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Radsportteam Bora-hansgrohe : Alleskönner Schachmann und eine Frage

  • -Aktualisiert am

Frontmann: Das Team Bora-hansgrohe unterstützt Schachmann für die Gesamtwertung. Bild: WITTERS

Vor einem Jahr gewann Maximilian Schachmann das Rennen Paris–Nizza. Sein Name gewann enorm an Strahlkraft. Jetzt kämpft der Radprofi wieder um den Platz an der Sonne.

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          In der Profikarriere von Maximilian Schachmann ist es stetig vorangegangen. Über viele Konkurrenten im Peloton hat sich der Berliner Radprofi bei seinen Siegen und Top-Platzierungen schon hinweggesetzt. Doch in den vergangenen sieben Monaten sind neue starke Gegner aufgetaucht. „Damen mittleren Alters in mittelgroßen SUVs in Italien“, sagt Schachmann schmunzelnd.

          „Da scheint es ein gefährliches Muster zu geben.“ Weil Schachmann mentale Stärke und Klarheit schon häufig bewiesen hat, kann man ihm abnehmen, dass die beiden Unfälle fast spurlos an ihm vorübergegangen sind. Vor knapp sieben Wochen war eine Autofahrerin in eine Gruppe Radprofis des deutschen Teams Bora-hansgrohe während eines Trainingscamps am Gardasee gefahren.

          Comeback nach Unfall

          Schachmann kam im Gegensatz zu einigen Mannschaftskollegen glimpflich davon. Schon Mitte August war er in Italien mit einem Auto kollidiert – einem während der Lombardei-Rundfahrt irrtümlich auf die Rennstrecke gesteuerten Privatwagen. Der erlittene Schlüsselbeinbruch bremste ihn während der folgenden Tour de France aus.

          Ob er sich sonst heute Tour-Etappensieger nennen könnte? Schachmann glaubt, dass er ohne den Substanzverlust durch die Verletzung seine Solofahrt auf der 13. Etappe hätte krönen können. Den Moment im September, als der spätere Tagessieger Daniel Martinez ihn am finalen Anstieg eingeholt hatte, beschreibt Schachmann als seinen schwärzesten im Jahr 2020.

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          So bleibt der strahlendste Moment, als er im März in beeindruckender Manier – er eroberte das Gelbe Trikot am ersten Tag und gab es nicht mehr ab – das prestigeträchtige einwöchige Rennen Paris–Nizza gewonnen hatte. Als Europa zu Pandemiebeginn in den ersten Lockdown ging, war Paris–Nizza quasi das letzte Sportereignis von Rang, das noch zu Ende gebracht wurde. Schachmann erinnert sich noch gut daran, wie der ganze Tross Präsident Macrons damalige Rede zur Nation verfolgte und davon ausging, am nächsten Tag nicht mehr aufs Rad steigen zu dürfen. Es kam anders.

          Schachmanns Ambitionen

          Bei der an diesem Sonntag (13.05 Uhr) in Saint-Cyr-L’École beginnenden 79. Ausgabe des Etappenrennens geht Schachmann also als Titelverteidiger an den Start. Nun ist der Wahl-Schweizer kein Typ, der zum Understatement neigt. Aber er hat gute Gründe zu sagen, dass es „schwer wird“, beim sogenannten Rennen zur Sonne den Platz an der Sonne zu behaupten.

          Nachdem Schachmann bei der Valencia-Rundfahrt schon vor Ort war, ehe sie pandemiebedingt doch abgesagt wurde, ist Paris–Nizza nun sein Saisoneinstieg. Mit all den Unwägbarkeiten, welche die ersten Rennkilometer mit sich bringen. „Was ich weiß: Ich war fleißig über den Winter“, so Schachmann, der mit einem Höhentrainingslager in der Sierra Nevada in den Beinen anreisen wird. „Ich werde mich nicht außergewöhnlich stressen. Auch ein Top-5-Resultat wäre sehr stark.“

          Denn das Team Bora-hansgrohe unterstützt nicht nur seinen Frontmann für die Gesamtwertung, sondern strebt mit Sprinter Pascal Ackermann und seinen Helfern auch Tagessiege im flachen Gelände an. Und auch die Konkurrenz schickt namhafte Vertreter in das Umland von Paris. Das Team Jumbo-Visma wird angeführt vom Tour-Zweiten und Vuelta-Sieger des vergangenen Jahres, Primoz Roglic.

          „Es werden nicht alle topfit sein“

          Die Mannschaft Ineos geht mit Giro-Sieger Tao Geoghegan Hart und Altmeister Richie Porte als Doppelspitze in das Rennen, das meist nur durch wenige Sekunden Vorsprung entschieden wird. „Es werden nicht alle topfit sein“, sagt Schachmann. Ein Radsportjahr wie das vergangene, als jedes Rennen zur Vollgasveranstaltung wurde, weil jeder während der Pandemie fuhr, als ob das jeweilige Rennen auch das letzte ist, erwartet Schachmann nicht.

          „Auf diese Weise kann man nicht sechs Monate am Stück fahren. Weil viele Rennen stattzufinden scheinen, haben sich die Fahrer und Teams wieder beruhigt“, so der Berliner. Zwar haben diverse Rennabsagen auch 2021 wieder eine Spur durch den Rennkalender gezogen. Doch die wichtigsten Wettkämpfe mit WorldTour-Status sind bislang kaum betroffen.

          Mit dem Sieg bei Paris–Nizza hat Schachmanns Name international enorm an Strahlkraft gewonnen. Erstaunlich für einen, der immer noch nicht weiß, welcher Typ Rennfahrer er überhaupt sein will. Bei der Suche nach einem festen Profil will er sich weiter Zeit lassen. Will er Klassiker-Fahrer, Etappen-Jäger bei den großen Landesrundfahrten oder doch Kapitän bei Tour und Co. werden?

          Oder braucht es überhaupt eine Spezialisierung für einen, der fast alles kann? Schachmann, der bis Ende 2024 an Bora-hansgrohe gebunden ist, neigt dazu, im Sattel weiter ein Kesselchen Buntes anzurühren. „Es lief ja nicht schlecht. Vielleicht ist es gut, dass ich mich auf nichts einschieße. Das Team ist froh darum, dass ich universell einsetzbar bin und auf verschiedenen Ebenen abliefere“, sagt er.

          Ackermann verpasst Sieg beim Auftakt von Paris-Nizza

          Pascal Ackermann hat den erhofften Tagessieg zum Auftakt der traditionsreichen Rad-Fernfahrt Paris-Nizza deutlich verpasst. Der 27-Jährige musste sich im Massensprint nach 166 Kilometern mit Start und Ziel im westlich von Paris gelegenen Saint-Cyr-l'École mit Platz sechs begnügen. Den Sieg sicherte sich der Ire Sam Bennett souverän vor dem französischen Meister Arnaud Démare und Dänemarks früherer Weltmeister Mads Pedersen.

          Vorjahressieger Maximilian Schachmann kam mit dem Hauptfeld ins Ziel. Im ansteigenden Finale wurde Ackermann von seinem Bora-Teamkollegen Jordi Meeus perfekt in Szene gesetzt und führte bis kurz vor der Ziellinie, bevor ihn die Kräfte verließen. Phil Bauhaus als Siebter, Routinier André Greipel auf Platz neun und John Degenkolb als Zwölfter rundeten das aus deutscher Sicht solide Ergebnis ab. Das Rennen endet am 14. März nach acht Etappen in Nizza. (dpa)

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