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Deutschland Tour an Politt : Freier Kopf macht Beine

  • Aktualisiert am

Behält die Gesamtführung: Nils Politt Bild: dpa

Nach einem schweren Rennen behält Nils Politt auch am Sonntag das Trikot des Gesamtführenden der Deutschland Tour an. Um sein Erfolgskonzept zu erklären, braucht er nur wenige Worte.

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          Nils Politt fasste sich kurz, er brauchte nicht viele Worte, um sein Erfolgsrezept zu formulieren. „Ist der Kopf frei, sind auch die Beine frei“, sagte der 27 Jahre alte Radprofi aus Köln, nachdem er als Solist seinen Sieg auf der dritte Etappe der Deutschland-Tour errungen hatte und durch diesen auch ins Rote Trikot des Spitzenreiters geschlüpft war – das er auch am Sonntag behielt, zum Ende der Tour in Nürnberg, als der Norweger Alexander Kristoff der Schnellste des Tages war.

          Ein besonderer Moment für Politt bei der heimischen Rundfahrt, der am Sonntag auch sagte: „Es war ein total schweres Rennen heute.“ Etwa sieben Wochen zuvor war ihm bereits ein großer Coup gelungen: Da war er mit einem Etappenerfolg bei der Tour de France einen Tag lang obenauf beim prestigeträchtigsten Spektakel des Radsports.

          Ausgebreitete Arme

          Mit weit ausgebreiteten Armen und einem kräftigen Schlag auf die Brust war Politt am Samstag nach 193,8 Kilometern von Ilmenau nach Erlangen über den Zielstrich gefahren – elf Sekunden vor dem Belgier Dylan Teuns, mit dem er sich kurz nach dem letzten Zwischensprint des Tages abgesetzt hatte und den er wenig später abschütteln konnte. „Ich habe kaum nach hinten geguckt. Erst 500 Meter vor dem Ziel habe ich gesehen, dass da noch eine relativ große Lücke da ist, und habe dann die Meute gesehen. Aber da wusste ich schon, dass es reichen wird“, sagte Politt.

          Es war die Basis für seinen Gesamtsieg. Bereits 2018 in Stuttgart hatte Politt als Ausreißer einen Tagesabschnitt der Deutschland-Tour für sich entscheiden können. Vor allem der Vierte der Tour von 2019, Emanuel Buchmann, hatte bei teilweise strömendem Regen bei der Jagd nach vier Ausreißern die Voraussetzung geschaffen, dass sich dem Team Bora-hansgrohe im Finale die Chance auf den Sieg bot – die Politt dann nutzte.

          Längerer Stillstand

          Am vergangenen Donnerstag war mit der Deutschland-Tour das erste Profirennen im Lande nach 693 Tagen in Stralsund gestartet worden. Auch Politt hatte den längeren Stillstand in Deutschland als großen Nachteil empfunden. „Die Deutschen waren extrem streng in Sachen Veranstaltungen im Gegensatz zu den anderen Ländern. Man muss sagen, dass der Sport darunter gelitten hat.“ Die Hamburger Cyclassics wurden zweimal abgesagt, das Rennen in Frankfurt fiel einmal der Pandemie zum Opfer und wurde in diesem Jahr auf den 19. September verschoben.

          Auch bei der Deutschland-Tour standen 2020 die Räder still. André Greipel war nun auch sehr angetan davon, dass er sich in seiner alten Heimat von den Fans verabschieden konnte. „Das gab es ja noch nie, dass in meiner Heimat ein professionelles Rennen stattfindet. Ich kenne hier jede Straße“, sagte der gebürtige Rostocker. Nach 17 Jahren als Radprofi ist für Greipel, 39 Jahre alt, am Saisonende Schluss: „Ich habe den Radsport gelebt, geliebt und manchmal auch gehasst. Es ist eine Lebenseinstellung gewesen.“

          Und eine Erfolgsgeschichte: Greipel gewann 22 Etappen bei großen Rundfahrten, davon elf bei der Tour de France. Er wurde WM-Dritter und dreimal deutscher Meister. Mit 158 Siegen ist er der erfolgreichste deutsche Radprofi. Die Deutschland-Tour führte diesmal wieder über vier Etappen – und auch bei Greipel ist die Hoffnung groß, dass die Rundfahrt bald wie in früheren Jahren auf eine Woche ausgebaut wird. Ohne ihn dann allerdings.

          Eiking führt bei der Vuelta

          Der norwegische Radprofi Odd Christian Eiking hat auf der 15. Etappe der Spanien-Rundfahrt das Rote Trikot des Gesamtführenden verteidigt. Eiking erreichte das Ziel am Sonntag mit der Gruppe der Favoriten. Der Außenseiter hatte das Rote Trikot nach der zehnten Etappe von Primoz Roglic übernommen. Den Tagessieg holte sich nach 197,5 Kilometern von Navalmoral de la Mata nach El Barraco der Pole Rafal Majka nach einer langen Solofahrt.

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