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Rainer Seele (rse.)

Radsport-Kommentar : Bassos Häutung

  • -Aktualisiert am

Guter Basso, böser Basso: jetzt wird wieder munter in die Pedale getreten Bild: AP

Munter wird in die Pedale getreten, die Räder müssen sich weiterdrehen. Die Familie nimmt alle wieder auf: Erst Basso, bald wohl auch Armstrong, Winokurow, Landis. Nur Bordry nervt, der Anti-Doping-Störenfried.

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          Vorwärts, Freunde, rasch zurück in die Zukunft, die Räder müssen sich schließlich weiterdrehen. Egal in welche Richtung. So lächelt die Sonne nun auch Ivan Basso wieder zu, am Sonntag gibt der Italiener sein Comeback, fernab der Heimat, beim Japan-Cup. Das ist gewiss ein sporthistorischer Moment, jedenfalls für Basso, dem dieser Satz zugeschrieben wird: „Jetzt beginnt meine zweite Karriere.“

          Ein einschneidendes Erlebnis, zweifelsohne, denn so einfach ist dies nicht für den gebeutelten Radprofi; nein, Basso scheint sehr aufgewühlt zu sein. Er hat ja nun auch einen tiefen Blick in sein Seelenleben gewährt und betont, dass am Anfang sicherlich ein peinliches Gefühl da sein werde, „wegen meiner Dopingsünde“. Schwamm drüber, Ivan, war doch gar nicht so schlimm.

          Jeder irgendwie geschlagen vom Schicksal

          Zwar hat Basso beutelweise Blut deponiert bei dem Arzt Eufemiano Fuentes, und tatsächlich wollte er sich damit bei der Tour de France 2006 dopen, aber er hat den Betrug dann doch nicht begangen - oder sollte man an Bassos Worten zweifeln? Man versucht sich vorzustellen, wie er damals von starken Gewissensbissen geplagt wurde, wie er schließlich - sehr tapfer - der Versuchung widerstanden hat. Man mochte nicht in seiner Haut stecken.

          Vorbei die schlimmen Zeiten, endlich, jetzt wird wieder munter in die Pedale getreten, die Familie nimmt all jene, die mal vom rechten Weg abgekommen sind, gerne wieder auf. Erst Basso, bald vermutlich auch Lance Armstrong, Alexander Winokurow oder Floyd Landis. Es dürfte sehr spannend sein zu beobachten, wie diese Profis 2009 einander im Peloton wieder begegnen, wie sie sich vielleicht verständnisvoll zuzwinkern, jeder irgendwie geschlagen vom Schicksal, wie sie sich angeregt unterhalten, etwa über die Ungerechtigkeiten dieser Welt.

          Pat McQuaid, der Vater Beimer des Radsports

          Gut, dass es da noch jemanden gibt, der ihnen sehr nahesteht, sozusagen als eine Art Vater Beimer des Radsports. Der Ire Pat McQuaid meint es wirklich sehr gut mit den Sportsfreunden, gerade hat der Präsident des Internationalen Radsportverbandes dies wieder kundgetan: bloß keine nachträglichen Untersuchungen von Doping-Proben auf den Wirkstoff Cera mehr, wäre doch sinnlos und zu teuer. Und überhaupt: Man müsse nach vorne schauen. Alles andere, sagte McQuaid, wäre eine Verhöhnung des Radsports. Und wer will so etwas verantworten?

          Jetzt muss der Ire nur noch einen Franzosen namens Pierre Bordry in den Griff kriegen, der partout nicht klein beigeben will. Bordry leitet die französische Anti-Doping-Agentur, er will auch künftig im Radsport so konsequent verfahren wie bei der Tour 2008. Ganz nach der Devise: weiterhin eine aktive Anti-Doping-Politik, nur kein Rückschritt. Immer diese Störenfriede. Papa Pat und seine Freunde müssen auf der Hut sein.

          Rainer Seele
          Sportredakteur.

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