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Radsport : Wegmann gewinnt, das Dopingprobleme bleibt

  • -Aktualisiert am

Sieger in Frankfurt: Fabian Wegmann gewinnt im Sprint Bild: AP

Fabian Wegmann hat den Frankfurt-Eschborn City Loop gewonnen. Der deutsche Meister siegte im Sprint beim 1. Mai-Klassiker, der bislang unter dem Namen Rund um den Henninger-Turm firmierte. Das Dopingproblem beherrscht dennoch weiter den Radsport.

          Radsport ist Volksfest, Radsport ist Volksbewegung mit allerlei Vergnügungen. Das war beispielsweise am Freitag so beim Radrennen Eschborn-Frankfurt City Loop. Früher hieß es „Rund um den Henninger Turm“, manches ändert sich ja doch im Radsport. Immerhin, das hessische Spektakel blieb ein Zuschauermagnet, trotz der neuen Nachrichten aus der dunklen Welt des Radsports. Es scheint unverwüstlich zu sein, offenbar ist es noch nicht einmal einzudämmen.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Die jüngsten Meldungen legen sogar die Vermutung nahe, dass es in Deutschland nicht nur bei einem Rennstall, bei T-Mobile, systematischen Betrug gegeben haben könnte. Manipulation auf breiter Basis auch beim Team Gerolsteiner, das im Vorjahr im Sog der Dopingskandale untergegangen ist? Natürlich gibt es prompt Dementis, trotz der Enthüllungen über Stefan Schumacher und Bernhard Kohl und Davide Rebellin. „Das ist definitiv falsch“, sagt der deutsche Meister Fabian Wegmann, der jetzt für das Team Milram fährt und sich sowie seiner Equipe mit dem Sieg am Freitag in Frankfurt eine gewisse Erleichterung verschaffte. Das Team war den Erwartungen bisher nicht gerecht geworden, da kam Wegmanns Coup gerade recht. Wegmann, zu Tränen gerührt, gewann im Spurt vor dem Niederländer Karsten Kroon und seinem Teamgefährten Christian Knees.

          „Individualzellen“ außerhalb des Teams Gerolsteiner?

          Wie Wegmann haben mehrere Profis vom ehemaligen Team Gerolsteiner eine neue sportliche Heimat beim Team Milram gefunden. Dass seine frühere Mannschaft mit möglicherweise flächendeckendem Doping in Verbindung gebracht werde, ärgere ihn enorm, sagt Wegmann. „Das macht es mir nicht einfacher, den Sport ausüben.“ Dazu kommt, dass sich nun auch das Team Milram Fragen zu einigen seiner neuen Fahrer stellen muss. Man könne ihm trauen, behauptet Wegmann, „mit Sicherheit“. Der niederländische Teamchef von Milram, Gerry van Gerwen, sagt, dass es eine „klare Linie“ in Sachen Anti-Doping-Bestimmungen gebe. Jeder Profi habe „unheimlich viele Papiere“ unterschrieben, „das muss reichen“.

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          Natürlich setzt sich auch Hans-Michael Holczer, der das Team Gerolsteiner geleitet hatte, zur Wehr. Er sagt: „Bei uns hat es kein organisiertes Doping gegeben.“ Er spricht von „Individualzellen“ außerhalb des Teams. Gegen Schumacher, der schon bei der Tour de France im Juli 2008 der Einnahme des Blutdopingmittels Cera überführt worden war und daraufhin zwei Jahre gesperrt wurde, geht er per Klage vor: Holczer fordert einen Teil des Gehalts für den Nürtinger zurück. Auch gegen den Italiener Rebellin, der - wie Schumacher - bei den Olympischen Spielen in Peking positiv auf Cera getestet wurde, wird er womöglich juristische Schritte einleiten. Damit will Holczer dokumentieren, dass „ich mit diesen Leuten nicht kollaboriert habe“. In der Causa Rebellin untersuchte die italienische Polizei inzwischen das Haus des Italieners sowie jenes seiner Schwiegereltern. Das berichtete die Zeitung „Gazzetta dello Sport“.

          Schumacher streitet weiter ab

          Bei Rebellin sollen Arzneimittel beschlagnahmt worden sein. Zudem hat es angeblich bei dem Arzt Enrico Lazzaro eine Razzia gegeben. Lazzaro war im Zusammenhang mit Doping-Ermittlungen im Jahr 2001 für 14 Monate die Lizenz entzogen worden. Rebellin soll damals mit Lazzaro kooperiert haben, ihm war vorgehalten worden, sich auf diesem Weg Epo und Testosteron besorgt zu haben. Der Radrennfahrer wurde jedoch nie verurteilt. Nun eröffnete die Staatsanwaltschaft in Padua ein Ermittlungsverfahren gegen Rebellin. Die Antidopingkommission des Nationalen Olympischen Komitees Italiens will Rebellin, der die Analyse der B-Probe verlangt hat, Anfang Juni anhören.

          Der Olympia-Zweite bestreitet Doping, Schumacher hat dies ebenfalls immer wieder getan. Sein Anwalt Michael Lehner bleibt, trotz des schwerwiegenden olympischen Nachhalls, scheinbar gelassen. „Ich sehe da keine neue Qualität.“ Er will nun Akten vom Bund Deutscher Radfahrer (BDR) anfordern. Offensichtlich möchte Lehner die These überprüfen lassen, dass in Peking bei Schumacher Cera-Spuren von der Tour aufgespürt worden sein könnten. Der Nürnberger Mediziner Fritz Sörgel glaubt allerdings, dass der Unterschied zwischen einer „alten“ und einer frischen Cera-Dosis kaum festgestellt werden könne. „Das ist extrem schwierig.“

          Scharping: „Ich glaube, er wird nie mehr Radrennen fahren“

          Schumacher hatte im olympischen Straßenrennen aufgeben, im Zeitfahren war er lediglich Dreizehnter geworden. Experten sagen auf alle Fälle, dass Cera, das bei der Tour de France benutzt wurde, bei den darauffolgenden Spielen in Peking zwar noch nachweisbar gewesen sein könnte, aber kaum noch leistungssteigernd gewirkt hätte. Andererseits, heißt es, könnte Cera-Doping in Peking wegen der dort herrschenden schwierigen klimatischen Bedingungen möglicherweise nicht den erhofften Effekt gehabt haben.

          Der BDR will, sollten sich die Anschuldigungen gegen Schumacher bestätigen, mit aller Härte gegen den vermeintlich unverbesserlichen Schwaben vorgehen. „Ich glaube, er wird nie mehr Radrennen fahren. Wir werden die volle Bandbreite ausschöpfen: lebenslanger Ausschluss aus dem BDR, Schadensersatzklage und Strafanzeige gegen die Hintermänner“, sagte BDR-Präsident Rudolf Scharping am Freitag in Frankfurt.

          Auch die Organisatoren des Giro d'Italia, der am kommenden Wochenende beginnt, reagieren auf die aktuellen Dopingaffären: Sie kündigten eine Ausweitung der Dopingkrontrollen an. Erstmals soll nun auch nach dem Präparat Cera gefahndet werden. Und auch in Italien wird an den Strecken wieder kräftig gejubelt werden.

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