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Radsport : Der Giro bittet zum letzten Addio für Pantani

Will beim Giro mitreden: Davide Rebellin Bild: dpa/dpaweb

Am Samstag beginnt der Giro d'Italia. Es wird ein besonderes Rennen. Der Troß kommt auch nach Cesena, nur wenige Kilometer vom Hafen Cesenatico entfernt, wo Marco Pantani aufwuchs, lebte und wo er beerdigt wurde.

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          Ein Rennen fürs Gefühl - sogar Radprofis mit berufsbedingt ruhigem Puls bekommen Herzklopfen vor dem Giro d'Italia. "Giro, das ist eine große Freude", sagt Christian Henn. "Da geht zwar alles ein bißchen drunter und drüber, aber es läuft."

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Henn startet an diesem Samstag zu seinem zehnten Giro. Siebenmal hat er das dreiwöchige Radrennen im Sattel hinter sich gebracht, für das italienische Team Carrera und die Deutsche Telekom. Diesmal ist er, zum dritten Mal, Sportdirektor des Teams Gerolsteiner. Die Rundfahrt, die mit dem Prolog in der Altstadt von Genua beginnt und über Alba in Ligurien in den Süden des Landes und dann entlang der Adria, mit einem Abstecher nach Kroatien, nach Norden und in die Dolomiten führt, ist für die Mannschaft Herzenssache. Davide Rebellin, ihr Kapitän, wird die Honneurs für seine überragenden Erfolge in den Frühjahrsklassikern entgegennehmen und, wer weiß, vielleicht um Etappensiege und das Rosa Trikot kämpfen. "Das wird eine wunderbar patriotische Angelegenheit", schwärmt Teamchef Hans-Michael Holczer.

          Rebellin hat die Lizenz zum Aussteigen, weil noch wichtige Aufgaben warten im Lauf der Saison. Vielen anderen geht es ebenso. T-Mobile und acht weitere Teams der Top 14, die automatisches Startrecht haben, steigen erst gar nicht ein. Von den 19 Teams, die antreten, sind zwölf italienisch. Trotz der vielen Absagen strichen die Veranstalter das spanische Team Kelme, weil ihnen die Dopingvorwürfe des ehemaligen Fahrers Jesus Manzano offenbar plausibel erscheinen. Sie haben schlechte Erfahrungen gemacht. Immer wieder, nicht erst seit dem Ausschluß von Marco Pantani am Vortag seines Gesamtsieges 1999, am 5. Juni in Madonna di Campiglio, wird der Giro auch von Dopingskandalen beherrscht - etwa dem "Blitz" der Drogenfahnder von San Remo 2001 sowie Festnahmen und Ausschlüssen wegen positiver Proben von Stefano Garzelli und Gilberto Simoni beim Giro 2002. Die beiden sind die Favoriten der neuesten Auflage.

          In diesem Jahr sind es erst der kolumbianische Profi Uberlino Mesa vom zweitklassigen Team Selle Italia und sein slowenischer Kollege Jure Golcer (Pinzolo), die nach der Eingangsuntersuchung des Blutes nach dem australischen Verfahren (auf der Basis von Hämatokritwert und Retikulozyten, der Vorstufe von Blutkörperchen) wegen anomaler Werte ausgeschlossen wurden. 167 Fahrer gehen an den Start.

          Ihre Herzen in die Hand werden die Gerolsteiner-Sprinter Olaf Pollack und Robert Förster nehmen müssen. Sie sollen versuchen, wenn das Feld nach traditionell gemütlichem Beginn Fahrt aufgenommen hat, aus dem (Wind-)Schatten der großen Rivalen Mario Cipollini und Alessandro Petacchi zu kommen, Rekord-Etappensieger des Giro mit 42 Erfolgen der eine, überragender Sprinter und Gewinner von sechs Giro-Etappen des vergangenen Jahres der andere. Gerolsteiners etatmäßiger Sprinter Nummer eins, Danilo Hondo, erspart sich die Kraftprobe. Auch er schont sich für die Tour de France. Bei der Frankreich-Rundfahrt werden auch Cipollini und Petacchi erwartet; vermutlich deshalb dürften auch sie sich die Bergetappen der letzten Woche, vier von sechs insgesamt, ersparen.

          Den großen Abwesenden haben die Veranstalter die steilsten Anstiege der Alpen gewidmet. "Cima Coppi" ist der höchste Gipfel getauft, zu Ehren des fünfmaligen Giro-Siegers Fausto Coppi, auf der Etappe in den Skiort Bormio. Tags darauf geht es den Mortirolo-Paß hinauf, den Ort der ersten großen Attacke von Marco Pantani, der Anfang des Jahres an einer Überdosis Kokain starb. Ihm, dem Sieger von Giro und Tour 1998, ist dieser Anstieg gewidmet.

          Doch schon am Tag der elften Etappe werden die Herzen der Tifosi überfließen. Über die einstigen Trainingsstrecken Pantanis in und um San Marino wird der Giro sein Etappenziel in Cesena erreichen, nur wenige Kilometer vom Hafen Cesenatico entfernt, wo Pantani aufwuchs und lebte und wohin er, in einem Hotel im Nachbarort Rimini tot aufgefunden, zur Beisetzung zurückkehrte. Hunderttausende erwiesen ihm an jenem 18. Februar die letzte Ehre. Der Giro wird Gelegenheit zu einem allerletzten Addio der Fans bieten. Mario Cipollini hat bereits angekündigt, daß er seine erste Etappe für Pantani gewinnen werde.

          Wer will da das Herz allein als Muskel trainieren? Fabian Wegmann, Jungprofi im Team Gerolsteiner, soll in Italien seine erste große Rundfahrt bestreiten, "um körperlich auf eine neue Stufe zu gelangen", wie sein Teamchef sagt. Aber das ist nur eine Dimension.

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