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Rassismus-Proteste in Amerika : Fußballer büßt für Ehefrau, Trump kritisiert Quarterback

  • Aktualisiert am

Kurskorrektur: NFL-Commissioner Roger Goodell gesteht einen falschen Umgang mit Protesten von Spielern ein. Bild: AP

Die Debatte im amerikanischen Sport um die Rassismus-Proteste geht weiter: Der Fußballklub L.A. Galaxy trennt sich von einem Profi wegen dessen Gattin. Die NFL räumt Fehler ein. Und auch Trump mischt sich wieder ein.

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          In der nordamerikanischen Major League Soccer (MLS) ist einem Fußballprofi das Verhalten seiner Gattin zum Verhängnis geworden. Der fünfmalige Meister Los Angeles Galaxy löste am Freitag den Vertrag mit dem serbischen Mittelfeldspieler Aleksandar Katai nach rassistischen Instagram-Posts seiner Ehefrau Tea auf.

          „Galaxy trennt sich in beiderseitigem Einvernehmen von Aleksander Katai“, hieß es kurz und knapp in einer Stellungnahme des Klubs. Katais Frau hatte unter anderem die Black-Lives-Matter-Bewegung in den Vereinigten Staaten verspottet. Die Einträge wurden auf öffentlichen Druck des Vereins mittlerweile wieder gelöscht.

          Spieler distanziert sich von Gattin

          „Galaxy steht entschieden gegen Rassismus jeglicher Art, gegen Rassismus, der Gewalt fordert oder die Bemühungen derjenigen herabsetzt, die sich für Gleichstellung engagiert“, teilte der Klub mit. Tea Katai hatte offenbar zu Gewalt gegen diejenigen aufgefordert, die derzeit in vielen US-Städten nach dem Tod George Floyds durch Polizeigewalt auf die Straße gehen.

          Aleksandar Katai entschuldigte sich für die „inakzeptablen“ Posts. „Ich teile diese Ansichten nicht, und sie werden in meiner Familie nicht toleriert“, schrieb der 29-Jährige bei Instagram. Am Donnerstag kam es dann zu einem Gespräch zwischen Spieler und Klub, am Ende steht nun dennoch die Trennung.

          NFL-Commissioner: „Wir haben falsch gelegen“

          NFL-Commissioner Roger Goodell hat den bisherigen Umgang der Liga mit den Spielerprotesten gegen Rassismus und Polizeigewalt als falsch bezeichnet. „Wir, die NFL, geben zu, dass wir in der Vergangenheit falsch gelegen haben. Wir haben unseren Spielern nicht zugehört und haben sie nicht ermutigt, sich zu äußern und friedlich zu protestieren", sagte Goodell in einer Videobotschaft, die über die sozialen Medien verbreitet wurde.

          Am Donnerstag hatten viele prominente Spieler, darunter Super-Bowl-Gewinner Patrick Mahomes, die NFL aufgefordert, endlich klar Stellung zu beziehen, Rassismus zu verurteilen und die Proteste zu unterstützen.

          Goodell war bereits früher für seinen Umgang mit Spielerprotesten kritisiert worden. 2016 war der frühere Quarterback Colin Kaepernick während der Nationalhymne, die vor jedem Spiel ertönt, auf die Knie gegangen und hatte so gegen den Alltagsrassismus protestiert. Damals war Goodell noch dem amerikanischen Präsident Donald Trump gefolgt, der nach wie vor fordert, dass die Spieler während der Hymne stehen sollten. „Es ist eine schwere Zeit für unser Land, speziell für die schwarzen Menschen in unserem Land. Wir, die NFL, verurteilen den Rassismus und die systematische Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung“, so Goodell. „Ich persönlich protestiere mit euch und möchte Teil des dringend nötigen Wandels in unserem Land sein“, so der 61-Jährige.

          Die NFL kämpft schon lange gegen Rassismusvorwürfe, viele der Teameigentümer unterstützen Präsident Trump, der die Spielerproteste immer wieder kritisiert.

          Trump kritisiert Brees

          Donald Trump hat NFL-Quarterback Drew Brees dafür kritisiert, seine umstrittenen Aussagen über Proteste von Football-Spielern während der Hymne zurückzunehmen. „Ich denke, er ist wirklich einer der größten Quarterbacks, aber er hätte seine ursprüngliche Haltung über das Ehren unserer wunderschönen amerikanischen Flagge nicht zurücknehmen sollen“, twitterte Trump am Freitag (Ortszeit) und fügte hinzu: „Wir sollten dabei aufrecht stehen, idealerweise salutieren oder die Hand aufs Herz legen. Es gibt andere Dinge, gegen die man protestieren kann, aber nicht gegen unsere großartige amerikanische Flagge - UND KEIN KNIEEN.“

          Der 41 Jahre alte Brees, sportlich unumstrittener Spielmacher bei den New Orleans Saints, hatte in einem Interview die Proteste des NFL-Spielers Colin Kaepernick kritisiert. Dieser war unter anderem in der Saison 2016/17 aus Protest gegen Rassismus und Polizeigewalt beim Abspielen der Nationalhymne auf die Knie gegangen. „Ich werde nie einer Meinung sein mit jemandem, der respektlos gegenüber der Flagge der Vereinigten Staaten von Amerika oder unserem Land ist“, hatte Brees gesagt. Trump hatte Kaepernick für dessen Hinknieen damals als „Hurensohn“ beschimpft.

          Nach der massiven Kritik an seinen Aussagen entschuldigte sich Brees schriftlich und dann auch noch in einem Video. „Ich möchte, dass ihr in meinen Augen seht, wie leid mir das tut“, sagte Brees. „Ich weiß, dass das viele Menschen verletzt hat.“ Es tue ihm leid. „Ich werde es besser machen. Ich bin Teil der Lösung und ich bin euer Verbündeter“, sagte Brees.

          Jordan will 100 Millionen Dollar spenden

          Konstruktiv agiert derweil Basketball-Legende Michael Jordan: er will in den kommenden zehn Jahren mit einer Spende über insgesamt 100 Millionen Dollar (rund 88 Millionen Euro) den Kampf gegen den Rassismus vorantreiben. Das Geld solle an Organisationen fließen, die sich für Gleichheit, soziale Gerechtigkeit und Bildungschancen einsetzten, hieß es in einem Statement von Jordans Sprecherin am Freitag.

          Der 57 Jahre alte Jordan hatte sich bereits zuvor „traurig, wirklich gequält und einfach wütend“ über den brutalen Tod des Afroamerikaners George Floyd in Minneapolis gezeigt.

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