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Radsport : Jaksches Rat an Kohl: „Klappe halten“

  • Aktualisiert am

Guter Rat an Bernhard Kohl, harte Kritik an Michael Holczer: Jörg Jaksche Bild: ZB

Die Kritik an ARD und ZDF wegen ihres Ausstiegs aus der Tour-de-France-Berichterstattung nimmt nicht ab. Unterdessen riet Dopingsünder und Kronzeuge Jörg Jaksche dem erwischten Bernhard Kohl von einem umfangreichen Geständnis ab.

          Die internationale Vereinigung der Profi-Radfahrer (CPA) hat den von einigen Medien über ihren Sport verhängten Boykott kritisiert. „Es ist eine unfaire und unverantwortliche Entscheidung von einigen Medien, den Sport zu boykottieren“, teilte die CPA unter Vorsitz des früheren Profis Cedric Vasseur mit. Die Kritik dürfte sich zu einem Großteil an ARD und ZDF richten, die vergangene Woche ihren Ausstieg aus der Live-Berichterstattung über die Tour de France beschlossen hatten.

          Der Radsport kämpfe wie keine andere Sportart gegen Doping, heißt es in der Mitteilung. Neben der Einführung des Blutpasses nähmen alle Sportler am Abmeldesystem Adams teil. Die Kontrollen nach jedem Rennen seien rigoros organisiert, und jeder Fahrer müsse sämtliche Arztbesuche in seinen Medizinpass eintragen. „Die CPA bereut, dass alle anderen Sportarten dem Radsport im Kampf gegen das Doping nicht folgen“, heißt es.

          „Nur dann wäre er im Peloton wieder willkommen“

          ARD und ZDF hatten sich nach den jüngsten Doping-Fällen der beiden früheren Gerolsteiner-Profis Stefan Schumacher (positive A-Probe) und Bernhard Kohl von der Tourberichterstattung zurückgezogen. Der sportliche Wert sei nach den Skandalen der Vergangenheit nicht mehr gegeben.

          Unterdessen hat der frühere Radprofi Jörg Jaksche dem bei der Tour ertappten Österreicher Kohl wegen eigener schlechter Erfahrungen von einem umfassenderen Geständnis abgeraten. „Möchte er wieder Rad fahren, dann soll er im eigenen Interesse die Klappe halten und die zweijährige Sperre auf sich nehmen. Nur dann wäre er im Peloton wieder willkommen“, sagte Jaksche auf der Internetseite des Österreichischen Rundfunks.

          Jaksche wurde als Nestbeschmutzer bezeichnet

          Der ehrliche, andere Weg sei lang und gefährlich, beschwerlich und im Endeffekt für niemanden effektiv. Jaksche hatte 2007 ein umfassendes Geständnis über seine eigene Doping-Vergangenheit abgelegt. Nach dem Ende seiner Sperre wurde er von einigen Teammanagern jedoch als Nestbeschmutzer bezeichnet und beendete seine Karriere.

          Kohl hatte vergangene Woche Doping mit Cera gestanden und angekündigt, die Hintermänner zu nennen. Der Österreicher nahm seinen Manager Stefan Matschiner in Schutz. Matschiner habe ihm nicht das verbotene Epo-Präparat Cera besorgt. Zuvor hatte Kohl bereits erklärt, Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer habe nichts von seinem Doping-Vergehen gewusst.

          „Holczers Verhalten? Das finde ich sehr grenzwertig“

          Jaksche warf Holczer allerdings vor, Kohl ein unmoralisches Angebot gemacht zu haben. Holczer hatte seinen Fahrer aufgefordert, die Hintermänner zu nennen, und erklärt, dann könne man sich auch über die Schadensersatzansprüche unterhalten.

          „Herr Holczer war eine jener Personen, die gegen uns Kronzeugen geschossen haben. Jetzt sind ihm die Kronzeugen recht, weil sie sein Image theoretisch aufpolieren könnten. Das finde ich sehr grenzwertig“, sagte Jaksche. Kohl habe Gerolsteiner nicht mehr geschadet als der ebenfalls verdächtigte Stefan Schumacher. Der schweigt bisher zu den Vorwürfen des Epo-Missbrauchs und zweifelt die nachträglichen Doping-Tests an.

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