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Rainer Seele (rse.)

Radsport-Kommentar : Rote Karte für Astana

  • -Aktualisiert am

Ausgebremst: Das Radsportteam Astana um Tour-Sieger Nibali (in Gelb) Bild: AFP

Der Internationale Radsportverband UCI schließt Astana aus der ersten Liga aus. Der Verlust eines Protagonisten wie Tour-Sieger Nibali könnte ein Gewinn sein. Zu verdanken haben es die Kasachen ihrem Vorradler Winokourow.

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          Schöne Nachricht aus der Schweiz! Das muss an dieser Stelle auch mal gesagt werden. Nachdem der Internationale Radsportverband (UCI), der seinen Sitz in Aigle im Kanton Vaud hat, häufig schon an den Pranger gestellt wurde, jeweils aus gegebenem Anlass. Nun aber muss man der UCI doch Mut zu konsequentem Handeln bescheinigen, zumindest im Fall des seit langem schlecht beleumundeten Teams Astana um Tour-Sieger Vincenzo Nibali.

          Für die Kasachen scheinen die Zeichen nun auf Rot zu stehen, in jedem Fall den erstklassigen Radsport betreffend. Weil es offenbar doch fortgesetzte Betrügereien gegeben hat, wie die UCI unter der Führung des Briten Brian Cookson, der mehr Ehrlichkeit und Transparenz in den Radsport bringen möchte als seine Vorgänger, jetzt endgültig klar geworden zu sein scheint durch eine Untersuchung des Instituts für Sportwissenschaft der Universität Lausanne.

          Das Ergebnis überrascht nicht, nachdem zuvor bereits fünf Doping-Fälle rund um das Team Astana bekannt geworden waren, inklusive seiner Continental-Mannschaft. Und Recherchen der Staatsanwaltschaft Padua ergeben hatten, dass die Kasachen um ihren dubiosen Teamchef Alexander Winokurow offensichtlich enge Kontakte zu dem auf Lebenszeit gesperrten Doping-Arzt Michele Ferrari („Dottore Epo“) pflegten. Auch die frische Ferrari-Akte ist ein Hinweis darauf, dass der Radsport immer noch ziemlich verdorben zu sein scheint, und es ist davon auszugehen, dass dies nicht allein eine kasachische Angelegenheit ist.

          Spezielles kasachisches Radsportsystem

          Der einstige Doping-Sünder Winokurow hatte, den Gepflogenheiten der Branche folgend, auch die neuen Vorwürfe immer wieder strikt zurückgewiesen und sogar von einem Wandel im Radsport gesprochen, ohne dabei jedoch besonders glaubwürdig zu wirken. Jetzt ist das spezielle kasachische Radsport-System, an dessen Aufbau Winokurow entscheidend beteiligt war, mit großzügiger Unterstützung des Regimes, offensichtlich entlarvt worden. Das muss ein ermutigendes Signal auch für deutsche Radprofis wie Marcel Kittel, John Degenkolb oder Tony Martin sein, die wortgewaltig einen sauberen Radsport propagieren. Und Deutschland durch ihr Auftreten, ob mit oder ohne Rad, wieder eine Equipe der höchsten Kategorie bescherten.

          Das Metier aber, das ist ihnen bewusst, wird weiterhin scharf und argwöhnisch beobachtet werden. Das ist das nicht zuletzt das „Verdienst“ von Männern wie Winokurow, die von alten Verhaltensmustern nicht loslassen wollen. Um so wichtiger ist es, dass die UCI sich jetzt bewegt und auch durchgreift. Selbst wenn die Tour de France 2015 dadurch, wie es den Anschein hat, einen ihrer Protagonisten verlieren wird. Aber das kann man ohne weiteres auch als einen Gewinn betrachten.

          Rainer Seele
          Sportredakteur.

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