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Radsport : Vier Tage für die Zukunft der Deutschland-Tour

  • -Aktualisiert am

Radeln für die Zukunft der Deutschland-Tour: Emanuel Buchmann und seine Kollegen betreiben auch Werbung. Bild: dpa

Im Fahrerfeld tummelt sich einige Prominenz. Die Deutschland-Tour hat aber auch noch mit Akzeptanzproblemen zu kämpfen. Die Organisatoren bauen auf eine langfristige Strategie.

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          Es hat sich doch noch eine erkleckliche Menschenmenge vor dem Neuen Rathaus in Hannover versammelt. Alle 132 Radprofis radeln am Mittwochabend bei der Teampräsentation nacheinander die Rampe hinauf vor der Kulisse des historischen Prachtbaus, lächeln, winken, bekräftigen am Mikrofon ihre Vorfreude auf vier Renntage durch vier Bundesländer in Ost und West. Einen Tag später und 167 Kilometer weiter südöstlich reißt Pascal Ackermann die Arme in die Höhe und brüllt seine Freude heraus. Mit einem imposanten Sprint gewinnt der Pfälzer in Halberstadt die erste Etappe der Deutschland-Tour und schlüpft bei erster Gelegenheit ins Rote Trikot des Gesamtführenden.

          „Es war ein verdammt harter Sprint, mein Team hat einen super Job gemacht“, sagt Ackermann. Mit dem Erfolg hat der zweimalige Etappensieger des Giro d’Italia sein Ziel bereits erreicht. „Jetzt schauen wir von Tag zu Tag und wollen richtig Spaß haben“, sagt der Profi vom Team Bora-hansgrohe.

          Spaß und vor allem dauerhaften Erfolg – dieses Ziel hat sich auch die Amaury Sport Organisation (Aso) gesetzt. Es brauchte einen französischen Vermarktungs-Multi, der antritt, die hiesige Zuneigung zum Radsport zu mehren. Das hat im Vorjahr schon gut funktioniert, als Zehntausende die Strecken der von der Aso wiederbelebten Deutschland-Tour säumten. Und das wird auch bei der zweiten Ausgabe nach zuvor zehnjähriger Pause erhofft, wenn ein erlesenes Profifeld am Sonntag zum Finale Erfurt erreicht.

          Prominenz im Fahrerfeld

          Die Aso investiert nicht nur Geld, sondern verspricht auch einen langen Atem. Beides ist notwendig. Denn der hierzulande in den Doping-Querelen tief gefallene Radsport muss noch strampeln, um Begeisterung und nicht nur Interesse zu wecken. Als in Hannover flugs nach der Teampräsentation auf dem abgesperrten Rundkurs vor dem Neuen Rathaus das traditionsreiche Kriterium „Nacht von Hannover“ begann, bemühten sich die Moderatoren redlich, ein bisschen Stimmung zu erzeugen. Die Zuschauer blieben interessiert, aber reserviert. Auch die Namen der bewährten wie aufstrebenden deutschen Profis sind offenbar nur dem Fachpublikum geläufig.

          Präsentation vor prächtiger Kulisse: Pascal Ackermann rollt in Hannover vom Podest.

          Und in den deutschen Rathäusern gibt es noch Argwohn und Zweifel an einer erfreulichen Kosten-Nutzen-Rechnung, wenn man sich die Deutschland-Tour auf den Marktplatz holt. Auch im zweiten Jahr war es für die Organisatoren ein hartes Stück Arbeit, Gastgeberstädte zu finden. „Die Crème de la Crème des Fahrerfelds ist dabei. Das zeigt, welchen Stellenwert Deutschland im Radsport hat“, sagt Claude Rach, Aso-Mann und Organisationschef der Deutschland-Tour.

          Drei der Top Fünf der diesjährigen Tour de France sind am Start: Geraint Thomas, Julian Alaphilippe und Emanuel Buchmann. Der deutsche Markt als interessantes Feld für die Sponsoren und die Liveübertragung der Etappen in ARD und ZDF sind weitere Argumente für die Teams, namhafte Formationen zu entsenden. Auf Vorschläge, das Event demnächst auf mehr als nur vier Tage auszuweiten, geht Rach nicht ein. Der Luxemburger, der mit der Aso zuvor schon das Rennen Eschborn–Frankfurt (einst Rund um den Henniger-Turm) erworben hat, sagt: „Das Rennen funktioniert so, wie es ist. Wir wollen das Rennen entwickeln, Schritt für Schritt. Jetzt versuchen wir erst einmal, die vier Tage größer zu machen.“

          Die Rundfahrt findet zwar gleichzeitig mit der Vuelta in Spanien, einer der drei großen, dreiwöchigen Landesrundfahrten, statt. Aber für viele Topkräfte ist sie gut terminiert ausgangs ihrer Pause nach der Tour de France, um wieder Rennkilometer zu sammeln und die Form für das Saisonfinale neu aufzubauen. Neben Thomas, Alaphilippe und Buchmann schmücken große Namen wie Vincenzo Nibali, Dan Martin oder Richie Porte das Starterfeld. Mit dem Gesamtsieg werden diese Profis aber nichts zu tun haben. Zwar ist die Streckenplanung angelehnt an das Profil von hügeligen Klassikern, doch die Organisatoren können das Rennen nur bis zu einem gewissen Punkt orchestrieren. Die Dynamik im Peloton wird ausschlaggebend dafür sein, ob die Teams auf ihre schnellsten Jungs, die Sprinter, setzen. Oder ob es eine Sache für die tempofesten Fahrer wird. Aus deutscher Sicht ist der Kölner Nils Politt (Team Katusha-Alpecin) vermutlich der größte Kandidat für das Rote Trikot des Führenden. Aber das sitzt ja zunächst einmal fest auf den Schultern von Sprinter Pascal Ackermann.

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