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Roglic und ein Déjà-vu : Wie schon bei der Tour de France

  • -Aktualisiert am

Als Führender im Roten Trikot: Primoz Roglic will zum zweiten Mal die Vuelta gewinnen. Bild: EPA

Primoz Roglic geht auch bei der Vuelta mit knappem Vorsprung auf die letzten Etappen. Bei der Tour ging ihm in ähnlicher Position die Puste aus. Und auch diesmal sitzen ihm zwei angriffslustige Kontrahenten im Nacken.

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          Selten sah man die drei Toprivalen einer Grand Tour eingangs der vergangenen Woche gleichermaßen glücklich. Aber das Zeitfahren der Spanien-Rundfahrt zauberte tatsächlich ein Lachen unter die Masken von Primoz Roglic, Richard Carapaz und Hugh Carthy. „Es ist schön, mal wieder ein Zeitfahren gewonnen zu haben. Das ist ja schon eine Weile her“, sagte Roglic. Tatsächlich datiert der letzte Zeitfahrsieg des Slowenen auf den September 2019, die Vuelta im vergangenen Jahr.

          Bei der Tour de France in diesem September schenkte er den Gesamtsieg mit einem für seine Verhältnisse miserablen Kampf gegen die Uhr weg. Auf diese Wunde hat er jetzt ein linderndes Pflaster gelegt. Und so konnte sich der Profi des Jumbo-Visma-Teams in seiner bei der Vuelta neu erarbeiteten Kompetenz als Witzereißer weiter profilieren. „Ich habe gar nicht geglaubt, dass ich so gute Beine habe“, sagte er. In die dritte Woche geht er mit einem Vorsprung von 49 Sekunden vor Carapaz und 57 Sekunden vor dem überraschend starken Carthy.

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          Das ist nicht viel. Bei der Tour schenkte Roglic zuletzt noch 57 Sekunden Vorsprung vor seinem Landsmann Pogacar weg, beim Giro d‘Italia 2019 verlor er auf der letzten Bergetappe 50 Sekunden auf Carapaz. Der gewann damals den Giro und ist auch aktuell der schärfste Rivale. Und genau eine echte Bergetappe kommt auch noch bei dieser Vuelta, am Samstag, zum Alto de La Covatilla. Das spricht also gegen Roglic. Allerdings muss er sich auch nur vor dieser einen Bergetappe ernsthaft sorgen. „Und aus den früheren Fehlern haben wir gelernt“, sagt zudem George Bennett, treuer Berghelfer des Slowenen. Der Optimismus bei Jumbo Visma, wenigstens die kleinste der drei großen Rundfahrten in diesem Jahr zu gewinnen, ist ungebrochen.

          Zwei starke Verfolger

          Die Stimmung bei Richard Carapaz ist allerdings auch bestens. Der Ecuadorianer verlor am Dienstag im Kampf gegen die Uhr weniger als erwartet auf den Spezialisten Roglic. Vielleicht machten sich dabei ein paar Ratschläge aus berufenem Munde bezahlt. „Richard ist selbst schon ein sehr erfahrener Mann. Aber ein paar Tipps habe ich ihm schon gegeben“, sagte Chris Froome, der frühere Dominator in dieser Disziplin, am Rande des Zeitfahrens. Froome hat über die Jahre auch Erfahrungen gesammelt, wie man große Rückstände noch aufholen kann.

          Carapaz versprach schon taktische Überraschungen, als er ausführte: „Nicht nur die Etappe am Samstag wird schwer. Man darf die Tage zuvor nicht unterschätzen. Die Vuelta ist noch komplett offen.“ Wenigstens für ihn. Der Bauernsohn aus den Anden baut zum Ende einer Rundfahrt gewöhnlich weniger ab als der frühere Skispringer Roglic. Dessen Markenzeichen ist, nach zwei Wochen Feuerwerk an den letzten Tagen einer Rundfahrt noch in Atemnot zu geraten.

          Für viele unerwartet hat sich Hugh Carthy in den Zweikampf eingemischt. Der Brite war schon auf der Königsetappe am Sonntag, dem Aufstieg zum wohl schwersten Radsportberg des Kontinents, dem Angliru, der Allerstärkste. Er erstickte dort nicht nur so souverän alle Versuche vom heimischen Rennstall Movistar, dass sich deren Kapitän Enric Mas genötigt sah, die spanische Fangemeinde für sein „Versagen“ um Entschuldigung zu bitten. Carthy distanzierte auch recht locker Roglic und Carapaz.

          Beim Zeitfahren verlor er etwas Zeit auf Roglic, machte auf Carapaz aber 24 Sekunden gut. Er hat die beste Kletterform. Und sein Rennstall Education First ist für ungestüme Angriffe bekannt. Kein Wunder, dass Carthy sagt: „Ja, die Etappe am Samstag könnte mir liegen.“ Er hat zudem noch einen ganz ungewöhnlichen Vorteil. John Herety, Carthys Jugendtrainer, gab gegenüber dem Branchendienst „Cyclingweekly“ zu Protokoll: „Er ist ein richtig guter Kletterer, aber es ist ein Albtraum, ihm zu folgen. Wenn er aus dem Sattel geht, geht sein Rad plötzlich nach hinten. Das sieht nicht gut aus, aber es war bei ihm schon immer so.“

          Bei Attacken dieser Art könnte Roglic wanken. Und Carapaz könnte dem stilistisch saubereren Roglic folgen – und dem Slowenen später den Blattschuss versetzen. Carapaz‘ Rennstall Ineos ist aber auch selbst zur Disruption fähig, wie der Last-Minute-Sieg von Tao Geoghegan Hart beim Giro d‘Italia bewies. Die Vuelta bleibt spannend, und die auf dem Papier gar nicht so furchtbar wirkenden Etappen 14, nach der Roglic weiter Gesamtführender blieb, 15 und 16 könnten durch die strategischen Ideen der Teams zum Spektakel werden. Zwei der drei Protagonisten – Carapaz und Carthy – sind zum Angriff verpflichtet. Roglics eminent starker Jumbo Visma-Combo kommt hingegen der Job des Feuerlöschens zu. Viel Spannung also im letzten Rennen der Saison.

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