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Radsport in Corona-Krise : Schafft es der Giro bis ins Ziel?

  • -Aktualisiert am

Abschiedsgruß: Simon Yates musste sich vom Giro zurück ziehen Bild: dpa

Mitfavorit Simon Yates infiziert sich mit dem Coronavirus und muss beim Giro aussteigen. Ohnehin steht die Rundfahrt unter keinem guten Stern. Nun ist fraglich, ob es der Tross überhaupt bis nach Mailand schafft?

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          Dem Giro d’Italia geht das Spitzenpersonal aus. Auf der dritten Etappe stürzte der ehemalige Tour-Sieger Geraint Thomas über eine weggeworfene Trinkflasche und erlitt einen Beckenbruch. Der tapfere Waliser quälte sich mit seinen Blessuren noch den Ätna hinauf, was ihm viel Respekt verschaffte. Mit mehr als zwölf Minuten Rückstand war er aber aus dem Rennen um den Gesamtsieg. Der Weg schien frei zu sein für Landsmann Simon Yates.

          Dessen Team Mitchelton-Scott hatte die Schwächephase von Thomas am Ätna brutal auszunutzen versucht. Yates’ Helfer machten zwar Druck. Aber der Kapitän büßte mehr als drei Minuten ein. „An der Stelle der anderen Klassementfahrer würde ich jetzt auch nicht mehr auf mich achten“, sagte Yates mit einer gesunden Prise britischen Humors. Ganz wollte er den Gedanken an einen Gesamtsieg aber auch nicht aufgeben: „Man muss immer kämpfen. Die letzte Woche wird brutal. Da sind schneller zehn Minuten weg als jetzt drei.“ Mittlerweile aber hat es sich ausgekämpft für Yates. Bei ihm wurde am Freitagabend Covid-19 diagnostiziert. „Wir bedauern es, dass ein weiterer Protagonist dieses Rennens weg ist. Aber die Gesundheit geht vor“, sagte Giro-Direktor Mauro Vegni zum Abgang von Yates. Vegni erklärte auch, dass alle Mitglieder des Teams seit dem positiven Befund von Yates dreimal getestet worden waren. Alle Tests blieben negativ. Vegni wertet dies als ein Zeichen, dass es keinen Infektionsherd im Rennstall gibt.

          Wie lange Yates schon infiziert war, ist unklar. Am Freitagabend klagte er über Kopfschmerzen. Auf Anfrage des Teams ließ Giro-Organisator RCS einen Schnelltest vornehmen. Der brachte ein positives Ergebnis, das durch einen folgenden PCR-Test bestätigt wurde. Vegni nutzte diesen Umstand für eine Kritik an den Hygieneregeln des Radsport-Weltverbands. „Wären wir dem Reglement gefolgt, hätten wir erst am Samstagmorgen den PCR-Test zu einem Labor nach Mailand geschickt. Während wir auf die Antwort gewartet hätten, wäre Yates gestartet. Mit unseren Schnelltests konnten wir die Situation aber klären“, sagte Vegni.

          Giro-Direktor Mauro Vegni: „Wir wollen nach Mailand kommen, alle hier beim Giro.“
          Giro-Direktor Mauro Vegni: „Wir wollen nach Mailand kommen, alle hier beim Giro.“ : Bild: dpa

          Der Schnelltest hat den Giro vielleicht vor einer größeren Infektionskette bewahrt. Komplette Entwarnung mochte Vegni aber nicht geben: „Alles hängt nun von den obligatorischen Tests am Sonntag und am Ruhetag am Montag ab.“ Vegni versicherte auch, dass zum Start der 10. Etappe am Dienstag nur Fahrer mit einem Testergebnis, und dann natürlich einem einwandfrei negativen, antreten dürften.

          Mit Yates’ Abschied setzt sich die Pechsträhne für die Organisatoren des Giro fort. Viele Klassementfahrer strichen wegen der zeitlichen Nähe von Tour und Giro die Italien-Rundfahrt aus ihrem Kalender. Auch die meisten Klassikerspezialisten blieben dem Giro wegen der parallel ausgetragenen Eintagesrennen fern. Allerdings werden nicht alle geplanten Klassiker stattfinden. Das Amstel Gold Race und Paris–Roubaix wurden wegen der erhöhten Infektionszahlen abgesagt. Anderen Rennen kann dies auch drohen. Dem Giro ebenso. Renndirektor Vegni hält aber weiter am Ziel Mailand fest. „Wir wollen nach Mailand kommen, alle hier beim Giro, die Teams eingeschlossen.“

          Immerhin führt die dünne Besetzung beim Giro auch zu erfreulichen Momente. Der Jugendtrend im Radsport setzt sich fort. Gleich 45 der noch im Feld verbliebenen 162 Fahrer sind noch unter 25 Jahre alt. Das Rosa Trikot war bisher in den Händen des Nachwuchses. Vom 24-jährigen Filippo Ganna ging es auf den 22-jährigen João Almeida über. Giro-Debütant Almeida gilt als Rundfahrttalent. „Ich mag die langen Berge und verteidige mich gut auf den kurzen, explosiven Anstiegen“, charakterisierte sich der Portugiese. Er wetteiferte vor zwei Jahren noch in der U23 mit dem frischgebackenen Toursieger Tadej Pogacar, ebenfalls Jahrgang 1998. Jetzt könnte Almeida das einstige Jugendduell in ein Fernduell mit Pogacar umwandeln.

          Den verbliebenen „alten Herren“ im Peloton schwant schon Schlimmes. „Wir können nicht ausschließen, dass er bis Mailand durchhält. Wir müssen ihn als Gegner ernst nehmen“, sagte Paolo Slongo, Trainer von Altmeister Vincenzo Nibali. Der frühere Toursieger ist – neben dem ehemaligen Weltmeister Peter Sagan – der letzte verbliebene Star des Giro.

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