroten Lichterschein und ebensolchem Bademantel in den Ring – halb Kasperletheater, halb Cirque du Soleil, wie das im Profiboxen so ist.

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