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Rainer Seele (rse.)

Radsport-Kommentar : Verdorrte Landschaften

  • -Aktualisiert am

Steht bald alles still? Dem Rennstall Milram droht das Aus Bild: picture alliance / dpa

T-Mobile, Gerolsteiner, nun wohl Milram - die Radsport-Szene in Deutschland wurde zuletzt arg ausgedünnt. Diese Entwicklung kommt allerdings nicht überraschend. Potentielle Geldgeber haben Angst vor dem Thema Doping. Einen Lichtblick gibt es aber doch.

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          Nicht, dass mit dem Radsport generell kein Geschäft mehr zu machen wäre, es gibt ja noch einige blühende Landschaften. Man muss nur die passende Einstellung zu diesem Metier haben. Wie Andy Rihs, Schweizer Unternehmer, partout nicht abzuschrecken durch die ständigen Störfälle in diesem Sport. Rihs war früher schon mal mittendrin - beim Team Phonak, das allerdings unterging, wegen Floyd Landis und wegen Doping.

          Sei's drum, jetzt ist Rihs wieder zurückgekehrt, mit BMC Racing, mit Weltmeister Cadel Evans und mit einem üppigen Budget. Vor kurzem ist zwar ein Fahrer seines neuen Teams, der Schweizer Thomas Frei, des Dopings überführt worden. Aber dadurch lässt sich ein Mann wie Rihs doch nicht stoppen. Er verkauft Hörgeräte, Rennräder und andere Dinge, und er findet, der Radsport sei dafür ein prächtiges Vehikel.

          So ist das also in manchen Ländern, nur in Deutschland nicht, da gibt es keinen unerschrockenen Mann wie Rihs - und deswegen wird demnächst hierzulande vermutlich die große Dürre im Radsport herrschen. Die Szene ist mehr und mehr ausgedünnt worden in den vergangenen Jahren, es war ein rasanter Niedergang: T-Mobile verschwunden, das Team Gerolsteiner aufgelöst, nun steht das Team Milram vor dem Ende.

          Das Gewerbe ist, das zeigt sich gerade, voller Fallstricke

          Diese Entwicklung kommt allerdings nicht überraschend. Immerhin verlor Deutschland, das 1997 einen Tour-Sieger gefeiert hatte, der nun als gefallener Star dasteht, zuletzt schon manche Rennen, etwa die Deutschland-Rundfahrt. Auch da hatten die Sponsoren sich nach den Dopings-Skandalen in der jüngeren Vergangenheit zurückgezogen. Dass für das Team Milram die Zeichen auf Stopp stehen, dürfte ebenfalls mit der Furcht potentieller Geldgeber zusammenhängen, durch die Doping-Diskussionen im Radsport in Misskredit gezogen zu werden - in Deutschland schließlich wird diese Debatte wesentlich heftiger geführt als in anderen Nationen.

          Gerry van Gerwen, niederländischer Besitzer des Teams Milram, dürfte neidisch sein auf Rihs, vielleicht auch auf Bjarne Riis, der den Fortbestand seines dänischen Rennstalls soeben gesichert hat - allerdings verfügt er auch über eine größere sportliche Schlagkraft als die deutsche ProTour-Equipe, die die Erwartungen selten erfüllt hat. Immerhin hatte es dort einige Arbeitsplätze für deutsche Rennfahrer gegeben, auch für jüngere.

          Natürlich lässt sich auch anderswo Karriere machen, zu sehen an Tony Martin, der zwar bei der Tour de France in einem Tief steckt, sich aber bei HTC Columbia gut aufgehoben fühlt. Grundsätzlich könnte der deutsche Nachwuchs in seiner Entwicklung gehemmt werden, sollte Deutschland tatsächlich aus der ersten Radsport-Liga verschwinden. Düstere Zeiten also für die nationale Zunft, obwohl es inzwischen wieder einen kleinen Lichtblick gibt: Das Team NetApp, derzeit noch Drittklässler, will aufsteigen und 2012 bei der Tour starten. Aber welche Gewähr bietet der deutsche Radsport noch? Das Gewerbe ist ja, das zeigt sich gerade wieder, voller Fallstricke.

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