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Radteam Bora-hansgrohe : Ralph Denks große Pläne

  • -Aktualisiert am

Mit Bora-hansgrohe zum Erfolg: Ralph Denk leitet ein top besetztes Radsportteam. Bild: dpa

Seine bescheidenen Anfänge in der Radsportwelt hat Ralph Denk weit hinter sich gelassen. 2021 stehen für ihn und sein Team Bora-hansgrohe ambitionierte Ziele auf dem Programm.

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          Damals, in den Anfangstagen seines Teams, brauste Ralph Denk mit einem kleinen Camper und einem zusammengebastelten Kleinbudget durch die Radsportwelt. Heute sitzt er längst auf dem Frontsitz eines Luxusbusses. Damals konnte der Teammanager mit seinen Rennfahrern selten weiter als ein paar Wochen vorausdenken – musste, überspitzt dargestellt, mitunter herumtelefonieren, wer denn am Wochenende Lust und Zeit habe für ein Radrennen.

          Heute gilt es, in einem top besetzten und teuren Team Interessen auszutarieren, Hierarchien zu beachten, Egos zu pflegen. Um mit 100 Mitarbeitern den Platz der Radsport-Unternehmung Bora-hansgrohe in der Weltspitze zu festigen. Einst kämpfte Denk um Wildcards, um bei den großen Rennen überhaupt mitmachen zu dürfen. Heute hat er einen anderen Anspruch. „Ein Monument würden wir gerne gewinnen“, sagte der Bayer Denk beim Medientag im Team-Trainingscamp am Gardasee. Also eines jener prestigeträchtigen Eintagesrennen wie zum Beispiel die Flandern-Rundfahrt oder Lüttich–Bastogne–Lüttich. „Und ein Podestplatz bei einer großen Landesrundfahrt ist das Ziel. Das haben wir noch nicht erreicht.“

          Nun stehen im Radsport 2021 wegen der Pandemie noch viele Planungen unter Vorbehalt. Einige Rennen, darunter der Jahresauftakt in Australien, sind abgesagt worden. Und doch gilt es, Pläne zu schmieden, wann die Teams ihre Rennfahrer wo, wie und in welcher Rolle einsetzen wollen.

          Ein deutscher Profi auf dem Podest

          Das Radsportjahr wird gemeinhin in den Teil vor der Tour de France und den Teil nach der Tour de France gegliedert. Doch das Projekt von Bora-hansgrohe, mal wieder einen deutschen Profi in Paris auf das Podest zu bekommen, wird mindestens ein Jahr ausgesetzt. Emanuel Buchmann hatte mit seinem vierten Rang 2019 große Hoffnungen geweckt, die er 2020, auch wegen Sturzverletzungen, nicht erfüllen konnte. „Nicht einfach“ und „nicht schön“ sei sein 2020 gewesen, sagte Buchmann. 2021 werde er als Kapitän beim Giro d’Italia „mal schauen, was dort so geht“. Buchmanns Fehlen beim Jahreshöhepunkt in Frankreich wird seine Stellung bei Bora-hansgrohe nicht stärken, ist aber begründet: Der Tour-Parcours 2021 mit vielen Zeitfahrkilometern und wenigen Bergankünften entspricht nicht dem Terrain des leichtgewichtigen Kletterers. „Da sehe ich beim Giro größere Chancen, vorne reinzufahren“, sagt Buchmann.

          Ein bisschen Vabanquespiel gehört dazu. Denn noch ist die Streckenführung der Anfang Mai beginnenden Italien-Rundfahrt nicht bekanntgegeben worden. Der niederländische Neuzugang Wilco Kelderman, Dritter des Giro im vergangenen Herbst, soll den Radstall aus Raubling in Frankreich anführen. Aus deutscher Sicht wird Lennard Kämna, 24 Jahre alt, in den Bergen in den Fokus rücken – und auf Sicht Buchmann wohl noch mehr Konkurrenz machen. Kämna soll bei der Tour wie 2020 noch mal freie Hand für erfolgreiche Etappenjagden erhalten, aber auch weiter angelernt werden für die mögliche Kapitänsrolle eines Tages.

          Generell stellt sich für Bora-hansgrohe die Frage, auf wie vielen Hochzeiten das Team in Frankreich tanzen will. Bekommt Kelderman „bergfeste“ Helfer zur Seite gestellt für den Kampf um die Gesamtwertung? Ist Superstar Peter Sagan dabei und strebt den Gewinn seines achten Grünen Trikots an? Gibt Pascal Ackermann sein Tour-Debüt und darf seinen Sprintzug mitnehmen?

          Günstige Gelegenheit

          Es scheint, als stehe Denk zu seinem Versprechen, Sprinter Ackermann bis 2021 einen Tour-Start zu ermöglichen. Die Gelegenheit ist günstig, weil die Streckenführung acht potentielle Sprintankünfte vorsieht. Und Ackermann Etappenerfolge bei Giro und Vuelta a España als Referenz vorweisen kann. Außerdem hat die Frankreich-Rundfahrt 2020 gezeigt, dass der vielseitige Sagan im fortgeschrittenen Alter gegen die reinen Sprinter meist das Nachsehen hat. Die Statik der Mannschaft könnte sich am Jahresende gehörig ändern. Sagan geht in sein letztes Vertragsjahr, und es gilt als längst nicht ausgemacht, dass der Slowake bleibt.

          Dennoch ist ein Sagan in besserer Form als 2020 (nur ein Saisonsieg) nicht nur für die Vermarktung bedeutsam. Auf dem Rad kann er alles. Der 30-Jährige hat sich bereit gemeldet, um nach den Frühjahrsklassikern auch an Giro, Tour und Olympia teilzunehmen. Mit dem Rheinländer Nils Politt, Paris–Roubaix-Zweiter von 2019, hat das deutsche Team ein weiteres As für die Klassiker verpflichtet. Und wirkt nach dem soliden, aber nicht vollends überzeugenden Jahr 2020 mit 21 Siegen und 71 Podestplazierungen in Summe besser aufgestellt.

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