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Radsport : Jedermann ein Star

Von Profis kaum zu unterscheiden: Die Merkur-Radequipe fährt ausschließlich um Siege, nicht um Preisgelder Bild: Merkur Cycling Team

Die Szene wächst rasant: Freizeitradler sind mittlerweile ausgerüstet wie Profis. Sie hauchen einem maladen Sport neues Leben ein - der Boom zieht aber auch Probleme nach sich.

          Markus Adam gehört die Druckerei Merkur in Norderstedt, Umsatz um die zehn Millionen Euro im Jahr. Im Nebenjob und als Hobby managt und finanziert er eine Radequipe. Mit seinem Merkur Cycling Team hat er gerade die deutsche Meisterschaft gewonnen, seine Teamfahrerin Beate Zanner hat bei den Frauen die Einzelwertung für sich entschieden. Sein schnellster Mann, Daniel Knyss, ist bei den Männern Zweiter geworden. Es war eine erfolgreiche Saison für Merkur. Jetzt ist ein Monat Pause, dann beginnt die Vorbereitung auf das nächste Jahr, und Adam ist sicher, dass es dann weiter aufwärtsgeht. Neue Partner stoßen zum Team; überhaupt, sagt Adam, sei das Sponsoreninteresse äußerst erfreulich. Der Sport boome, die Bedingungen würden immer besser.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Reden wir hier über Straßenradsport? Über eine Disziplin, die nach all den Doping-Skandalen besonders in Deutschland ein Image hat, das schlechter nicht sein könnte? Über eine Disziplin, der angesichts ungezählter Doping-Skandale die Sponsoren in Scharen davongelaufen sind? Ja, davon reden wir. Aber wir reden nicht über Profis, wir reden über Jedermänner, über eine Szene, die dem maladen Radsport neues Leben einhaucht. „Wir müssen diesen schönen Sport von unten neu aufstellen“, sagt Adam. „Ich hatte auch mal über ein Continental-Profi-Team nachgedacht, aber das macht keinen Sinn mehr. Bei mir ist, was Profis angeht, der Stecker gezogen. Wir brauchen wieder Spaß am Radsport.“

          Enormer Standard

          Im September 2010 hatte Adam ein Casting für ambitionierte Jedermänner ausgeschrieben. Er bekam Hunderte von Bewerbungen und suchte zwanzig Fahrer aus, „nach sportlichen Aspekten, aber auch nach Vita und Kreativität“. Sechzehn von ihnen gingen 2011 in die erste Merkur-Saison, vom Azubi bis zum Rechtsanwalt, von 22 bis 54 Jahre alt. Vierzehn Fahrer waren es in dieser Saison, Beate Zanner ist die einzige Frau im Team. „Vor zwei Jahren“, sagt Adam, „wurden wir belächelt.“ Heute ist Merkur das Vorbild. Das Team ist längst nicht mehr die einzige ernstzunehmende Jedermann-Equipe, mindestens fünf Topteams starten bei der German Cycling Tour. Topsponsoren sind Versicherungen, eine Stahlgießerei, Bauunternehmen, Radfirmen. Der Standard ist enorm. Im nächsten Jahr fahren die Merkur-Radler mit Bianchi-Rennmaschinen, mit Aerycs-Carbonlaufrädern, mit Odlo-Klamotten, mit Uvex-Helmen, mit bestem Material, das auf dem Niveau von professionellen Tour-de-France-Teams liegt. Und natürlich fehlen auch zwei Trainingslager pro Jahr auf Mallorca nicht, auch nicht eine professionelle Trainingssteuerung, für die der ehemalige Profi Enrico Poitschke zuständig ist.

          Günther Ganter war einer der Ersten, der das Potential der Jedermann-Idee im Radsport erkannte. Vor sechs Jahren, lange vor Beginn des Booms, gründete der Kölner die Internet-Seite challenge-magazin.com, auf der sich alles um die Jedermann-Szene dreht. Der ehemalige Rennfahrer hatte bei einem Urlaub in Italien die dort seit Jahrzehnten etablierte Granfondo-Radszene kennengelernt - jedermann auf Italienisch und höchstem Niveau. Die großen Granfondos werden im italienischen Fernsehen übertragen, die Sieger bekommen bis zu 10.000 Euro Preisgeld, Ferrari stellt das Führungsfahrzeug, Sponsoren stehen Schlange.

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