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Radsport : T-Mobile vor dem Ausstieg

Den Schatten der Vergangenheit kann T-Mobile nicht entkommen Bild:

Der Radsport ist nicht zu retten: Deshalb stehen die Zeichen bei der Telekom auf Ausstieg. Offiziell heißt es, man werde sich nun „mit der neuen Faktenlage auseinandersetzen“. Doch nach dem Doping-Geständnis von Patrik Sinkewitz scheint eine Fortsetzung unrealistisch.

          Die Tage des Profi-Radteams T-Mobile sind offenbar gezählt. Nach dem Doping-Geständnis des Rennfahrers Patrik Sinkewitz sieht sich die Konzernleitung der Deutschen Telekom AG, deren Tochter T-Mobile den Rennstall sponsort, mit Erkenntnissen konfrontiert, die ihre bisherige Auffassung von ihrem Radsport-Engagement konterkarieren.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Ein sauberer Neuanfang in der traditionell dopingverseuchten Szene, wie von T-Mobile seit der Tour de France 2006 propagiert, erscheint den Managern vor dem Hintergrund der Sinkewitz-Angaben offenbar nicht mehr möglich. Wie aus dem Konzern-Umfeld verlautete, wird sich der Telekom-Vorstand noch in dieser Woche mit dem Thema auseinandersetzen. Dabei, heißt es, werde die Option eines Ausstiegs aus dem Radsport geprüft.

          Sinkewitz: organisiertes Doping bei T-Mobile

          Stefan Althoff, der Leiter Sponsoring der Deutschen Telekom, erklärte am Montag gegenüber dieser Zeitung, es gebe eine „neue Faktenlage, mit der man sich auseinandersetzen muss“. Sinkewitz, der Henninger-Sieger dieses Jahres, hat nach eigenen Angaben noch während der Tour de France 2006 in den Räumen der Universität Freiburg versucht, sich mit Hilfe von Eigenblut-Infusionen zu dopen. Dies sei nach der ersten Etappe geschehen, zwei Tage nachdem T-Mobile unter anderen Jan Ullrich wegen seiner Verbindungen zum spanischen Doping-Experten Eufemiano Fuentes suspendiert hatte.

          Sinkewitz ließ durchblicken, dass es innerhalb des Rennstalls zu diesem Zeitpunkt organisiertes Doping gegeben habe. Die Freiburger Sportmediziner Lothar Heinrich und Andreas Schmid waren damals als Team-Ärzte von T-Mobile aktiv. Im Verdacht steht deswegen zumindest auch der aktuelle Teamkapitän, der Australier Michael Rogers, der bereits 2006 zur Tour-Equipe von T-Mobile gehörte. Der Sportliche Leiter Rolf Aldag hatte trotz eines Doping-Bekenntnisses im Mai seinen Arbeitsplatz behalten dürfen. Er hatte allerdings nur Vergehen eingestanden, die schon verjährt waren.

          „Grundsätzlich kann man Verträge immer kündigen“

          Althoff betonte, dass es einen gültigen Vertrag mit dem Rennstall T-Mobile bis zum Jahr 2010 gebe. Die Verlängerung des Engagements war im August bekanntgegeben worden. Allerdings ergänzte er: „Grundsätzlich kann man Verträge immer kündigen, die Frage ist, zu welchen Konditionen.“ Der Telekom-Sprecher verweist zwar andererseits darauf, dass man sich im Radsport „etwas vorgenommen“ habe. Es gebe die grundsätzliche Intention, „einen Teil dazu beizutragen, dass der Sport wieder sauber wird.“

          Aber man müsse sich mit der aktuellen Lage auseinandersetzen. „Wir können nicht so tun, als könnte es so weitergehen wie bislang.“ Das Problem sei, „dass Dinge passiert sind, die von der Bedeutung her in der Vergangenheit falsch eingeschätzt worden sind. Wer hätte gedacht, dass in Freiburg solche Dinge vorgehen? Ich nicht.“ Auch das Engagement von Rolf Aldag müsse man sich noch einmal ansehen.

          Rund zehn Millionen Euro für T-Mobile-Rennstall

          Nach einer auf Testosteron positiven Dopingprobe hatte T-Mobile den 27 Jahre alten Hessen Sinkewitz fristlos entlassen. Dieser hatte vor dem Bundeskriminalamt, der Staatsanwaltschaft Bonn, dem Bund Deutscher Radfahrer und am Wochenende in den Medien ausführliche Bekenntnisse abgelegt. Auch der Ukrainer Sergej Gontschar – wegen auffälliger Blutwerte – und der Italiener Lorenzo Bernucci – wegen der Einnahme von Appetitzüglern – hatten den Rennstall verlassen müssen.

          T-Mobile lässt sich den vom Amerikaner Bob Stapleton geleiteten Rennstall im Jahr etwa zehn Millionen Euro kosten. Zur Zeit sind 29 Fahrer beschäftigt. Auch beim Wissenschaftsministerium des Landes Baden-Württemberg, unter dessen Aufsicht das Universitätsklinikum Freiburg steht, haben die Sinkewitz-Aussagen zu erhöhter Aktivität geführt.

          Jochen Laun: „Natürlich wollen wir Aufklärung“

          Der Aufsichtsrat des Uniklinikums werde so rasch wie möglich zu einer Sondersitzung zusammentreten, sagte Ministeriumssprecher Jochen Laun auf Anfrage dieser Zeitung. Vorsitzender des Aufsichtsrats ist der Stuttgarter Ministerialdirigent Heribert Knorr. „Natürlich wollen wir Aufklärung. Wir wollen wissen, was geschehen ist und welche Abläufe das ermöglicht haben“, sagte Laun.

          Durch die „neue Zeitschiene“ – bisherige Vorwürfe gegen die Freiburger Sportmedizin waren verjährt – habe man es nun auch mit strafrechtlichen Aspekten zu tun. Die Untersuchungskommission unter Vorsitz des ehemaligen Richters Hans-Joachim Schäfer, werde die neuen Erkenntnisse in ihre Arbeit einbeziehen und eng mit den Ermittlungsbehörden zusammenarbeiten.

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