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Radsport-Sponsor Alpecin : Waschen, legen, fahren

Aufbruchstimmung im Radsport: John Degenkolb Bild: dpa

Haarshampoo-Hersteller Alpecin steigt als Sponsor beim Radrennstall Giant-Shimano mit den deutschen Stars Kittel und Degenkolb ein. Überhaupt herrscht wieder Bewegung im Radsport.

          3 Min.

          Marcel Kittel ist ein junger Mann, der offensichtlich einen gewissen Wert auf eine modische Erscheinung legt, auch seine Frisur betreffend. Dass jetzt der Bielefelder Shampoo-Hersteller Alpecin in den Profiradsport einsteigt, noch dazu bei Kittels Team Giant-Shimano, scheint dem Thüringer Sprintstar sehr gelegen zu kommen, nicht nur wegen des finanziellen Aspekts dieses Engagements oder wegen der Hoffnungen auf eine neue Blüte im deutschen Radsport.

          Rainer Seele
          Sportredakteur.

          Kittel jedenfalls kommentierte die neue Partnerschaft umgehend – und zwar ziemlich salopp: „Mein Haar und ich sind so aufgeregt – Ab jetzt keine Bad-Hair-Days mehr?!“ Das sollte sicherlich auch eine Anspielung auf den Werbeslogan sein, mit dem die Ostwestfalen seit längerem ihre Produkte anpreisen: „Doping für die Haare.“

          Das hat im Zusammenhang mit dem Radsport einen eigenartigen Klang, aber nach Lage der Dinge stellt dies kein Problem dar für das frische niederländisch-deutsche Bündnis. Allerdings soll der Spruch nicht unmittelbar mit der Radsport-Kommunikation verwendet werden, wie die Bielefelder nun behaupten.

          Ab jetzt keine „Bad-Hair-Days“ mehr: Marcel Kittel
          Ab jetzt keine „Bad-Hair-Days“ mehr: Marcel Kittel : Bild: dpa

          Alpecin will sich von 2015 an für vier Jahre an dem Rennstall beteiligen und bringt dafür dem Vernehmen nach eine Summe von etwa 16 Millionen Euro auf. Die Ostwestfalen fördern seit längerem schon den Jedermann-Radsport, sie hatten deswegen auch Jan Ullrich als Galionsfigur verpflichtet.

          Offenbar keine Berührungsängste mehr

          Der gefallene Held soll jedoch seit 2013 nicht mehr für die Bielefelder tätig sein. „Seinen Körper in betrügerischer Absicht zu manipulieren, ihn also zu dopen, ist für Wettkampfsportler streng verboten. Seit unserem Bestehen lehnen wir als Unternehmen jedwede Form von Betrug ab“, sagte der geschäftsführende Gesellschafter Eduard R. Dörrenberg am Mittwoch.

          Frühere Galionsfigur im Jedermann-Bereich: Jan Ullrich
          Frühere Galionsfigur im Jedermann-Bereich: Jan Ullrich : Bild: dpa

          Alpecin war vor einiger Zeit schon nachgesagt worden, mit dem Profiradsport zu liebäugeln – man soll aber zunächst nicht zuletzt wegen des Doping-Skandals um Lance Armstrong doch auf Distanz geblieben sein. Auch Ralph Denk, der Eigner des Teams NetApp, hatte vor zwei Jahren Kontakt zu den Ostwestfalen aufgenommen – und war mit seinem Gesuch um wirtschaftliche Unterstützung abgeblitzt: „Das Haus entschied sich dagegen.“

          Inzwischen hat Alpecin offenbar keine Berührungsängste mehr – womöglich auch wegen der Beteuerungen von Radprofis wie Kittel oder John Degenkolb, die zu den Trümpfen der niederländischen Mannschaft gehören, eine neue, saubere Generation im Radsport zu vertreten. Hinzu kommt, dass sich auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen wieder verstärkt dem Radsport zuwendet; so möchte die ARD vom kommenden Jahr an wieder Liveübertragungen von der Tour de France zeigen, bei der Kittel insgesamt schon acht Etappen gewonnen hat.
          „Davon haben wir alle lange geträumt“, sagte Kittel jetzt zu der deutschen Offensive.

          Ein „deutsches Herz“ für das Team

          Deutschland rücke mit dem Einsatz von Alpecin, das nach eigenen Angaben einen Jahresumsatz von mehr als 200 Millionen Euro ausweist, „weiter in den Fokus des Weltradsports. Diese Botschaft kann das Interesse der Menschen in unserem Land weiter beflügeln.“ Teammanager Iwan Spekenbrink wertet die Vereinbarung als ein großes Signal, auch für den Weltradsport“. Das internationale Team bekomme damit „ein deutsches Herz“, sagte Spekenbrink. Er will die Mannschaft „mit jungen, hoch talentierten deutschen Fahrern“ weiter verstärken“. Außerdem soll es eine direkte Kooperation mit dem Bund Deutscher Radfahrer (BDR) geben.

          Einfädler des Deals: Nachrichtenmann Marc Bator, nebenbei Vizepräsident des Radsportverbandes in Hamburg
          Einfädler des Deals: Nachrichtenmann Marc Bator, nebenbei Vizepräsident des Radsportverbandes in Hamburg : Bild: dpa

          An dem Deal zwischen dem Team Giant-Shimano und Alpecin war maßgeblich Marc Bator beteiligt, Sprecher und Moderator beim Privatsender Sat.1 und Vizepräsident des Radsportverbandes in Hamburg. Bator scheint zu glauben, dass der Radsport sich wirklich nachhaltig gewandelt hat und wieder gesellschaftsfähig sei: „Das Fundament ist gelegt für große Radsport-Geschichten ohne bitteren Beigeschmack.“

          Motiviert bis in die Haarspitzen

          Denk hatte während der Tour 2014 ebenfalls einen neuen deutschen Geldgeber präsentiert, eine mittelständische Firma aus Raubling. Denk findet, dass der Kosten-Nutzen-Effekt enorm gut sei im Radsport. Trotz der beträchtlichen Risiken, die diese Branche weiter mit sich bringt. Aber allein die Aufmerksamkeit, die ein Team bei der Tour erregen kann, lohne sich schon für einen Investor, betont Denk – natürlich ist das rein sportlich gemeint.

          Im Radsport herrscht im Moment grundsätzlich große Bewegung. Das südafrikanische Team MTN-Qhubeka rüstet zum Beispiel mächtig auf, vermutlich in dem Bestreben, bald zur Tour eingeladen zu werden. Das dänische Team Cult Energy fällt ebenfalls durch neue Aktivitäten auf. Der spanische Formel-1-Pilot Fernando Alonso soll inzwischen beim Internationalen Radsportverband eine Lizenz für ein Team beantragt haben, das er 2015 ins Rennen schicken will. „Der Fahrermarkt“, sagt der Bayer Denk, „war schon lange nicht mehr so leer wie dieses Jahr.“ Die Zunft scheint wieder voller Elan zu sein. Bis in die Haarspitzen.

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