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Rafael Nadal : Onkel Toni plaudert aus dem Nähkästchen

Zuspieler: Toni Nadal beim Training mit seinem Neffen Rafael in Paris Bild: Imago

Starallüren erträgt er nicht: Der Trainer von Rafael Nadal erzählt, wie er den Rechtshänder dazu brachte, mit links zu spielen. Und warum für ihn die Karriere seines Neffen noch lange nicht beendet ist.

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          Wenn von Onkel Toni die Rede ist, dann weiß jeder in der Tennisszene sofort, wer gemeint ist. Onkel Toni, das klingt gemütlich, und der Mann, der da vor Tennistrainern bei ihrer Fortbildungsveranstaltung der Global Professional Tennis Coach Association (GPTCA) sitzt und aus dem Nähkästchen plaudert, wirkt ja trotz aller Erfolge nicht nur unglaublich geerdet, sondern auch ungemein freundlich. Täuschen lassen sollte man sich davon nicht. „Zu Fremden ist er ungemein zugänglich. Aber gegenüber allen, die ihm nahestehen, kann er launisch und mürrisch sein. Er ist ein Moralist mit festen Ansichten, der immer zu Kontroversen bereit ist“, schreibt so Rafael Nadal in seiner lesenswerten Autobiographie „Rafa - Mein Weg an die Spitze“.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Wie das so gewesen sein muss damals in Manacor, als der kleine Rafael im Alter von vier Jahren bei seinem Onkel mit dem Tennisspielen begann, davon bekommt man eine Ahnung, wenn man Onkel Toni zuhört. „Eltern stellen ihre Kinder zu sehr in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, heben sie auf ein Podest. Sie glauben dann schon, etwas Besonderes zu sein, ohne etwas Besonderes geleistet zu haben“, sagt Toni Nadal, und so mancher der angehenden Profitrainer wird dieses Phänomen aus eigener Erfahrung kennen.

          Dass deutschen Jugendlichen, sobald sie irgendwo ein kleines Turnier gewonnen haben, zu früh zu heftig auf die Schulter geklopft wird, hat der deutsche GPTCA-Präsident Alexander Waske kürzlich in einem F.A.Z.-Interview erst beklagt. Im Hause Nadal gab es diese Gefahr wohl eher nicht. Den ersten Erfolgen des aufstrebenden Rafael wurde nämlich keine besondere Bedeutung geschenkt. „Ich hätte es nie ertragen können, wenn mein Neffe Starallüren entwickelt hätte“ sagt Onkel Toni.

          Mann mit festen Ansichten

          Es ist amüsant, ihm zuzuhören, auch wenn der Weg der beiden an die Spitze kaum als Blaupause dienen kann. Rafael Nadal hat in seiner Tenniskarriere schließlich genau einen Trainer gehabt - das unterscheidet ihn schon einmal von allen anderen Kollegen. Und auch der Respekt vor diesem Coach ist ungewöhnlich groß. „Ich würde Rafael niemals die Tasche mit seinen Schlägern tragen, das ist undenkbar. Ich sehe natürlich, dass andere das machen, aber das geht eigentlich nicht“, sagt Toni Nadal, der Mann mit den festen Ansichten.

          Beschimpfungen seines Spielers, die mancher Trainer in der Hektik einer Partie mitunter aushalten muss, würde es mit ihm genau einmal geben: „Ich würde aufstehen und gehen“, sagt er. Warum andere das mit sich machen lassen, weiß er natürlich auch. „Im Tennis ist der Spieler dein Arbeitgeber, und dem sagst du eben nicht immer deine Meinung.“

          Toni Nadal wirbt für mehr Respekt vor dem Trainer, und mit seinem Engagement für die GPTCA will er auch helfen, dass die Kollegen - die er auch so behandelt - Anfängerfehler vermeiden. „Ich weiß heute natürlich mehr über Tennis als zu Beginn“, sagt er. Manchmal aber ist es auch gut, nicht alles zu wissen. Das ist nicht nur in Westernfilmen so. Wie die meisten Kinder schlug Rafael die Vor- und Rückhand zu Beginn beidhändig. „Kein Weltklassespieler spielt so“, fand Onkel Toni damals, und bei der Suche nach der richtigen Hand fiel die Wahl auf die linke, weil der kleine Rafael beim Fußball den linken Fuß bevorzugte. „Das ist der einzige Grund“, sagt Toni und widerspricht damit der Legende, dies sei ein genialer Schachzug von ihm gewesen, um der Rückhand seines Neffen dank der vermeintlich stärkeren Führungshand mehr Durchschlagkraft zu verleihen. Rafael Nadal ist nämlich Rechtshänder.

          Er will nicht als strenger Trainer gelten

          Und auch das wird Trainer, aber auch die manchmal zu ehrgeizigen Eltern unangemessen antreiben: Viel Übung hilft manchmal auch viel. „Den Aufschlag haben wir Rafael zu Beginn mit der linken und der rechten Hand trainieren lassen. Er konnte beides nicht“, sagt Onkel Toni, der nicht gelten lassen will, dass er als strenger Trainer gilt. „Ich war so zu Rafael, weil er ein besonderer Junge war, ein sehr folgsamer Schüler.“ Dass der Neffe dem Onkel so aufmerksam zuhörte, ist nicht verwunderlich, glaubte er doch lange, dieser Onkel Toni sei ein Art „Superman“, der die Tour de France mehrfach gewonnen hat, ein erfolgreicher Fußballprofi in Italien war und der sogar Regen machen könnte.

          Ein wenig von dem Zauber könnte Rafael Nadal jetzt gebrauchen, denn seit seinem Aus in der zweiten Runden in Wimbledon muss er mit einer komplizierten Knieverletzung pausieren. „Sobald jemand prominent ist, gibt es immer viele Interessen und viele, die mitreden“, sagt Toni Nadal, „aber wir haben uns entschlossen, das gründlich ausheilen zu lassen.“ Das dauere nun zwar länger, als die Ärzte vorhergesagt hätten, aber Angst vor dem Ende der Karriere des Neffen habe er nie gehabt. „Wir wissen, was es ist, und wir wissen, wie wir damit umgehen müssen.“

          Erst mit rechts, dann mit links - Rafael Nadal

          In wenigen Tagen will Rafael Nadal wieder mit dem Training beginnen, doch dass daraus gleich die Botschaft gemacht wurde, er würde möglicherweise beim ATP-Finalturnier der acht besten Profis im November in London an den Start gehen und danach mit Spanien auch noch im Finale des Davis-Cup-Wettbewerbes antreten, kommentiert Toni Nadal nur mit einem Schulterzucken. „Gleich gegen die besten Spieler der Welt anzutreten, wäre ebenso wenig eine gute Idee wie Fünfsatzspiele im Davis Cup“, sagt er und fügt hinzu: „Wenn ich Davis-Cup-Kapitän wäre, würde ich sagen, dass Spanien momentan bessere Spieler hat als Rafael.“ Und bei aller Freundlichkeit klang das ganz so, als würde Onkel Toni da keinen Widerspruch erwarten. Was der bekennende Fan des FC Barcelona dagegen duldet, ist die Vorliebe seines Neffen für Real Madrid: „Er weiß ganz viel über Tennis. Nur vom Fußball hat er keine Ahnung.“

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