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Rafael Nadal : Eine Eins mit vielen Nullen

  • -Aktualisiert am

Rafael Nadal wird das Jahr als Nummer eins der Tenniswelt beenden Bild: dpa

Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Rafael Nadal spielt in diesem Jahr in seiner eigenen Tennisliga. Nur Onkel Toni auf der Tribüne sorgt für Misstöne bei der WM in London.

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          Er sah aus wie ein Mann von Welt. Blauer Anzug, lässig geknoteter Schal, Lederjacke über dem Arm, so präsentierte sich Rafael Nadal an der Stamford Bridge beim Spiel der Champions League zwischen dem FC Chelsea und Schalke 04. Fußball spielt in seinem Leben nach wie vor eine große Rolle, und so war es passend, dass er Tennis und Fußball in einem Satz verband und feststellte: „Ich bin der Champion der Tennisliga.“

          Das ist er in der Tat. Seit seinem Sieg beim ATP-Finale über den stark spielenden Schweizer Stanislas Wawrinka steht fest, dass er das Tennisjahr 2013 als Nummer eins der Weltrangliste beenden wird. Vor ein paar Tagen hatte er noch behauptet, das habe er ja schon zweimal erlebt, und es käme ihm nicht mehr so sehr darauf an, der Primus zu sein. Aber seine Reaktion nach dem Spiel gegen Wawrinka zeigte, dass er mal wieder maßlos untertrieben hatte. Mit seinem Freudenschrei hätte er sich selbst im Stadion an der Stamford Bridge verständlich gemacht.

          Jeder Spieler, der je die Nummer eins des Tennis wurde, erinnert sich später an diesen Moment, in dem er das Gefühl hatte, König der Welt zu sein. Aber dass es dennoch einen Unterschied macht, den Gipfel während der Saison zu erklimmen, oder in der letzten Wertung eines Jahres oben zu stehen, das gibt auch Nadal zu:

          „Am Ende die Nummer eins zu sein - das ist die wahre Geschichte. Und nach allem, was in diesem Jahr passiert ist, finde ich, dass ich das verdient habe.“ Es gab seit Einführung der Computer-Weltrangliste 1973 noch nie einen Spieler, dem es gelang, die Position eins zum Jahresende zweimal zurückzuerobern. Nach 2008 und 2010 steht 2013 nun für die nächsten großen Errungenschaften in der Karriere des unvergleichlichen Spaniers.

          „Er spielt einfach ganz normal weiter“

          Während des ATP-Finales 2012 hatte er daheim auf Mallorca gesessen, schweren Herzens und voller Sorgen, ob das lädierte Knie jemals wieder die Belastung von regelmäßigem Training und eisenharten Spielen aushalten würde. Nicht in seinen kühnsten Träumen hätte er sich vorstellen können, nach seiner Rückkehr in 16 Turnieren 13 Mal das Finale zu erreichen und zehn Titel zu gewinnen, darunter zwei bei Grand-Slam-Turnieren.

          Geschweige denn, zum dritten Mal wieder gefühlt und nominell der Beste zu sein. Und das, wie er anmerkte, mit null Punkten bei den Australian Open zu Beginn des Jahres (da war er noch verletzt), null Punkten beim großen Turnier in Miami und null Punkten in Wimbledon - nach einer Niederlage in der ersten Runde gegen den Belgier Steve Darcis. „Ziemlich viele Nullen für eine Nummer eins“, findet er.

          Gut gelaunt beim Fußball: Nadal zu Besuch bei Chelsea
          Gut gelaunt beim Fußball: Nadal zu Besuch bei Chelsea : Bild: AFP

          Es gibt eine Menge Gründe, weshalb es so schwer ist, diesen Mann zu besiegen. Einen davon beschrieb Wawrinka, der trotz seines bisher besten Spiels gegen den Spanier im zwölften Versuch zum zwölften Mal verlor. „Wenn es wichtig wird, dann spielt er einfach ganz normal weiter.“ Normal heißt: Mit aller Leidenschaft, mit aller Konsequenz, mit allem, was sein strapazierter Körper hergibt, auf nichts anderes konzentriert als den nächsten Ball.

          Aber Wawrinka nahm sich auch die Freiheit, auf sattsam bekannte Nebengeräusche hinzuweisen. Während des Spiels forderte er den Stuhl-Schiedsrichter auf, des Gegners wichtigsten Mann auf der Tribüne wegen unerlaubten Coachings konsequent zu verwarnen. Seit Jahren wissen alle, dass der sich nicht an die Regel hält. Wawrinka wurde es nun zu bunt. „Hör doch mal auf damit“, rief er Toni Nadal zu, „ich versteh’ ja jedes Wort.“

          Toni auf der Tribüne, Rafael auf dem Platz

          Das wiederum bekam der Neffe mit, der umgehend beim Schweizer für das Verhalten des Onkels um Entschuldigung bat und die Bitte später dreimal wiederholte. Der Onkel macht allerdings kein Hehl daraus, was er auf der Tribüne immer wieder treibt: Er findet, es sei längst überfällig, die Regeln zu ändern und Hilfen der Trainer offiziell zuzulassen. Darauf deutet im Moment nichts hin, und solange spielen die Nadals in ihrer eigenen Liga - Toni auf der Tribüne und Rafael in seinem Reich auf dem Platz. An diesem Freitag (21.00 Uhr) wartet Tomas Berdych im letzten Gruppenspiel auf Nadal.

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