https://www.faz.net/-gtl-t3rj

Radsport : Die stillen Doper

  • -Aktualisiert am

Anti-Doping-Engagement beruht auf privaten Initiativen

Speziell der Rolle des Trainers müsse innerhalb der Doping-Prävention eine besondere Aufmerksamkeit zuteil werden. Doch die Praxis sieht anders aus: Rund 40 Radsport-Trainer, die im vorigen Jahr für die Verlängerung ihrer A-Lizenz eine Fortbildung in Leipzig absolvieren mußten, erhielten zum Beispiel bei dieser Gelegenheit wertvolle Tips. Doping mit Wachstumshormon hGH, dem Wachstumsfaktor IGF1 und dem Nierenmedikament Epo solle man tunlichst unterlassen, denn es sei mittlerweile nachweisbar, erklang es aus dem Mund eines fachkundigen Referenten. Doping-Prävention, Aufklärung über Gefahren und Risiken von Dopingpraktiken? Das hält der für die Fürsorge seiner Mitglieder verantwortliche BDR in seiner Trainerausbildung bislang nicht für nötig. In einigen wenigen Fällen, wie im Radsportverband Rheinland-Pfalz oder beim Radsport-Team Lübeck, beruht das Anti-Doping-Engagement auf privaten Initiativen.

Gert Hillringhaus, in Lübeck für die Radsportjugend verantwortlich, ist Diplom-Ingenieur und als solcher Seiteneinsteiger in den Radsport. Er ist niemals Radrennen gefahren, trainiert aber seit sieben Jahren eine der heute erfolgreichsten Keimzellen im radsportlichen Nachwuchs. „Bislang wurde unser Konzept zur Doping-Prävention nur milde belächelt. Erst jetzt, nach dem Super-GAU im Radsport, wird man auf uns aufmerksam“, sagt Hillringhaus.

Keine Daten zum Doping im Radsport gesammelt

Daß anderswo dem Thema Doping wenig Bedeutung beigemessen wird, verdeutlicht auch der erste entdeckte Epo-Fall im deutschen Sport. Dem Nienburger Radprofi Holger Sievers wurde im Jahr 2002 kurz vor dem Start der Deutschland-Tour, an der er teilnahm, durch eine Trainingskontrolle der Mißbrauch des Nierenmedikaments Epo nachgewiesen. Kein Problem sah man aber offenbar darin, daß er im Jahr darauf, als aktiver Radsportler gesperrt, dennoch als Teamchef einer drittklassigen Mannschaft fungierte, dessen erklärte Absicht es war, Talente aus der Region und junge Rennfahrer an den Profisport heranzuführen.

Ein Überblick über die Verhältnisse im Amateursport ist kaum möglich. Dagegen steht schon die deutsche Gesetzeslage. Im europäischen Ausland hingegen waren zahlreiche Nachwuchs- und Amateurfahrer von Strafverfahren betroffen. So in Italien in den Jahren 2003 und 2004, als unter dem Decknamen „Oil for drug“ die Fahnder in 29 Provinzen fündig wurden. In Frankreich waren es die Städte Reims und Poitiers 1998, Perpignan 2000, noch einmal Reims 2002 und Bordeaux 2005, die den Affären ihre Namen gaben. In allen Fällen wurde die ganze Palette an Medikamenten gefunden, die heute im Profi-Radsport üblich zu sein scheint. In Italien soll im Bereich der Junioren (unter 23 Jahren) verschiedenen Quellen zufolge ein erheblicher Epo-Mißbrauch nachgewiesen worden sein.

Für Deutschland werden keinerlei Daten zum Doping im Radsport gesammelt. Ebenso gibt es keine Erhebung, die unterscheidet, ob positive Dopingproben von Amateuren, Junioren oder Profis stammen. Zudem ist das derzeit aktuelle und in großem Umfang eingesetzte Eigenblut-Doping zwar sportrechtlich verboten, aber nicht nachweisbar. Es ist seit den siebziger Jahren bekannt, verstößt aber in Deutschland gegen kein geltendes Gesetz. Ein Eingreifen der staatlichen Behörden ist somit nicht möglich.

Weitere Themen

Topmeldungen

Proteste in Hongkong : China setzt auf Konfrontation

Der Hass auf Peking hat eine radikale Eigendynamik entwickelt. In Hongkongs Jugend wächst die Sehnsucht nach einer eigenen Nation. Für alle Seiten droht ein bitteres Ende.
Andreas Scheuer am Mittwoch in Berlin

Verkehrsminister Scheuer : Im Porsche durch die Politik

Verkehrsminister Andreas Scheuer hat einen Vorteil, der ihm beim Streit über die Pkw-Maut zum Nachteil gereichen könnte: eine gewisse Lockerheit.

Interview zu Shitstorms : #HASS im Netz

Nutzer überschwemmen seit Jahren Konzerne, Politiker und Privatpersonen mit empörten Kommentaren. Ein Wissenschaftler erklärt, ob man Shitstorms mit mittleralterlichen Prangern vergleichen kann und ob Klarnamen helfen würden.
Der Handelsstreit zwischen den Vereinigten Staaten und China wird nach Ansicht von Fachleuten auf absehbare Zeit im Zentrum des Interesses an der Wall Street stehen.

Wall Street : Die Skepsis am China-Abkommen wächst

Im Handelskonflikt zwischen Amerika und China haben Börsianer wenig Hoffnung auf wirkliche Fortschritte. Der positive Auftakt der Bilanzsaison sorgt zwar für etwas Erleichterung – doch sind noch viele Fragen offen.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.