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Radsport : Der Marathon-Mann am Ende des Weges

  • -Aktualisiert am

Gang zum Abschied Bild: AP

Der derzeit erfolgreichste noch aktive Radprofi tritt zurück: Erik Zabel wird nach einem Rennen in Münster am 3. Oktober seine Karriere beenden - nach 16 Jahren, rund 200 Siegen und sechs Grünen Trikots bei der Tour de France. Seine sportliche Vita hat allerdings auch einen Makel.

          3 Min.

          Er ist schon immer eine Art Marathon-Mann des Radsports gewesen. Rastlos unterwegs, gierig nach Training, nach Rennen, nach Kilometern, nach Erfolgen und Anerkennung. In diesem Jahr ist Erik Zabel noch einmal gefahren, als gäbe es für ihn kein Morgen als Radprofi mehr, und tatsächlich kommt nun auch das Ende.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Am Freitag verkündete Zabel in Varese offiziell, dass Schluss sein wird nach dieser Saison, dass er ein neues Leben beginnen möchte. Der Berliner, der mit seiner Familie in Unna sesshaft geworden ist, steigt vom Rad. Er hat diesen Entschluss bereits im Juli gefasst, unmittelbar nach der Tour de France. „Ich gehe als Freund des Radsports“, sagte Zabel in Varese, er wirkte dabei gelöst. Er wird seinem Metier in anderer Funktion erhalten bleiben, jedoch vorläufig noch nicht in vorderer Reihe: Zabel erzählte, dass er künftig als Botschafter und Berater für zwei Radsportfirmen tätig sein werde.

          „Ich hatte in diesem Jahr viel Spaß am Radsport“

          Ein Mann und seine Rennmaschine: Zabel, häufig kurz „Ete“ genannt, hat in diesem Jahr seiner Leidenschaft noch einmal ausgiebig gefrönt. Er nahm am Giro d'Italia teil, an der Tour de France, er bestritt die Spanien-Rundfahrt. Zabel wird an diesem Sonntag bei der Weltmeisterschaft in Varese auch noch einmal für Deutschland in die Pedale treten. Große Chancen kann er sich nicht ausrechnen, aber Zabel wird das kaum stören, er wird sich bemühen, den Tag trotz allem zu genießen.

          Gute Laune beim Abschied: Erik Zabel
          Gute Laune beim Abschied: Erik Zabel : Bild: dpa

          „Ich hatte in diesem Jahr viel Spaß am Radsport und konnte auf Augenhöhe mit der internationalen Konkurrenz fahren“, sagte er am Freitag. „Ich weiß nicht, ob das in einer weiteren Saison noch möglich wäre, und denke, dass dies daher der richtige Moment ist, um aufzuhören.“ Der 38 Jahre alte Rennfahrer, Profi seit 1993, hat ein beachtliches sportliches Werk zustande gebracht Als Sprinter, aber auch als ein Mann, der sich bei den Frühjahrsklassikern zu behaupten wusste - und in den Bergen.

          Zabel wurde zum Allrounder

          Er entwickelte sich zu einem Allrounder, allerdings blieb ihm in den vergangenen Jahren häufig nur der zweite Platz, er war ja doch ein bisschen langsamer geworden. Zabel musste lernen, damit zurechtzukommen; kein einfacher Prozess. Aber letztlich konnte er sich doch damit trösten, niemandem mehr etwas beweisen zu müssen, er hatte genug Trophäen gesammelt und insgesamt etwa 200 Siege. Sechsmal holte Zabel das Grüne Trikot bei der Tour de France, er entschied zwölf Tour-Etappen für sich, er war viermal der Beste bei Mailand - San Remo, wo er sich stets besonders wohl gefühlt hatte.

          Über seinen Abschied war seit längerem spekuliert worden, Zabel selbst hatte einige Hinweise darauf gegeben. Gleichwohl hatte das Team Milram sich vor diesem Freitag zu seiner Zukunft nicht äußern wollen. Allerdings trieb der Rennstall seine Personalplanungen vehement voran, und es war abzusehen, dass für Zabel in diesem Team kein Platz mehr als Rennfahrer sein würde. Teamchef Gerry van Gerwen rüstet mächtig auf, er will der Equipe ein deutsches Gesicht geben - sie wird nach dem Rückzug des Teams Gerolsteiner die einzige erstklassige deutsche Profi-Gemeinschaft sein. Und vermutlich wird der Pulheimer Gerald Ciolek Zabels Nachfolger als Sprintspezialist sein; dass der aufstrebende Profi ebenso wie Linus Gerdemann von Columbia zu Milram wechseln wird, gilt als sicher.

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