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Groß-Rekord von 1984 gebrochen : Klenz macht den Albatros

  • -Aktualisiert am

Auf den Spuren von Michael Groß: Ramon Klenz fliegt übers Wasser Bild: dpa

1986 ist Michael Groß einen Delphin-Rekord fast für die Ewigkeit geschwommen: Ramon Klenz unterbietet nun die 32 Jahre alte Bestmarke. Und ist dennoch weit entfernt von der Weltspitze.

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          1986 – Argentinien wurde zum bisher letzten Mal Weltmeister, Boris Becker zum zweiten Mal Wimbledonsieger – und bei den deutschen Schwimm-Meisterschaften in Hannover schmetterte Michael Groß einen deutschen Rekord über 200 Meter Delphin ins Becken, an dem sich seit 32 Jahren zahlreiche Schwimmer hierzulande abgearbeitet haben: 1:56,24 Minuten. 1998, zwölf Jahre nach den Meisterschaften von Hannover, wurde Ramon Klenz geboren. Rennen von Michael Groß? Hat sich Klenz nie angeschaut. Zu lange her, die Erfolge von dem, den sie „Albatross“ nannten. Michael Phelps, Chad le Clos, das sind die Schwimmer, deren Rennen er googelt, auf Youtube anschaut.

          Und doch war diese Bestmarke für Klenz mehr als nur ein entferntes Ziel, sie war eine jährliche Erinnerung daran, wie schwer es für ihn werden würde, sich für die Nationalmannschaft zu empfehlen. Seit der Deutsche Schwimm-Verband nach den Spielen von Rio 2016 seinen Schwimmern neue Normen auferlegt hat, war da diese Hürde, die ob der internationalen Konkurrenz – die Normen orientieren sich an der Zeit des Achtplazierten im Olympia-Finale – so unerreichbar schien, dass selbst sein Trainer Veith Siebert noch vor wenigen Wochen sagte: „Dafür muss er den Groß machen. Wie soll er das schaffen?“

          Das war bei den German Open Ende April in Berlin. Jenem Wettbewerb, nachdem die Tür zur EM in Glasgow geschlossen wurde. Klenz war Bestzeit geschwommen, lag aber mit 1:57,90 Minuten immer noch weit über der Norm von 1:56,03 Minuten. Wie also sollte er das schaffen? „Die ersten zwei Bahnen rutschen, auf der dritten aufdrehen und auf der vierten beißen“, so beschreibt es der auch Stunden nach dem Rennen noch ziemlich verdutzte Schwimmer selbst.

          Trotzdem weit weg von der Weltspitze

          Klenz ist diese Aufmerksamkeit nicht gewohnt. Dass er der Sohn der Olympia-Vierten Sabine Krauß und der Neffe von Staffeleuropameister Stefan Herbst ist, wissen nicht viele. Am Stützpunkt in Hamburg, an den er 2013 aus Leipzig gewechselt war, schwamm er im Schatten der Deibler-Brüder Markus und Steffen, später im Schatten von Jacob Heidtmann. Zunächst Trainingspartner von 400-Lagen-Ass Heidtmann, konzentrierte sich Klenz ab 2017 auf die 200 Meter Schmetterling. Und damit darauf, irgendwann diesen Uralt-Rekord zu brechen. Am Donnerstagabend war es so weit.

          Geschafft: Ramon Klenz bricht den Rekord
          Geschafft: Ramon Klenz bricht den Rekord : Bild: dpa

          Groß gratulierte aus der Ferne: „Es wurde ja auch langsam mal Zeit“, sagte der 54-Jährige dieser Zeitung. „Ich freue mich vor allem, weil ja alle in dem Finale offenbar ganz gut unterwegs waren und sich nun endlich wieder ein paar Pflänzchen auf der Strecke entwickeln.“ Groß erinnerte daran, wie lange dieser Rekord Bestand hatte: „Wenn ich zu meinen Anfängen so lange hätte zurückschauen müssen, dann wäre ich im Jahr 1948 gelandet.“

          Nun ist diese Zeit von 1:55,76 Minuten nicht auf Weltmeister- oder Olympiasieger-Niveau. Der Weltrekord ist vier Sekunden entfernt, international wird Klenz damit in diesem Jahr bisher auf Platz elf geführt. Auf europäischer Ebene aber waren nur zwei Schwimmer schneller als Klenz, der sich nun auch über eine nachträgliche Nominierung für Glasgow freuen darf: „Der Bundestrainer hat mich schon nach meiner Badehosengröße gefragt“, sagt Klenz und grinst: „Eigentlich hatte ich natürlich schon was vor, aber nichts, was man nicht noch ändern kann.“

          Henning Lambertz selbst hatte vor einigen Wochen eine Hintertür ins EM-Team aufgemacht, dabei allerdings wohl nur Marco Koch, den Weltmeister von 2015, im Kopf gehabt, der sich bisher ebenfalls nicht regulär empfehlen konnte und am heutigen Samstag seine letzte Chance nutzen will. Ramon Klenz hat genau das getan. Er ist der erste Deutsche, der die 200 Meter Schmetterling unter 1:56 Minuten hingelegt hat. Das wird ihm niemand nehmen, auch in 32 Jahren nicht.

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