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Radsport : Telekom lässt sich Zeit

Kleines Rad in einem großen Spiel Bild: dpa

Der deutsche Profi-Radsport wartet auf ein Zeichen aus Bonn, doch die Konzernzentrale der Deutschen Telekom lässt sich Zeit. Es gibt noch keine Entscheidung, ob das Unternehmen als Radsport-Sponsor aussteigt.

          Der deutsche Profi-Radsport wartet auf ein Zeichen aus Bonn, doch die Konzernzentrale der Deutschen Telekom lässt sich Zeit. Nach der Vorstandssitzung am Dienstag, auf der ein möglicher Ausstieg des Unternehmens als Radsport-Sponsor diskutiert wurde, gebe es keine Entscheidung zu verkünden, erklärte Sponsoring-Leiter Stefan Althoff am Mittwoch. „Wir sammeln die Fakten und wollen die Dinge in Ruhe bewerten“, erklärte er.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Derweil fügte der ehemalige Radprofi Bo Hamburger in Dänemark dem großen Doping-Mosaik seiner Zunft ein weiteres Steinchen hinzu. In seinem Buch mit dem Titel „The Greatest Price – a Rider’s Confession“ gibt er zu, sich in den neunziger Jahren mit dem Blutverdicker Erythropoietin (Epo) gedopt zu haben. Er habe damit nach einer Verletzung 1995 begonnen. (Siehe: Radsport: Er hätte auch seine Ehefrau verkauft).

          Kleines Rad in einem großen Spiel

          „Die Alternative wäre gewesen, mein Fahrrad in die Garage zu fahren und meine Karriere zu beenden“, heißt es in dem Buch. 2001 war Hamburger positiv auf Epo getestet worden. Trotzdem sprach ihn die dänische Anti-Doping-Kommission wegen einer zweifelhaften B-Probe frei. Hamburger hatte damals mit einer Klage gedroht, weil das Ergebnis der B-Probe unter dem Grenzwert gelegen habe. „Ich habe nie Epo genommen und bin froh, dass dieser Albtraum nun endlich vorbei ist“, sagte Hamburger damals.

          Er behauptete, ein kleines Rad in einem großen Spiel zu sein, in dem der Weltverband Zweifel an der neuen Nachweismethode nicht zulassen könne. „Dieser Fall ist ironisch und traurig gleichermaßen“, sagte Jacques Rogge, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) am Mittwoch in einer telefonischen Pressekonferenz. „Eine negative B-Probe ist nicht notwendigerweise ein Beweis für die Unschuld.“

          Kampf um Akten der „Operacion Puerto“

          Rogge betonte in der Telefonkonferenz, dass das IOC in dem Bemühen nicht nachlassen werde, die vollständigen Akten der spanischen Doping-Ermittlungen unter dem Titel „Operacion Puerto“ zu bekommen und nutzen zu dürfen. Er wolle in seiner Eröffnungsrede zur Welt-Anti-Doping-Konferenz am 15. November in Madrid deswegen noch einmal an die spanische Regierung appellieren. Untersuchungsrichter Serrano hatte aufgrund der Gesetzeslage in Spanien untersagt, dass Sportorganisationen die Erkenntnisse für ihre Verfahren nutzen. Zwar stützen sich die Verfahren gegen Jan Ullrich in Deutschland und Ivan Basso in Italien auf die spanischen Ermittlungen. Dies geschieht aber im Rahmen von Rechtshilfe-Ersuchen staatlicher Behörden.

          „Die Akten enthalten eine große Menge wichtiger Informationen“, sagte Rogge. Unter anderem hofft das IOC, aus den Unterlagen die Hintergründe des Doping-Falls Tyler Hamilton bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen zu erfahren. Der Amerikaner, Olympiasieger im Zeitfahren, war anhand der Analyse der A-Probe positiv auf Doping mit Fremdblut getestet worden. Die B-Probe konnte allerdings wegen unsachgemäßer Lagerung nicht untersucht werden. Hamilton war im selben Jahr bei der Spanien-Rundfahrt überführt worden.

          Erweiterte Kronzeugenregel im Gespräch

          Rogge äußerte sich auch zu der Kronzeugen-Regelung im Welt-Anti-Doping-Kodex, die es zum Beispiel dem deutschen Radprofi Jörg Jaksche ermöglicht hat, mit einer auf ein Jahr halbierten Sperre davonzukommen. Nach der Neufassung des Regelwerks, die in Madrid beschlossen werden und am 1. Januar 2009 in Kraft treten soll, können Kronzeugen sogar eine Reduzierung ihrer Strafe um drei Viertel erreichen.

          „Wir sind uns bewusst, dass dies den Kampf gegen Doping schwächen könnte“, sagte Rogge. Allerdings solle die Regelung nur für sehr substantielle und außerordentlich wichtige Angaben gelten, die zur Aufdeckung von Netzwerken führen könnten. Dann halte er die Konzeugen-Regelung für legitim. Allerdings nicht für Bekenntnisse, die lediglich dem Schadensmanagement dienten. Auch der positiv auf Testosteron getestete ehemalige T-Mobile-Profi Patrik Sinkewitz hofft, nach seinen Geständnissen von der Kronzeugen-Regelung profitieren zu können.

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