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Rainer Seele (rse.)

Radsport-Kommentar : Überrollt von den Altlasten

  • -Aktualisiert am

Aus für einen Radrennstall: HTC-Highroad mit Tony Martin Bild: dpa

Der Radsport ist immer noch ein sehr heikles Geschäft; man darf dies trotz all der Faszination, die diesem Sport grundsätzlich eigen ist, nicht außer Acht lassen. Die krummen Touren lassen sich vielleicht eindämmen, aber keineswegs ausrotten.

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          Der Radsport ist immer noch ein sehr heikles Geschäft; man darf dies trotz all der Faszination, die diesem Sport grundsätzlich eigen ist, nicht außer Acht lassen. Die krummen Touren lassen sich vielleicht eindämmen, aber keineswegs ausrotten. Deshalb ist nachzuvollziehen, dass Unternehmen, die mit einem Engagement im Sport liebäugeln, sich genau überlegen, ob sie ihr Geld tatsächlich in Radprofis investieren wollen - und sich im Zweifel lieber anderen, vermeintlich "reineren" Sportarten zuwenden.

          Der Radsport schleppt nicht nur die zahlreichen Dopingskandale der vergangenen Jahre als schwere Bürde mit sich. Er wird nun auch durch undurchsichtige, sich in die Länge ziehende Affären wie den Fall Alberto Contador belastet. Dazu beeinträchtigen ihn positive Befunde wie jener, über den bei der zurückliegenden Tour de France der Russe Alexander Kolobnew stolperte. Das verfestigt in der Öffentlichkeit den Eindruck von einem manipulierten Sport.

          Obwohl doch auch festzuhalten ist, dass der Radsport - unter öffentlichem Druck - sich im Anti-Doping-Kampf offensichtlich stärker einsetzt als andere Sportverbände. Und dass ein mutmaßlicher Betrüger wie Kolobnew dies nun zu spüren bekommen hat, allerdings vorerst als einziger Radprofi bei der Tour 2011. Vielleicht existiert im Radsport inzwischen ja wirklich eine Allianz der Vernunft. Auch einige Profimannschaften positionieren sich eindeutig - als angebliche Speerspitzen in dem Bemühen, energisch gegen Doping vorzugehen.

          Dazu zählt just das Team HTC-Highroad, das nun vor der Auflösung steht (siehe: Radprofi Tony Martin: Aufstieg trotz Niedergang). Zwar beschäftigt es einen früheren Dopingsünder wie Rolf Aldag, aber wie der amerikanische Teameigner Bob Stapleton tritt nun auch der vermeintlich reuige Westfale resolut für einen sauberen Radsport ein. Was, erstaunliche Erscheinung, keinesfalls bedeutet, chancenlos zu sein, im Gegenteil: HTC-Highroad errang bereits mehr als 480 Siege. Stapleton und Co. heimsen auf alle Fälle für ihren Standpunkt einige Anerkennung in der Branche ein, zum Beispiel von Jonathan Vaughters vom Team Garmin-Cervelo, der ebenfalls behauptet, eine Philosophie der Erneuerung zu verfolgen.

          Indiz für anhaltende Schwäche

          So scheint es, dass mit HTC-Highroad auch wieder ein Stückchen Glaubwürdigkeit aus dem Radsport verschwinden würde. Und es ist Ironie des Schicksals, dass damit sogar Lance Armstrong, in den Vereinigten Staaten hartnäckig von den Dopingjägern attackiert, etwas zu tun haben könnte. Schließlich ist Stapletons Equipe stark auf den amerikanischen Markt fixiert, der momentan jedoch - wegen der Verwerfungen um den Texaner Armstrong - offenbar nicht sonderlich ergiebig ist für ein Radteam auf der Suche nach frischem Geld.

          Der Niedergang eines Rennstalls wie HTC-Highroad mutet somit als ein Indiz dafür an, dass die neue Bewegung im Radsport noch längst nicht stark genug ist, um in jedem Fall gegen die dunklen Mächte anzukommen.

          Rainer Seele
          Sportredakteur.

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