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Radsport : Der Schattenmann

Andreas Klöden radelte einst in Straburg. Tags darauf soll er zum „Blutwechsel” nach Freiburg gefahren sein Bild: dpa

Andreas Klöden ist die personifizierte Vergangenheit des Radsports - ein Phantom, nicht zu sprechen, nicht zu greifen, nicht zu orten. Es sind nicht nur erdrückende Indizien, die gegen ihn sprechen, es ist auch seine Art, mit Doping-Vorwürfen umzugehen.

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          Mal angenommen, Andreas Klöden würde die Tour de France gewinnen, die am kommenden Samstag in Monte Carlo startet: Wo würden sich die Fans zum Autokorso aufmachen? Wo bräche der große Radsportboom los? Drei Möglichkeiten: in Kasachstan, dort ist der Sponsor von Klödens Team Astana zu Hause, in der Schweiz, dort lebt er mit seiner Familie, oder in Deutschland, dort, in Mittweida in Sachsen, ist er 1975 geboren. Die Wahrscheinlichkeit, dass es in der Schweiz oder in Kasachstan zu heftigen Begeisterungsstürmen käme, ist relativ gering - in Deutschland ist sie gleich null. Selbst ein Triumph bei der Tour de France würde dem 34 Jahre alten Klöden nichts nutzen. Er kann im Radsport nichts mehr gewinnen - da mag er siegen, sooft er will.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Der frühere Telekom- und T-Mobile-Fahrer hat sich in den vergangenen Jahren mit bemerkenswerter Konsequenz ins Abseits manövriert. Er ist einer jener Profis, in deren Geschichte alle ernstzunehmenden Indizien dafür sprechen, dass sie systematisches Doping betrieben haben. So hat im Mai die Doping-Untersuchungskommission der Universitätsklinik Freiburg in ihrem Abschlussbericht festgestellt, dass „neben dem geständigen Fahrer Patrik Sinkewitz während der Tour de France 2006 zumindest zwei weitere Radfahrer (...) Eigenblut-Doping betrieben haben: Matthias Kessler und Andreas Klöden.“

          Klöden blieb bei seiner Unschuldsbeteuerung

          Die Freiburger Gutachter berichten von „einem Fahrzeug mit Sinkewitz, Klöden und Kessler“, das am 2. Juli 2006 während der Tour de France von Straßburg nach Freiburg gefahren sei. Grund der T-mobilen Dienstreise: Eigenblut-Transfusionen. Kessler ist später des Testosteron-Dopings überführt worden und bis zum 26. Juli dieses Jahres gesperrt. Klöden jedoch gab sich keine Blöße. Während alte Telekom-Kollegen wie Patrik Sinkewitz, Matthias Kessler, Udo Bölts, Rolf Aldag, Erik Zabel, Christian Henn, Danilo Hondo oder Alexander Winokurow aufflogen oder unter dem Eindruck der Indizien Doping gestanden, blieb Klöden bei seiner Unschuldsbeteuerung - bis heute gibt es keinen gerichtsverwertbaren Beweis gegen ihn. Er radelt weiter - und das ist eine durchaus erstaunliche Leistung für einen Profi, der von 1998 bis 2006 für Telekom/T-Mobile unterwegs war, ein Team, in dem, wie man heute weiß, systematisch gedopt wurde.

          Grundhaltung: Schweigen

          Klöden war 2004 Zweiter der Tour de France. 2006 kam er als Dritter in Paris an und rückte später auf Platz zwei vor, als der gedopte Sieger Floyd Landis disqualifiziert wurde. Im Jahr darauf verabschiedete er sich zu Astana, wo er mit seinem früheren T-Mobile-Kollegen, dem alsbald überführten Blutdoper Winokurow, zunächst eine Doppelspitze bildete, ehe Lance Armstrong und Alberto Contador als neue Chefs hinzukamen. Astana war für Klöden, der wie sein enger Freund Jan Ullrich die Grundlagen des schnellen Radfahrens beim SC Dynamo Berlin erlernt hat, ein erstes Fluchtsignal.

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