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Radsport : Zabel sitzt wieder fest im Sattel

  • -Aktualisiert am

Sein Zabel zählt noch was Bild: ddp

Kein Pfiff, kein Buhruf - Erik Zabel genießt den Applaus: Der geständige Doping-Sünder hat unter großem Beifall die Bayern-Rundfahrt in Angriff genommen. Er wolle „den Kopf frei kriegen“, sagte der Star des Pelotons.

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          Es gab natürlich diese Ungewissheit vor dem ersten Auftritt, vor der Reaktion der Öffentlichkeit. Als aber Erik Zabel zur Team-Präsentation für die Bayern-Rundfahrt am Dienstagabend erschien, kurz nachdem ihm sein Rennstall Milram die Starterlaubnis erteilt hatte, wusste er schnell, dass zumindest diese eine Sorge unbegründet war. Seine Doping-Beichte hat den 36 Jahre alten Sprintspezialisten aus Unna keine Sympathien gekostet.

          Im Gegenteil: Vermutlich hat er durch sein Geständnis unter Tränen sogar noch welche dazugewonnen. Zabel wurde im Kongresshaus von Garmisch-Partenkirchen frenetisch gefeiert, es gab stehend dargebrachte Ovationen für den bisher einzigen aktiven deutschen Rad-Profi, der die Einnahme des Blutdoping-Mittels Epo eingeräumt hat.

          Der Star im Peloton

          Natürlich ist Zabel der erfolgreichste Profi der Bayern-Rundfahrt, der Star im Peloton. Aber nicht nur deshalb wurde er umjubelt, der Applaus war vor allem als Aufmunterung, als Zuspruch zu verstehen. Auch am Mittwochvormittag, als Zabel an den Start zur ersten Etappe der Fünftagestour über 765 Kilometer quer durch Bayern ging, war kein Pfiff, kein Buhruf, kein verächtlicher Zuruf zu vernehmen. Seine Unterschrift war bei den Autogrammjägern begehrt wie eh und je.

          Radsport : Zabel sitzt wieder fest im Sattel

          Zabel gab zu, dass er zuletzt nicht viel an sportliche Herausforderungen gedacht hat. Er habe „in alle Richtungen überlegt“, auch daran, seine Karriere sofort zu beenden. Nun müsse er erst einmal sehen, „dass ich den Kopf frei kriege, denn bisher hatte ich ja andere Sorgen“. Richtig gut ist ihm das auf den 211 Kilometern von Garmisch-Partenkirchen nach Gundelfingen noch nicht gelungen, er musste sich mit Rang vier begnügen. Andre Schulz (Niesky) vom Wiesenhof-Team gewann die Auftaktetappe.

          Das Wort „Doping“ wird vermieden

          „So dünn“, sagt Rundfahrt-Organisator Ewald Strohmeier, sei das Interesse schon lange nicht mehr gewesen am Start. Aber er ist sich sicher, dass dies nichts mit einem Imageschaden zu tun habe. Er sieht die Zukunft der Rundfahrt jedenfalls nicht in Gefahr. Auch die Sponsoren, sagt Strohmeier, hätten bisher noch keine negativen Signale gesendet. Er hat ebenso wie seine Mannschaft von den Rundfahrt-Organisatoren vor dem Start vermieden, das Wort Doping in den Mund zu nehmen. Es wurde deshalb nur von „schweren Zeiten“ gesprochen oder von „chaotischen Tagen“.

          Die eher geringe Resonanz rund um den Richard-Strauss-Platz war tatsächlich wohl eher auf die unangenehm kühlen Temperaturen im Werdenfelser Land zurückzuführen als auf die Dopinggeständnisse der vergangenen Tage. Der Reporter eines Radiosenders suchte jedenfalls vergeblich, den Zuschauern kritische Stimmen zu entlocken. Jeder habe eine zweite Chance verdient, hieß es. Oder aber, dass es in anderen Sportarten ja auch nicht sauberer zugehe.

          Scharping freut sich für Zabel

          Die positive Reaktion der Öffentlichkeit hatte am Dienstagabend schon Rudolf Scharping lobend hervorgehoben. „Es ist ein schönes Signal, dass ein so erfolgreicher und sympathischer Sportler wie Zabel nicht plattgemacht wird“, hatte der Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer gesagt.

          Scharping scheint seine Rolle in dem traurigen Doping-Schauspiel noch nicht gefunden zu haben. Einerseits hat er in Garmisch-Partenkirchen angekündigt, es werde „ohne Rücksicht auf Namen und Ansehen der Personen aufgedeckt und nichts vertuscht. Am Ende wird es ein Selbstreinigungsprozess werden.“ Andererseits tritt er als Fürsprecher auf - wie bei Zabel -, oder aber gar als Beschützer - bei allzu hartnäckigen Nachfragen.

          Voigt kümmert sich um die Hotels

          Jens Voigt wollte partout nichts sagen über die aktuellen Fälle in seinem Team CSC, weder über Ivan Basso, seinen geständigen und auf Milde hoffenden Kollegen, noch über seinen Chef Bjarne Riis, der ebenfalls zur Riege der geständigen Epo-Sünder gehört. Er sei als Sprecher der internationalen Fahrervereinigung kein „Seelsorger“, ließ er wissen. Seine Aufgabe sei es vielmehr, sich um die besten Hotels zu kümmern. Als sich ein Journalist mit den ausweichenden Antworten des Berliners nicht zufriedengeben wollte, brach Scharping die Fragestunde ab. Der BDR-Chef sprach von einem „Seelen-Striptease“, dem Radsportler im Moment ausgesetzt seien .

          Voigt hatte in den vergangenen Jahren wenig Berührungsängste beim Thema Doping. Aber jetzt, nach den Enthüllungen der vergangenen Woche, weiß er offenbar nicht mehr, wie er damit umgehen soll - zumal er sich angefeindet fühlt. „Ich komme mir vor wie auf dem Schlachtfeld, von allen Seiten wird auf mich geschossen.“ Er versucht sich deshalb, herauszuhalten. Dass Zabel eine vorläufige Fahrerlaubnis erhalten hat, begrüßt Voigt vorsichtig. „Wenn die Entscheidung für Milram tragbar ist, ist sie es auch für mich.“

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