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Sunweb wird zum Radteam DSW : Lust auf Attacke

  • -Aktualisiert am

Siegertyp: Marc Hirschi Bild: dpa

Das Radteam Sunweb gilt als gut abgestimmt, mutig, entschlossen. Der neue Sponsor lässt die Hoffnung auf weitere Erfolge steigen. Mit Marc Hirschi hat man zudem einen der aktuell aufregendsten Rennfahrer hervorgebracht.

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          Bei der Tour de France im vergangenen Sommer haben sie richtig Alarm und das Peloton mit ihren Attacken mitunter zum Panikorchester gemacht. Gut abgestimmt, mutig, entschlossen. Und das trotz hoher personeller Fluktuation. Denn das Team Sunweb ist ein Durchlauferhitzer für Radsporttalente, die als Unbekannte kommen, aufblühen – und weiterziehen. Mit Marc Hirschi hat das niederländisch geprägte und mit deutscher Lizenz radelnde Team einen der aktuell aufregendsten Fahrer überhaupt hervorgebracht. Nicht eingekauft, sondern hervorgebracht.

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          Der Schweizer kam aus dem eigenen Nachwuchsteam für U-23-Fahrer – und lieferte bei der Frankreich-Rundfahrt, seiner ersten Grand Tour überhaupt, eine mitreißende Vorstellung. Dreimal hatte Hirschi sich bei Etappen mit mächtigen Tritten solo abgesetzt und einmal seinen Vorsprung auch ins Ziel gebracht. Mit der Lust auf und der Kraft für Attacken hat die Equipe das Rennen mitgeprägt und drei Tagessiege bei der Tour erreicht. Insgesamt neun Siege und etliche Topplazierungen bei World-Tour-Rennen stehen am Saisonende 2020 zu Buche.

          Herausragende Resultate gelangen beim Giro d’Italia, den die Sunweb-Profis Jai Hindley und Wilco Kelderman auf den Gesamträngen zwei und drei abschlossen. Und dennoch schützt im Radsport Erfolg vor Absturz nicht. Die Abhängigkeit der Teams von ihren Geldgebern, die das Mannschaftsbudget fast ausschließlich stemmen, ist enorm. Nun erlebt das Touristikunternehmen Sunweb mit seinem Geschäftsmodell, Urlaubsreisen im Netz zu verkaufen, harte Zeiten.

          „Das ist wirklich ein Traum“

          Doch im Team kamen nicht wie anderswo im Radsport Existenzängste auf, weil der eine Hauptgeldgeber aussteigt und ein neuer nicht in Sicht ist. Denn es gibt einen geräuschlosen Übergang: Die Radsportunternehmung geht, wie bei der Teampräsentation bekanntgegeben wurde, 2021 als Team DSM an den Start. Gegen den Trend in der Radbranche wird Teammanager Iwan Spekenbrink mit dem niederländischen Mischkonzern im Rücken sogar ein etwas größeres Budget zur Verfügung haben als zuvor. Was die Chancen birgt, die Erfolge von 2020 im neuen Jahr zu bestätigen oder gar auszubauen. „Das ist wirklich ein Traum. Das Mitwirken von DSM in dieser Größenordnung wird uns definitiv dabei unterstützen, neue Standards zu setzen und mit Hilfe von bester Ernährung und besten Materialien einen inneren und äußeren Wettbewerbsvorteil zu haben“, sagte Spekenbrink.

          In der Zusammenarbeit sollen auch im Radsport übliche Pfade verlassen werden. Wo Partner den Teams normalerweise fertige Produkte zur Verfügung stellen, sollen beim Team DSM die Weiterentwicklung von beispielsweise Rennbekleidung und die individuell auf die Fahrer abgestimmte Ernährung gemeinsam betrieben werden. Ein Teil der Unterstützung des Konzerns DSM soll auch dafür verwendet werden, die Fahrer des Männer-, Frauen- und Nachwuchsteams engmaschiger auf Doping zu testen.

          Neue Stars rücken nach

          Als eine der wenigen Formationen im Peloton investiert das Team in eigene bestehende Infrastruktur, einen Elitecampus, in dem die jungen Talente wohnen können und fit gemacht werden. In der Szene heißt es zwar, dass der seit über zehn Jahren beim Team tätige Manager Spekenbrink sehr fordernd, vehement und bisweilen unerbittlich gegenüber seinen Rennfahrern und Rennfahrerinnen auftritt und die Organisation ausgesprochen straff erfolgt, doch die Erfolge sprechen für ihn. Das Frauen-Team mit der hoffnungsvollen deutschen Aufsteigerin Liane Lippert ist schon Weltspitze.

          Die Männer-Equipe verliert zwar regelmäßig ihre Anführer wie zuletzt Tom Dumoulin oder Michael Matthews. Doch neue Stars wie der Schweizer Hirschi und der Australier Hindley rücken nach und schnell nach vorne. Mit dem französischen Star Romain Bardet stößt nun ein Klassementfahrer von Rang zur Mannschaft. In den vergangenen Jahren bei der französischen Equipe AG2R litt der 30-Jährige unter den großen Erwartungen, er möge doch bitte schön mal die Tour de France gewinnen. Nun freue er sich darauf, sagt Bardet, künftig weniger im Fokus zu stehen und sich als Rennfahrer teilweise neu erfinden zu können.

          Der deutsche Anteil in der ersten Reihe ist zuletzt gesunken, nachdem über die Jahre die Leistungsträger John Degenkolb, Marcel Kittel und zuletzt Lennard Kämna weitergezogen sind. Der unverwüstliche Nikias Arndt war in diesem Jahr der einzige deutsche Profi im Tour-Aufgebot. Doch die Mannschaft löst dies auf ihre zukunftsgläubige Weise: Der erst 18-jährige Marco Brenner, der als die größte hiesige Nachwuchshoffnung gilt, hat einen Vierjahresvertrag unterschrieben. Und der 21-jährige Pfälzer Niklas Märkl ist für das neue Jahr ins WorldTour-Aufgebot berufen worden.

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