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Radsport : Die Vuelta sieht bald Rot

  • -Aktualisiert am

Alejandro Valverde gewann die Vuelta - doch uneingeschränkter Jubel ist dem Spanier nicht sicher Bild: AP

Alejandro Valverde gewann die spanische Landesrundfahrt Vuelta. Während er im Ausland sehr stark in der Kritik steht, lieben ihn die Landsleute. Doch das Doping-Thema fährt immer mit - auch weil wieder zwei Spanier überführt wurden.

          Die „Vuelta a España“, die dritte der drei großen Radrundfahrten, ist in diesem Jahr nicht eben spannend verlaufen – dennoch hatte Spanien seine Freude daran, vor allem wegen des Sieges von Alejandro Valverde. Er ist ein sehr umstrittener Mann außerhalb Spaniens; er wird mit unlauteren Praktiken in Verbindung gebracht und darf in Italien vorläufig nicht starten. Viele Kritiker wünschten sich ein generelles Fahrverbot für Valverde, seine Landsleute aber stehen fest zu ihm. Bei der Vuelta trug Valverde von der zehnten Etappe an das Goldene Trikot des Ersten in der Gesamtwertung; er hat es mit Geschick verteidigt, er wehrte viele Angriffe ab.

          Valverde hatte im Sommer nicht an der Tour de France teilnehmen können, weil die große französische Rundfahrt ein Stück durch Italien führte und er vom italienischen Radsportverband wegen seiner vermeintlichen Kontakte zu dem spanischen Arzt Eufemiano Fuentes gesperrt ist. Valverde war auch vor Jahren für Doping-Kontrolleure nicht erreichbar – aber zu einer Tageszeit, in der in Spanien die Sportler nicht für solche Tests erreichbar sein mussten.

          Auf ihrer Kabinettssitzung am vorigen Freitag hat die spanische Regierung jetzt die für Kontrollen vorgesehenen Zeiten geändert: Sie sind jetzt von 6 bis 23 Uhr möglich, vorher hatte eine Zeitspanne von 8 bis 23 Uhr gegolten. Mit der Änderung habe die Regierung die Empfehlungen der Welt-Anti-Doping-Agentur umgesetzt, hieß es. Außerdem sollen so die Aussichten der Stadt Madrid, die Olympischen Spiele 2016 zu veranstalten, besser werden.

          „Verstoß gegen die öffentliche Gesundheit“

          Just am Freitag waren auch Doping-Fälle bei der Portugal-Rundfahrt bekanntgeworden – und wieder war davon auch der spanische Radsport betroffen. Unter den drei in Portugal mutmaßlich gedopten Profis waren neben dem portugiesischen Rundfahrtssieger Nuno Ribeiro die beiden Spanier Hector Guerra und Isidro Nozal. Guerra war für die Weltmeisterschaften in der kommenden Woche in Mendrisio in der Schweiz vorgesehen. Alle drei waren früher von Manolo Saiz trainiert worden.

          Saiz hatte unter anderen auch die Mannschaft von Once/Deutsche Bank betreut. Er wurde während der Operation Puerto verdächtigt, mit Fuentes zusammengearbeitet zu haben, den man jetzt zumindest wegen des „Verstoßes gegen die öffentliche Gesundheit“ belangen will. Die Doping-Problematik macht selbstredend auch der Spanien-Rundfahrt zu schaffen.

          Die Equipe „Galicien-Jakobsweg“ hat gerade ihren kolumbianischen Teamarzt fristlos entlassen, weil dieser für das Doping in Portugal mitverantwortlich gewesen sein soll. Manche Sponsoren haben sich vom spanischen Radsport sicher auch wegen der Doping-Skandale zurückgezogen – so gibt es die Rennställe zweier autonomer Regionen, die der Balearen-Inseln und die Valencias, nicht mehr.

          Ciolek und Grabsch stiegen vorzeitig aus

          Immerhin: Die Vuelta, vom öffentlich-rechtlichen spanischen Fernsehen täglich übertragen, hat über die Jahre einen gewissen Stellenwert behalten – auch weil sie manchen Profis als ideale Vorbereitung auf die nachfolgende WM dient. Auch Valverde will in Mendrisio dabei sein. Deutsche Profis versuchten ebenfalls, sich auf spanischem Boden für Mendrisio in Form zu bringen.

          Dabei stiegen der Sprinter Gerald Ciolek vom Team Milram, der eine Etappe gewann, und Zeitfahr-Weltmeister Bert Grabsch vorzeitig aus. Grabsch steht wie Andre Greipel, der sogar drei Tageserfolge errang und zwei Tage lange das Goldtrikot anziehen durfte, beim Team Columbia unter Vertrag.

          2010 soll der Spitzenreiter das Rote Trikot erhalten

          Zwei wegen Doping verbannte Profis waren nach verbüßter Strafe erstmals wieder bei der Vuelta erschienen: Der Italiener Ivan Basso wurde schließlich Vierter, der Kasache Alexander Winokurow gab vorzeitig auf. Er bemüht sich ja um einen Neuanfang beim Team Astana. Inzwischen wird sogar spekuliert, dass Winokurow dort Teamchef werden könnte. Das würde der Internationale Radsportverband aber nicht akzeptieren; er droht mit Lizenzentzug.

          Auch die Vuelta, die im kommenden Jahr ihr 75-jähriges Bestehen feiert, strebt offenbar nach (kleinen) Veränderungen: 2010 soll der Spitzenreiter das Rote Trikot erhalten.

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